Dreileben - Komm mir nicht nach

Ein Film über das Rauchen. Und vieles mehr.

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Establishing Shot: Die Kamera blickt von der Galerie leicht schräg auf den Esstisch. Viel, fast alles, trägt sich zu beim Essen, Trinken, Rauchen, Laufen. Ständige Bewegung, jede Menge Gespräche. Aber erst: ganz kurze Ruhe vor dem Sturm. Dann geht es rein ins Geschehen, an den Tisch. Der Kindermörder im Wald als Märchenfigur für Kinderohren. Politik ist ein Thema, es geht in den Osten. Unter sieben Brücken musst du durchfahren. Oder mehr. Die Dialoge sind so unscheinbar, wie sie dicht sind. Was Regisseur Dominik Graf in nur eineinhalb Stunden erzählt, ist immer wieder erstaunlich. Vielleicht liegt es daran, dass schon seine 48-Minüter wie Langfilme angelegt sind. Und eine Folge Im Angesicht des Verbrechens (2010) hat es auch in sich.

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Angekommen im thüringischen Dreileben, gilt es für Polizeipsychologin Johanna (Jeanette Hain), einem entflohenen verurteilten Mörder (Stefan Kurt) auf die Spur zu kommen, der sich in den Wäldern eingenistet hat. Doch ihr Aufenthalt im Osten wird weniger von dem Fall geprägt als von ihrem Aufeinandertreffen mit der langjährigen Freundin Vera (Susanne Wolff). Das Verhältnis der beiden ist so intim wie belastet, und im Jahrhundertwendehaus, das Veras Mann Bruno (Mišel Matičević), Autor erfolgreicher Schundliteratur, erworben hat, entwickeln sich so starke wie destruktive Energien.

Während Christoph Hochhäuslers Eine Minute Dunkel (2011), der Abschluss von Dreileben und das vermeintliche Zentrum des Stoffes, die Geschichte des Mörders auslotet, graben seine beiden Kollegen am Rand. Bei Petzold ist es ein Zivi, der unwissentlich die Handlungen des gefürchteten Molesch beeinflusst. In Komm mir nicht nach muss sich Johanna auch noch mit einem Korruptionsverdacht und der eigenen Biografie auseinandersetzen.

Petzold agiert dabei äußerst minimalistisch, Graf geht den entgegengesetzten Weg, reichert seine Geschichte ständig an, erzählt meisterhaft orchestriert diverse Stränge parallel.

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Allen drei Erzählungen gleich ist die Konfrontation der Hauptfigur mit einem Antagonisten. Der Zivi trifft auf die temperamentvolle und emotional labile Ana; Molesch wird von einem eigensinnigen Provinzpolizisten gesucht. Johanna wiederum muss sich der Auseinandersetzung mit Vera stellen.

Auch hier setzt Graf auf Ausdehnung, das Verhältnis der Frauen wird von gleich zwei Männern verkompliziert; einer der beiden ist zunächst nur in Souvenirs anwesend, dann in Erzählungen, schließlich als Stimme. Und wie sich herausstellt, war er eigentlich von Anfang an präsent.

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Kommentare


Rudi

Die Überschrift des Artikels heißt "Ein Film über das Rauchen.Und vieles mehr."
Was ist eigentlich der Grund dafür, dass in vielen Filmen geraucht wird, was das Zeug hält? In dem Film "Komm mir nicht nach" konnte man das in gesteigerter Form erleben. Es wirkt schon etwas albern, wenn selbst Schauspieler(innen) am Glimmstängel ziehen, die offensichtlich Nichtraucher sind.
Ein weiterer Kritikpunkt ist in diesem Film der krampfhafte Versuch, den Osten Deutschlands, in diesem Falle Thüringen,als Siedlungsgebiet der Gehirnamputierten darzustellen. Glauben die Filmemacher wirklich selbst daran, was sie den Zuschauern da auftischen? So viele bekloppte Polizisten, unfähige Handwerker und debil wirkende Nachbarn auf einem Haufen, das glaubt vielleicht Tante Frieda im Bayerischen Wald, aber nicht der kritische Zuschauer...






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