Ein Mann für eine Saison

Nach David Evans’ Ballfieber (Fever Pitch) aus dem Jahr 1997, gibt es nun erneut eine Verfilmung des erfolgreichen Romans Fever Pitch von Nick Hornby. Diesmal wird die Geschichte über Liebe und Sport in Amerika angesiedelt und von den berüchtigten Farrelly-Brüdern verwirklicht.

Ein Mann für eine Saison

In ihrem neuen Film Ein Mann für eine Saison (Fever Pitch) begeben sich Peter und Bobby Farrelly auf bereits betretenes Terrain und nehmen sich einem Stoff an, der sowohl als Roman wie auch als englische Filmadaption schon Erfolge verbuchen konnte. Die literarische Vorlage von Nick Hornby erzählt von der problematischen Romanze zwischen einer beinharten Geschäftsfrau und einem Fußballfanatiker und behandelt mit den unvereinbaren Unterschieden zwischen Männern und Frauen ein immer wieder beliebtes Komödienthema.

Mit dem Humor halten sich die Farrellys diesmal jedoch erstaunlich zurück und beschränken sich darauf, den Stoff einem größeren Publikum näher zu bringen oder besser gesagt auch amerikanischen Zuschauern schmackhaft zu machen. Der in Amerika gerne ignorierte Fußball wurde deshalb durch das dort weitaus populärere Baseball eingetauscht. Bei der Mannschaft hat man sich für die seit Jahrzehnten vom Pech verfolgten Boston Red Sox entschieden, die während der Dreharbeiten völlig unerwartet zu den großen Aufsteigern der Saison wurden und deren plötzlicher Erfolg gleich in den fertigen Film mit eingearbeitet wurde.

Ein Mann für eine Saison

Erzählt wird von dem Lehrer Ben, der seit seinem siebten Lebensjahr kein Spiel der Red Sox verpasst hat und dessen Schlafzimmer ungefähr aussieht wie ein Souvenirladen von besagter Mannschaft. Als er bei einem Schulausflug die ehrgeizige Geschäftsfrau Lindsay kennen lernt, fühlt er sich sofort von ihr angezogen und verabredet sich mit ihr.

Nach einigen Anlaufschwierigkeiten funkt es dann auch zwischen den beiden und sie entwickeln sich zum ultimativen Traumpärchen, zumindest bis zur Eröffnung der Baseballsaison. Ab dann fühlt sich Ben immer wieder zwischen seinen zwei Lieben gefangen und kann sich nicht so recht entscheiden, ob ihm der Sport oder die Beziehung mehr bedeutet. Aber keine Sorge, es gibt natürlich ein Happy-End, und das sogar in zweifacher Hinsicht.

Die Inhaltsbeschreibung macht schnell klar, dass diese romantische Komödie mit den beiden, ganz auf Sympathie getrimmten, Hauptdarstellern Jimmy Fallon und Drew Barrymore relativ zahm für einen Farrelly-Film anmutet. Besonders nach ihrem letzten Film Unzertrennlich (Stuck on You, 2003) über den ganz normalen Alltag von siamesischen Zwillingen hätte man sich etwas mehr subversives Potential gewünscht. Doch Ein Mann für eine Saison versucht ebenso wenig den politisch unkorrekten Humor aus Verrückt nach Mary (There’s something about Mary, 1998) wieder aufzugreifen wie er auch auf eine skurrile Ansammlung an exzentrischen Freaks wie in Kingpin (1996) verzichtet. Stattdessen gibt es eine langweilige und vorhersehbare Liebesgeschichte, die auf den Farrelly-typischen Fäkalhumor verzichtet und dafür ihren Schwerpunkt auf kitschige Liebesbeschwörungen verlagert. Allerdings wäre dies überhaupt nicht nötig gewesen, weil man trotz einiger kleiner Hindernisse ohnehin keine Sekunde daran zweifelt, dass die zwei geradezu für einander gemachten Liebenden eine große Zukunft vor sich haben.

Ein Mann für eine Saison

Die vermeintlichen Angriffe auf political correctness und den guten Geschmack in den Filmen der Farrellys waren schon immer mehr eine Bestätigung tradierter Werte und Vorstellungen als deren Dekonstruktion. Neben einigen tabubrechenden Witzen und einer Vorliebe für eigenwillige Charaktere unterscheiden sich ihre Filme ohnehin kaum von herkömmlichen Hollywoodkomödien. Wie in all ihren Filmen ist auch in Ein Mann für eine Saison Ironie ein gerne verwendetes, wenn in diesem Fall auch sparsam eingesetztes Element. Das Problem damit ist, dass die Farrellys dem Irrtum unterliegen, dass man ihnen jeden geschmacklichen Fehltritt durchgehen lässt, wenn man ihn mit einem ironischen Augenzwinkern kommentiert. Genau dieses Augenzwinkern wird in Ein Mann für eine Saison von den langweiligen Charakteren, der trivialen Geschichte und dem naiven Glauben, dass jeder Mensch seinen perfekten Partner hat, geradezu platt gewalzt.

In einem Interview geben die Farrellys selbst zu, dass Ein Mann für eine Saison einmal ein Film über normale Leute werden sollte. Nur Schade, dass sie sich damit allem berauben, was ihre Filme ansatzweise interessant gemacht hat. Als nächstes erfüllen sich die Farrellys übrigens einen lang gehegten Traum und verwirklichen ein Projekt über die Komikertruppe der drei Stooges. Vielleicht schaffen sie es diesmal, die für ihre Filme obligatorische Liebesgeschichte wieder mit einem mehrfachen Augenzwinkern zu versehen und damit bei Weitem erträglicher zu gestalten.

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