Doomsday – Tag der Rache

Die Apokalypse bricht über Schottland herein und bietet Neil Marshall reichlich Gelegenheit für einen unterhaltsam-überdrehten Actionstreifen mit viel Blut und ohne Hirn.

Doomsday

Schottische Nationalisten dürften sich etwas anderes unter Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich vorstellen: Nach dem Ausbruch eines vorher unbekannten, in kürzester Zeit tödlich wirkenden Virus wird Schottland 2008 unter Quarantäne gestellt und mittels einer Stahlwand komplett vom Rest Großbritanniens und der Welt abgeschottet. Als fünfundzwanzig Jahre später die Seuche plötzlich mitten in London um sich greift, bricht eine kleine militärische Spezialeinheit nach Glasgow auf, um Überlebende der damaligen Katastrophe aufzuspüren, die gegen das Virus immun sind.

Man muss Autor und Regisseur Neil Marshall schon zu der Chuzpe gratulieren, die virale Apokalypse in einer globalisierten Welt auf Schottland zu begrenzen. Nur durch diesen Kniff, der die jahrhundertealte Feindschaft zwischen Engländern und Schotten in zynischer Überspitzung aufgreift, bringt er seine Handlung, die im weiteren Verlauf von Doomsday – Tag der Rache (Doomsday) Stringenz und Logik völlig aufgibt, überhaupt in Gang.

Man kann diesen Film nicht ernst nehmen – um nur das herausragende Beispiel zu nennen: Resistenz gegen das Virus geht offenbar mit seltsamen Verhaltensanpassungen einher. So neigen überlebende Stadtbewohner zu sexuellen Perversionen, Tattoos im Tribal-Look und Kannibalismus, während sich Landbewohner auf mittelalterlichen Burgen zusammenrotten und dort in epochengemäßer Kleidung brutalen Gladiatorenkämpfen beiwohnen.

Doomsday

Es ist eine durch und durch verrohte Welt, in die Major Eden Sinclair (Rhona Mitra) mit ihrem Trupp, der von den Einheimischen zügig dezimiert wird, hineingerät; der Wille der Überlebenden, den Menschen jenseits der Stahlwand zu helfen, ist denkbar gering. So ist Eden bald vor allem damit beschäftigt, sich vor den Banden von Sol (Craig Conway) und Kane (Malcolm MacDowell) in Sicherheit zu bringen.

Man darf diesen Film nicht ernst nehmen – denn seine seltsamen Handlungssprünge und logischen Inkonsequenzen dienen immer wieder dazu, neue Actionszenen und Verfolgungsjagden in Szene setzen zu können, während sämtliche Klischees der postapokalyptischen Filme der 1980er Jahren abgefeiert werden. So erinnert Doomsday fortwährend an die Mad-Max-Filme (1979–1985) und an Die Klapperschlange (Escape from New York, 1981), während der Soundtrack die Fine Young Cannibals (sic!), Duran Duran und Frankie Goes To Hollywood (ausgerechnet mit „Two Tribes“) vereint.

Gleich zu Beginn darf Eden Sinclair bei einem Einsatz zwei kriminelle Frauen, die direkt aus Exploitation-Filmen der 1970er entstiegen sein könnten, mit gezielten Schüssen ins Jenseits befördern. Das ist nicht nur eine filmhistorische Positionierung mit den Mitteln, wenn nicht im Geiste, eines Quentin Tarantino; es markiert auch, wie wenig Marshall bereit ist, seine Heldin, der Rhona Mitra ihre herben, nicht unbedingt gefälligen Gesichtszüge leiht, zur simplen Identifikationsfigur zu machen.

Doomsday

Charakterzeichnung ist aber dennoch keine Stärke von Doomsday und wohl auch nicht von Rhona Mitra; stattdessen funktioniert der Film – darin Marshalls The Descent – Abgrund des Grauens (The Descent, 2005) nicht unähnlich – hauptsächlich als großes visuelles Spektakel. Doomsday kennt keine Atempausen und bietet stattdessen reichlich Knalleffekte und viel Blut. Dass Marshall dabei die Kampfszenen gelegentlich sehr unübersichtlich geraten, mögen ihm die Fans hyperventilierender, weitgehend hirnfreier Unterhaltung gerne verzeihen.

Denn für diese Zielgruppe wurde Doomsday letztlich gemacht – und übrigens mit 300.000 Pfund aus staatlichen schottischen Mitteln gefördert. Nun erhofft man sich, der Film möge mehr Touristen nach Schottland bringen. Hoffentlich sind sie immun.

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Kommentare


robert

Der zusammenfassung kann man nur beipflichten. ein wilder mix aus 28 days later-grundidee, kombiniert mit mad max und pulp fiction (latexsklave). dass die eine gruppe psychopunks sind und die andere sich tatsächlich wie im mittelalter kostümieren ist völlig hirnrissig. obwohl alle tiere in der "todeszone" überlebt haben, sind die menschen kanibalen. und trotz 25 jahren isolation gibt es noch genug benzin für hunderte brandsätze etc. (zum schluss sogar autos)
und filmmusikfans werden kaum zwischen der 28days later musik und dieser hier unterscheiden können.
fazit: ein unterhaltsamer, aber billig zusammengeklauter film, für den man kein geld ausgeben sollte. wenn doch: macht euch den spaß und listet einfach alle geklauten/übernommenen elemente mal auf.


hullabulla

Der Film besteht zu 90% aus Kampfszenen und von denen kriegt man Augenkrebs außer man ist ein Kolibri und kann 5 Szenenwechsel in der Sekunde verarbeiten...






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