Drum

Im Johannesburg der 50er Jahre nimmt ein Reporter den Kampf gegen das Apartheidsregime auf. Zola Masekos Politdrama erzählt die Geschichte der historischen Zeitschrift „Drum“, die eine wichtige Rolle in der frühen südafrikanischen Bürgerrechtsbewegung spielte.

Drum

Kurz nach der Installation des Apartheidsregimes bot der Johannesburger Stadtteil Sophiatown Teilen der farbigen Bevölkerung Südafrikas Zuflucht und sorgte für etwas Ablenkung im tristen, vom alltäglichen Rassismus geprägten Alltag. Auch der Journalist Henry Nxumalo (Taye Diggs) flüchtet gerne in die dortigen Jazzkneipen, welche die strikte Rassentrennung durchbrechen und wo die Jugend der Stadt Jazzmusik sowie Alkohol genießt. Doch der junge Reporter kann bald die Verhältnisse seiner Umgebung nicht mehr ignorieren, verabschiedet sich von Sportreportagen und beginnt eine Reihe von Enthüllungsstorys, welche ihn unter anderem auf die Farm eines brutalen Gutsherrn und in ein berüchtigtes Gefängnis führen. Doch die Skandalberichte setzen nicht nur seinen Arbeitgeber Jim Bailey (Jason Flemyng), den Herausgeber der Zeitschrift „Drum“, unter politischen Druck, sondern bringen auch Henrys eigenes Leben, sowie das seiner Frau Florence (Moshidi Motshegwa) in Gefahr.

Drum beruht auf historischen Ereignissen, neben den in Südafrika legendären Figuren der Haupthandlung taucht auch ein ambitionierter Revolutionär namens Nelson Mandela auf. Regisseur Zola Maseko versucht, mit den Mitteln des modernen Mainstreamfilms die jüngere Geschichte Südafrikas aus der Sicht der schwarzen Bevölkerungsmehrheit zu erzählen. Dabei geht er sehr differenziert vor, bei weitem nicht alle Europäer in seinem Werk sind negativ konnotiert und viele Probleme entstehen dadurch, dass farbige Gruppierungen untereinander verfeindet sind. Allerdings macht der Film sehr deutlich, dass das Apartheidssystem keine andere Zielsetzung hatte, als mit Hilfe rassistischer Strukturen auf allen Ebenen die nichtweiße Bevölkerung zu unterdrücken und auszubeuten. Heute, da die Besitzverhältnisse im ländlichen Südafrika wieder stärker in das Blickfeld der Weltöffentlichkeit rücken, ist Masekos Film deshalb deutlich als politisches Statement gekennzeichnet.

Drum

Stilistisch orientiert sich Drum vor allem an Werken des amerikanischen New Black Cinema der 90er Jahre wie Spike Lees Filmbiographie Malcolm X (1992). Dieser Eindruck geht auch auf die exzellente Arbeit der Kamerafrau Lisa Rinzler, welche unter anderem für den Klassiker Die Straßenkämpfer (Menace II Society, 1993) der Brüder Hughes verantwortlich war, zurück. Die Stimmung des Films wird von einem hervorragenden Soundtrack unterstützt, der die populäre Musik der Ära, welche zeitgenössischen amerikanischen Big Band Jazz mit einheimischen Marabi-Klängen kombinierte, evoziert.

Drum versucht einen ähnlichen Spagat wie die titelgebende historische Zeitschrift: Auch Masekos Film ist zu großen Teilen mit weißem Geld finanziert und erzählt dennoch aus schwarzer Perspektive. Das Vorbild begegnete im südafrikanischen Apartheidssystem durch diese Konzeption vielen Schwierigkeiten, von welchen die Verfilmung aufgrund der neuen politischen Situation glücklicherweise verschont geblieben ist. Doch das Aufeinandertreffen von amerikanischem Kapital und afrikanischer Perspektive bringt in diesem Fall Probleme anderer Art mit sich.

Hauptdarsteller Kaye Diggs hat eine verantwortungsvolle Aufgabe, schließlich schlüpft er in die Rolle eines historischen südafrikanischen Volkshelden. Insgesamt macht er dabei eine sehr gute Figur, allerdings merkt man ihm die Schwierigkeiten an, seinen amerikanischen Akzent zu verbergen. Überhaupt lässt sich eine gewisse Spannung ausmachen zwischen dem Spiel der Hauptrollen, die fast ausschließlich mit bekannten Hollywoodakteuren besetzt sind und dem der afrikanischen Schauspieler in den Nebenrollen.

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Auch das Drehbuch spiegelt an einigen Stellen die Differenz zwischen den beiden Kulturen wieder, die an dem Filmprojekt beteiligt waren. Im Großen und Ganzen funktioniert die Dramaturgie hervorragend, alle Fäden werden zur richtigen Zeit wieder aufgegriffen, der Regisseur führt seinen Film meisterhaft einem konsequenten Ende entgegen. Allerdings bleibt dabei die Charakterisierung der Personen häufig auf der Strecke. Vor allem Florences Entwicklung wird nicht der nötige Platz eingeräumt, doch auch die anderen Figuren erhalten oft zu wenig Freiraum, um Stereotypisierungen zu entkommen. In klassischer amerikanischer Tradition dominiert der Plot die Charaktere. Für einen offen politischen Film wie Drum muss dies natürlich nicht zwangsläufig von Nachteil sein.

Drum zeigt trotz seiner zahlreichen Qualitäten das Dilemma auf, in welchem sich die afrikanische Filmproduktion befindet, sobald sie versucht, über den eigenen Markt hinaus wahrgenommen zu werden. Ohne die Beteiligung amerikanischer Schauspieler und Produzenten hätte der Regisseur wohl eine noch um einiges kraftvollere, weniger konventionelle Geschichte erzählen können. Allerdings hätte er den Film unter diesen Voraussetzungen möglicherweise überhaupt nicht finanzieren können und er wäre mit Sicherheit nicht in die deutschen Kinos gelangt.

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