Easy Money

Stockholm, Gewalt, Verbrechen – und das alles ohne Kommissare. Easy Money ist ein herrlich dreckiger Gangsterfilm.

Easy Money 02

Als der Professor in seiner Vorlesung erklärt, dass die Wirtschaftskrise auch als Chance begriffen werden muss, hat er dabei sicherlich anderes im Kopf als sein Student JW (Joel Kinnaman). Dem ist es weniger an einer gerechteren Gesellschaft gelegen als am persönlichen Aufstieg. Er sehnt ein Leben in der Clique seiner reichen Kommilitonen herbei, eine sichere Banker-Zukunft und ansonsten wilde Partys auf großen Landhäusern – doch noch verdient er sein Geld mit illegalen Taxifahrten für seinen Boss Abdulkarim. Noch bevor JW die Bühne betritt, ist Jorge (Matias Padin) bereits aus einem Stockholmer Gefängnis geflohen, und die serbische Mafia hat ihren Killer Mrado (Dragomir Mrsic) auf den Latino angesetzt – der wiederum keine große Lust mehr auf den Job hat. Als JW den Hinweis seines Dozenten beherzigt und sein Wissen über kurz vor der Pleite stehende Banken ausnutzt, um Abdulkarim bei einem großen Kokaindeal zu helfen, laufen die parallel erzählten Handlungsstränge zusammen.

Easy Money 01

Zunächst aber ist Easy Money (Snabba Cash) das reinste Chaos. Dabei gelingt es Regisseur Espinosa, dass die fragmentarische Exposition den Zuschauer weder über- noch unterfordert und insgesamt mehr anregt als abstößt. Die bis zum Ende aufrecht erhaltene Spannung ergibt sich nicht zuletzt daraus, dass die Handlung nicht aus einer zentralen Perspektive erzählt wird und stets nicht ganz durchschaubar ist, wer hier eigentlich wen in der Hand hat. Diese Unvorhersehbarkeit wird auf visueller Ebene durch eine raue Atmosphäre ergänzt, die jeder Szene eine starke Intensität verleiht und gleichzeitig das kommende Unheil vorausahnen lässt. Dabei sind Aril Wretblads rasante Handkamera, Jon Ekstrands paranoische Musik und die immer wieder überraschenden Schnitte keine Stilübungen, sondern Ausdruck von Espinosas Gespür für das richtige Erzähltempo. Easy Money lässt wenig Zeit zum Atmen und Nachdenken – und doch geht es ihm nicht um rein effektives Actionkino. Vielmehr führt dieser Rhythmus das Gefühl herbei, dass hier eigentlich niemand etwas unter Kontrolle hat.

Easy Money 08

Orientierung im Chaos bieten die Outsider des Films: JW, Jorge und Mrado. Als Gangster unterschiedlicher Couleur sind sie nicht gerade moralischen Instanzen, aber über die Ausleuchtung ihres Privatlebens dringt die Moral schließlich doch in das geschlossene Mafia-Universum. So will Jorge nach dem Kokaindeal aussteigen und sich um seine schwangere Schwester kümmern, Mrado wird nachdenklich, als er der Aufsichtspflicht über seine kleine Tochter Lovisa nachkommen muss, und für JW gehört zum erstrebenswerten Leben nicht nur das schöne Geld, sondern auch die schöne Sophie (Lisa Henni). Die Vater-Komplexe der Bösewichte, die hübsche Frau als Objekt der Begierde, die süße Tochter, für die man dem Gangsterleben entsagen will – all diese Elemente brechen die dreckige Atmosphäre von Easy Money dann doch und lassen die über die drei Protagonisten wiedergewonnene Struktur beinahe in Schematismus umschlagen. So angenehm unverbraucht der Film durch Plot und Look wirkt, so altbacken sind dann doch einige Themen, die er hintergründig durchspielt.

Weil die hervorragend gespielten Figuren jederzeit glaubhaft bleiben, stören diese Schwächen aber höchstens im Nachhinein. Vor allem Joel Kinnaman lässt uns die zunehmende Paranoia und Verzweiflung des Wirtschaftsstudenten spüren, der auf dem Weg zum schnellen Geld eine Grenze überschritten hat. In Zeiten der Finanzkrise(n) und Diskussionen um Unternehmensethik ist die Anfälligkeit der Pleitebanken für die organisierte Kriminalität eine starke Gegenthese.

Easy Money 03

Die der Story inhärenten Motive sind das Verdienst von Bestseller-Autor Jens Lapidus, auf dessen Roman der Film beruht – der Auftakt zu seiner Stockholm-Noir-Trilogie, deren filmische Fortsetzung bereits in Planung ist. Stockholm, Krimi, Dreiteiler – das erinnert alles stark an die kürzliche Verfilmung der Millennium-Trilogie von Stieg Larsson. Easy Money hat zumindest in Schweden noch mehr Geld eingespielt als der Abschluss der Larsson-Saga Vergebung (Luftslottet som sprängdes, 2009) – und das ist durchaus eine gute Nachricht. Denn mehr noch als den Machern der Millennium-Filme gelingt es Espinosa, die Vorlage nicht nur angemessen zu inszenieren, sondern ihr einen eigenen visuellen Stil zu verleihen und ihre Spannung auf anregendere, weil weniger konventionelle Art herauszustellen. Während die Larsson-Filme noch vieles den Vorlagen zu verdanken hatten, geht die Qualität von Easy Money zu gleichen Teilen auf Lapidus' Roman, die Drehbuch-Adaption und Espinosas Inszenierung zurück. Diese Qualität – und das ist eine weitere Parallele zur Millennium-Trilogie – ist auch in Hollywood erkannt worden. Während David Fincher gerade den ersten Larsson-Krimi neu verfilmt, hat sich Warner die Rechte an Lapidus' Romanen gesichert – und plant ein Remake mit Teenie-Schwarm Zac Efron. Riecht da vielleicht jemand Easy Money

Trailer zu „Easy Money“


Trailer ansehen (2)

Kommentare

Es gibt bisher noch keine Kommentare.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.