Ehe französisch

Im Gewand einer sarkastischen Komödie bringt Jean-Pierre Mockys Film die Bankrotterklärung der Ehe hervor und provozierte damit die zeitgenössische französische Öffentlichkeit.

Ehe Französisch

Ehe französisch (Un couple, 1960), nach Die nach Liebe hungern (Les dragueurs, 1959) der zweite Film von Jean-Pierre Mocky, eckt mit einer Attacke auf die Institution der Ehe an und fügt sich damit in eine Reihe für die damalige Epoche recht freizügiger Filme – neben den heute wesentlich bekannteren Filmen wie …und immer lockt das Weib (Et Dieu créa la femme, 1956) von Roger Vadim und Die Liebenden (Les amants, 1958) von Louis Malle –, die in ihrem Umgang mit dem Thema Liebe frühzeitig die sexuelle Revolution ankündigten, die die französische Gesellschaft wenige Jahre später erreichen sollte. Mocky interessiert sich für die moderne Frage, ob sich ein Ehepaar im Bett immer die Wahrheit sagen soll. Anne (Juliette Mayniel) und Pierre (Jean Kosta) stellen nach drei Jahren Ehe fest, dass sie sich körperlich nicht mehr verstehen und beschließen, sich zu trennen, obwohl sie sich immer noch lieben. Für Mocky ist der sexuelle Überdruss das Schicksal jeder Ehe. Und wenn die Mehrheit der Paare sich in Lüge und Kompromiss einrichten, um den Schein oder das familiäre Nest zu wahren, sind Anne und Pierre dafür zu aufrichtig und ihr Anspruch an die Liebe zu absolut. Im Grunde ist es gerade ihre Ehrlichkeit miteinander, die ihre Ehe zerstört.

Die Dramatik des Themas wird aufgefangen vom typisch burlesk-komischen Stil des Regisseurs. Um sein Idealpaar herum inszeniert Mocky auf sarkastisch-humorvolle Weise einige weitere Paare, die in Untreue und Mittelmäßigkeit leben und ein lächerliches Bild der Liebe abgeben. Hinter der Komik des Stils und der Modernität des Themas kommt wieder das für die Nouvelle Vague typische negative Frauenbild zum Vorschein. Wenn es vor allem Pierre ist, der mit seiner Ehe hadert und wie ein romantischer Held leidet, so ist es schließlich Anne, die den Treuebruch vollzieht. Mehrere Monate lang weigerten sich Verleiher und Kinobesitzer, den pessimistisch-spöttischen Film in Frankreich herauszubringen. Doch Ehe französisch, dessen Dialoge der Schriftsteller Raymond Queneau geschrieben hat, fand die Unterstützung vieler intellektueller Persönlichkeiten wie Jean Cocteau, Claude Mauriac oder Françoise Sagan, so dass die Polemik um seine Veröffentlichung ihm schließlich als Publicity-Effekt zu Gute kam.

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