Dorian Blues

Regieneuling Tennyson Bardwell erzählt in Form einer Komödie von den Selbstzweifeln und Unsicherheiten eines jungen Schwulen in einer amerikanischen Kleinstadt.

Dorian Blues

Eines Nachts wird sich Dorian nach einem Alptraum bewusst, dass er schwul ist. Dass er in einer Kleinstadt wohnt und in der High School ohnehin schon gehänselt wird, macht das Ganze ebenso kompliziert wie sein tyrannischer Vater und die ausschließlich auf ihre Hausarbeit fixierte Mutter. Einzig sein sportlicher und gut aussehender Bruder Nicky hat ein offenes Ohr für seine Probleme und versucht ihn mit dem Antrainieren einer männlicheren Gestik auf den richtigen Weg zu bringen. Nachdem dies genauso wie die Einbeziehung psychologischer und geistlicher Hilfe scheitert, stellt sich Dorian dem Unausweichlichen und outet sich vor seinem Vater.

In seinem Debütfilm Dorian Blues (2004) erzählt Regisseur Tennyson Bardwell eine typische Coming Out-Geschichte mit ihren Schwierigkeiten von der anfänglichen Unsicherheit bis zur ersten Liebe. Ähnlich wie in den Filmen von Todd Solondz (Willkommen im Tollhaus, Welcome to the Dollhouse, 1995) handelt es sich bei dem Protagonisten um einen Außenseiter inmitten eines scheinbar normalen, in Wirklichkeit aber äußerst neurotischen Umfelds. Obwohl der gesamte Film von Dorians sarkastischen Bemerkungen aus dem Off begleitet wird, geht es nicht allein um dessen persönliche Entwicklung, sondern auch um die Beziehungen innerhalb der patriarchalen Familie. Dabei steht das freundschaftliche, wenn auch nicht reibungslose Verhältnis zwischen den beiden Brüdern im Vordergrund.

Dorian Blues

Obwohl die Geschichte durchaus tragisches Potenzial bietet, funktioniert Dorian Blues wie eine unbeschwerte Komödie, die sich nur an wenigen Stellen völlig ernsthaft den Gefühlen ihrer Figuren annimmt. Dem Genre entsprechend wird bei der Charakterisierung der beiden Hauptfiguren nicht gerade mit Klischees gegeizt. Zwar werden die stereotypen Eigenschaften des gefühlsbetonten Nachwuchsintellektuellen und seines sportlichen und somit weitaus männlicheren Bruders immer wieder, von der Regie oder Dorian selbst, ironisch kommentiert, den Film dominieren sie aber trotz alledem.

Die Stärke des Films ist sicherlich die über weite Strecken gut funktionierende Situationskomik, wegen der man auch leichter über die mangelnde handwerkliche Finesse und das Fehlen einer prägnanten stilistischen Sprache hinweg sehen kann. Wenn es in der zweiten Hälfte des Films um Dorians neues Leben, die daraus resultierenden Probleme sowie um die Bewältigung des Vater-Sohn-Konflikts geht, schlägt der Film auch ernstere Töne an. Dass dadurch der Humor und somit die Stärke des Films in den Hintergrund gerät, lässt die Schwächen in der Inszenierung dafür umso deutlicher hervortreten.

 

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