Ein Mann für alle Unfälle

Drei Jungs heuern einen unkonventionellen Bodyguard an, der sie vor Prügel beschützen soll. Ein Mann für alle Unfälle ist eine grundsympathische Komödie aus der Mitte des amerikanischen Mainstreamkinos.

Ein Mann für alle Unfälle

Bob „Drillbit“ Taylor (Owen Wilson) hat es herausgefunden: Lehrer zu werden ist ganz einfach. Man muss nur das Lehrerzimmer betreten und sich möglichst schnell einen Kaffeebecher schnappen. Dann wird niemand unangenehme Fragen stellen. Und da Drillbit als Obdachloser vor allem in bildungsfernen Schichten verkehrt, ist das Lehrerzimmer wenig später fest in der Hand einer Gruppe kaffeetrinkender Gestalten, die dort für gewöhnlich nichts verloren haben.

Drillbit selbst findet seine neue Berufung durch einen Zufall, beziehungsweise durch die Schüler Wade (Nate Hartley), Ryan (Troy Gentile) und Emmit (David Dorfman). Diese werden seit Beginn des Schuljahres von zwei älteren Jungen terrorisiert. Der Rektor glaubt ihnen nicht, die Eltern interessiert es nicht, und bei den Mädchen hat man als Lachnummer der ganzen Schule schon gar keine Chancen. Also beschließen die drei, einen Bodyguard anzuheuern. Da kommt ihnen Drillbit, der nach eigenen Angaben wegen „unauthorized heroism“ aus der Armee geflogen ist, gerade recht.

Ein Mann für alle Unfälle

Ein Mann für alle Unfälle (Drillbit Taylor) ist ein weiteres Werk der derzeit extrem produktiven Judd-Apatow-Schmiede und wirkt fast wie ein Prequel zum letztjährigen Sommerhit Superbad (2007), mit dem der Film auch den Drehbuchautor Seth Rogen teilt. Die drei jugendlichen Protagonisten sind einige Jahre jünger, ansonsten ist die Konstellation identisch: Einer ist schlank und neurotisch (Wade), einer rundlich und lebenslustig (Ryan) und der dritte ist ein hoffnungsloser Freak (Emmit). Er wird von den beiden anderen nur äußerst widerwillig mitgeschleppt. Denn wie mit Fogell (Christopher Mintz-Plasse) in Superbad ist mit Emmit ein Aufstieg innerhalb der Highschoolhierarchie faktisch unmöglich.

Die Apatow-Filme spielen, abgesehen von Genreparodien wie Ricky Bobby – König der Rennfahrer (Talladega Nights: The Ballad of Ricky Bobby, 2006), zunehmend in einer einzigen, kontinuierlichen Welt: Die Jungs von Ein Mann für alle Unfälle werden zu denen von Superbad, ziehen nach dem Schulabschluss in die WG aus Beim ersten Mal (Knocked Up, 2007) und enden, wenn sie nicht heiraten, möglicherweise wie Steve Carell in Jungfrau (40), männlich, sucht (The 40 Year Old Virgin, 2005). Gemeinsam entwerfen die Filme ein breites Panorama aus jüdischer Mittelklassebefindlichkeit und nerdiger Männlichkeit zwischen Internetpornografie und alltäglichen Demütigungen.

Ein Mann für alle Unfälle

Strikt gegendert ist der Blick, der auf dieses Universum geworfen wird. Die Frauen gehören in der Apatow-Welt nie wirklich dazu und entstammen anderen sozialen Sphären. In diesem Fall dient als love interest eine Asiatin. Für Wades Taktik ist das ein Problem: Er schreibt sich, um Brooke (Valerie Tian) näher zu kommen, in alle Clubs ein, in denen sie auch teilnimmt. Im „Asian Heritage Club“ ist der hochgewachsene, bleichgesichtige Nerd dann denkbar fehl am Platz.

Ein Mann für alle Unfälle passt in die Reihe der Apatow-Produktionen, ist aber dennoch ein etwas kleinerer Wurf als seine Vorgänger. Regisseur Steven Brill, unter anderem verantwortlich für die Adam-Sandler-Vehikel Mr. Deeds (2002) und Little Nicky – Satan Junior (Little Nicky, 2000) ist ein klassischer Mainstreamhandwerker, der nicht immer eine sichere Hand besitzt. Viel von dem, was er versucht, funktioniert nur halb und manches, insbesondere die Actionsequenzen im letzten Filmdrittel, schlicht und einfach gar nicht. Die Highschoolwelt ist nicht so lebendig ausgestaltet wie in Superbad, die Nebenfiguren sind weniger liebevoll gezeichnet als in Beim ersten Mal und ganz allgemein ist der Film nicht ganz so komisch.

Dafür hat Ein Mann für alle Unfälle Owen Wilson. Der ist äußerst gut aufgelegt und versöhnt gerade in der zweiten Filmhälfte selbst dann mit Drehbuchschwächen, wenn diese seine eigene Rolle betreffen. Drillbit wird zwar mit Attributen ausgestattet, die man dem Sunnyboy Wilson zumindest als Filmfigur nicht abnehmen möchte. Wenn der Aushilfslehrer und Möchtegernbodyguard aber nicht gerade damit beschäftigt ist, seine dunkle Seite zu erkunden, verschafft er Drillbit Taylor genau die Portion Leichtigkeit und Unbeschwingtheit, die eine an sich eher mittelmäßige Komödie in echtes Kinovergnügen verwandelt.

Trailer zu „Ein Mann für alle Unfälle“


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