Dorfpunks

Vier Jugendliche gründen irgendwo im Nirgendwo eine Punk-Band. Doch was vorübergehend als Antriebsmotor funktioniert, entpuppt sich schon bald als Momentaufnahme.

Dorfpunks

Eine Welle, die den Körper eines blonden Jünglings umspült, dann ein saftig gelbes Weizenfeld, an dem dieser entlang schlendert und dessen Ähren er versonnen mit seinen Händen berührt. Mit den ersten Bildern von Lars Jessens Dorfpunks sind Schauplatz, Protagonist und Thema eingeführt. Ein junger Mensch auf der Suche nach dem richtigen Lebensweg. Eingebettet ist diese Wanderung in die raue Endmoränenlandschaft der Holsteinischen Schweiz, die mit einem ruhigen Blick betrachtet wird. Immer wieder verweilt die Kamera auf Bildern der Ostsee, auf Kiefernwäldern, sandigen Dünen oder den farbprächtigen Feldern. Dagegen geschnitten werden Nahaufnahmen des 17-jährigen Malte (Cecil von Renner), ein Tagträumer und Fantast. Lars Jessens Verfilmung von Rocko Schamonis Bestseller Dorfpunks (2004) stellt ebenso wie das Buch den lakonisch anmutenden Malte in den Fokus.

Es ist Sommer im Jahr 1984. Der Punk ist verspätet auch in dem norddeutschen Städtchen Schmalenstedt angekommen. Malte nennt sich jetzt „Roddy Dangerblood“, töpfert sich durch eine ungeliebte Lehre, stört mit seinen Freunden das triste Leben auf dem Dorfplatz und will vor allem eins: frei sein. Mitten in der Ruhe ereignislosen Abhängens entsteht die Idee eine Punk-Band zu gründen. Punk – das klingt nach vollständiger Abkehr vom System. Nach Verweigerung. Alle Normen brechen, trinken, sich Eltern und Lehrern widersetzen. Euphorischer Aktionismus unterbricht die Lethargie der Jugendlichen. Dabei erweist sich die Suche nach einem passenden Bandnamen wichtiger als die Musik. „Irgendwas mit blood“, hält der sich stets im Drogenrauch befindende Fliegevogel (Ole Fischer) für sinnvoll. Blut, Kampf oder Gewalt soll möglichst im Bandnamen auftauchen – allesamt jeglichem Punk-Dasein zuwider laufende Aktionen. Was den Zuschauer zunächst amüsiert, zermürbt irgendwann. Man wartet vergebens auf ein Komplexer-Werden der Handlung jenseits der Namensfindung.

Dorfpunks

Als semantische Schlüsselszene und neben der erwähnten Eingangssequenz einziger visueller Höhepunkt erweist sich jene Sequenz, in der ein signalrotes Schlauchboot auf der Ostsee treibt. Nach Tagen unbefriedigender Bandproben unternehmen die Dorfpunks eine Bootstour. Ausgestattet mit Bier und noch mehr Übermut. Schon bald zieht Nebel auf und verstellt die Sicht. Panik bricht aus, als die Paddel ins Meer fallen und Hund Vadder verschwunden ist. Das Boot kentert. Der Zuschauer ahnt: Ebenso wie das Schlauchboot steuert auch die Band unweigerlich ihrem Ende entgegen. Die „Warheads“ werden an den Strand gespült, die gemeinsamen Pläne für den Sommer unterliegen dem Sog der Ostseewellen. Zwar verhinderte der Seenebel die räumliche Orientierung, führt jedoch offenbar zur inneren Erkenntnis, dass die Bandgründung lediglich eine fixe Idee war.

In Dorfpunks geht es ebenso wie in Dennis Gansels Die Welle (2008) oder Christian Klandts Weltstadt (2008) um jugendliche Identitätsfindung, Gruppenzugehörigkeit und Freundschaft. Die Geschichten handeln von Kindern an der Schwelle zum Erwachsenwerden, die sich nach außen und nach innen abgrenzen wollen. Während die herausragenden Florian Bartholomäi und Gerdi Zint in Weltstadt jeder einzelnen ihrer Emotionen und Reaktionen Emphase verleihen und sie für den Zuschauer nachvollziehbar machen, liefern Roddy & Co. kein Identifikationsangebot. Vor allem Cecil von Renner nimmt man die Rolle des Punks nicht ab. Irgendwie ist er zu blond, zu brav, zu bürgerlich, zu gut aussehend und seine Eltern sind zu verständnisvoll. Ergänzt wird das Schauspiel der jugendlichen Männerbande durch Axel Prahl, der als Kneipenwirt fungiert und dem Film ein wenig Format verleiht. Melancholisch und zugleich glücklich wirkt Prahl, wenn er ganz bei sich zu sein scheint, sobald die Musik seiner Platten erklingt.

Dorfpunks

Zweifellos hätte Dorfpunks auch zu jeder anderen Zeit spielen können. Der Drang auszubrechen ist universell. Heute hängt die HipHop-Jugend am Schmalenstedter Busbahnhof ab. Ihre Musik und ihr Vokabular sind ein anderes, aber die Probleme als Teenager und deren Riten sind die gleichen wie 1984. Eine dieser immer gleichen Lebensgeschichten erzählt Jessen, ergänzt durch einen unverstellt romantischen Blick für die Natur und ein Faible für derbe Ausdrücke. Ebenso wie die „Warheads“ jedoch lediglich eine bäuerliche Version von Punks abgeben, ist auch die Verfilmung nur ein Abklatsch der Literaturvorlage.

Trailer zu „Dorfpunks“


Trailer ansehen (1)

Kommentare


zustimmung

ich stimme vollkommen der kritik zu...cecil von renner ist einfach noch ein kleiner schuljunge und kein punk!
jedoch sollte man bedenken,dass es in dem film auch nicht um die "allerweltspunks" geht,sondern um die dorfjugend,die sich nur an ihren kühen orientieren kann,was punk ungefähr ist!
jedenfalls ein film,den man sich ohne bedenken anschauen kann,wobei man jedoch keinen topfilm erwarten sollte(vor allem,da der film in keinster weise den witz des buches umsetzt).


Buchfan

Ich las das Buch und habe herhaft gelacht..IMMER.Ich könnte sagen,dass es eines meiner Lieblingsbücher ist! Dann hörte ich irgendwann von dem Kinofilm."Geil",dachte ich "da kann man doch ma n guten Film draus machen". Doch als ich dann im Kino diesen "Alphajungen" als Protagoisten sah, dachte ich mir schon meinen Teil.. Der Film ist meiner Meinung nach ein Flop: nur ein kurzer Zeitabschnitt des Buches, dazuerfundene (überflüssige) Szenen, und generell enttäuschend. Lest das Buch!!!Macht euch in euerm Kopf die eigene Punk-Jugend!!Und wenns sein muss guckt DANACH den Film.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.