Drug War

Wenn das Neonlicht erlischt.

Drug War 01

Bisher war der Name Johnnie To fest mit der wuselnden Metropole Hongkong verknüpft. Ihre engen Gassen, dunklen Hinterhöfe und leuchtenden Neonschriftzüge dienten dabei immer wieder als dekorative Kulisse für rasante Verfolgungsjagden und Schusswechsel. Doch der Filmindustrie geht es bekanntlich schlecht, seit Längerem auch in der ehemaligen Kronkolonie. Wenn nun der eigene Markt nicht mehr profitabel genug ist, muss eben expandiert werden. Schon seit einiger Zeit gibt es zunehmend Co-Produktionen zwischen Hongkong und China. To hat bereits seinen letzten Film, die Romantic Comedy Romancing in Thin Air (Gao hai ba zhi lian II, 2012), in der Volksrepublik gedreht. Bei seinem neuen Thriller wirkt sich der Ortswechsel jedoch auch deutlich auf die Ästhetik des Films aus.

Drug War 04

Auch Drug War (Du zhan) hat sich nicht gänzlich aus der Großstadt zurückgezogen. So ist er zwar rund um die chinesische Metropole Tianjin angesiedelt, greift dabei aber nur selten auf typische Bilder des Urbanen zurück. Stattdessen zählen Zollstationen, Fabrikhallen und Landstraßen zu den Schauplätzen, wobei der in ein kühles Blau getauchte Film dabei ständig mit der Dunkelheit kokettiert. Während in der finstersten Nacht archaische Kämpfe ausgetragen werden, erhellen Taschenlampen und Autoscheinwerfer manchmal nur Fragmente der Darsteller. Nicht nur die Lichter der Großstadt sind erloschen, auch die Sonne hat sich in dieser trostlosen Welt verdunkelt.

Drug War 05

Inhaltlich dreht sich Drug War um Drogenschmuggel. Nachdem ein angesehener Dealer (Louis Koo) im Gefängnis landet, möchte er aus Angst vor der Todesstrafe mit der Polizei kooperieren. Mit dem knallharten Cop Zhang (Sun Honglei), der zugleich Partner und Gegenspieler ist, sollen gleich mehrere kriminelle Schwergewichter hochgenommen werden: sowohl ein Kokain-Händler wie auch eine Gruppe von Käufern. Wie To das inszeniert, als eine aufwändige Maskerade, in der Zhang abwechselnd die Rollen des Anbieters und Interessenten einnimmt, besitzt trotz der düsteren Grundstimmung des Films wieder die Verspieltheit, die man von diesem Regisseur gewohnt ist. Statt feinen Nuancen geht es bei Zhangs Verkörperung nur um zwei gegensätzliche Extreme. So muss er auf der einen Seite einen wortkargen Gangster mit versteinerter Miene geben, während er auf der anderen in die Rolle eines geschwätzigen und albernen Drogenbosses schlüpft, der bezeichnenderweise auf den Namen HaHa hört.

Drug War 02

Dass hinter Drug War bei aller technischen Brillianz zumindest teilweise auch eine politische Agenda steht, ist nicht zu übersehen. Wer in China mit Drogen handelt oder sie auch nur konsumiert, muss mit hohen Strafen rechnen, die bis zur Todesspritze reichen. Da verwundert es nicht, dass der Film gegenüber illegalen Rauschmitteln eine ablehnende Haltung einnehmen muss. Selbst ein ohnehin nicht sympathischer Held wie Zhang kann keine Drogen nehmen, ohne dafür zu büßen. Dabei kommt es zu einem reichlich absurden Moment, als Zhang, um nicht aus seiner Rolle zu fallen, zwei Linien Koks zieht und um im Nachhinein paranoide Reaktionen zeigt, die man eher von einem schlecht gelaufenen LSD-Trip erwarten würde. Nicht weniger unorthodox ist schließlich das Gegenmittel zu diesem unfreiwilligen Rausch: eine Badewanne voller Eiswürfel.

Drug War 03

Drug War ist einnehmendes Genrekino, wie man es von To gewohnt ist, wenn auch geradliniger und weniger humorvoll. Damit bleibt er dem puristischen Stil der letzten Filme seiner Produktionsfirma Milkyway treu. Wie zuletzt auch Soi Cheangs großartiger Motorway (Che sau, 2012), wenn auch weniger minimalistisch, erzählt Drug War vom Duell zweier Männer, angesiedelt in geheimnisvoller Dunkelheit und untermalt von einem pulsierenden elektronischen Score von Xavier Jamaux. Interessant dabei ist, wie sehr To das Privat- und Gefühlsleben seiner Figuren ausblendet, gerade weil man sich in Hongkong sonst so gerne melodramatischen Entgleisungen hingibt. Der Rest wirkt im Universum Tos vertraut: Figuren, die sich gegenseitig betrügen, spektakuläre Undercover-Aktionen und ein finales Kugelgewitter, bei dem das Figurenensemble stark dezimiert wird. Ein Regisseur, der schon über fünfzig Filme vorweisen kann – viele davon Actionfilme – , beherrscht sein Handwerk naturgemäß und inszeniert solche Momente routiniert, aber nie schematisch. Ihm dabei zuzusehen ist, auch bei einem derart finsteren Film, eine wahre Freude.


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