Don't Be Afraid of the Dark

Der Eröffnungsfilm des diesjährigen Fantasy Filmfests präsentiert sich als solides Horrormärchen, bleibt aber unter den Erwartungen. Er steht somit in der Tradition von Guillermo del Toros Filmwelten, aber auch von etwas enttäuschenden Eröffnungsfilmen.

Dont be afraid of the Dark  3

Das Regiedebüt von Troy Nixey trägt deutlich die Handschrift seines Meisters, Guillermo del Toro, der einen Großteil des Drehbuchs geschrieben und den Film produziert hat. Dont’t Be Afraid of the Dark ist die Adaption des gleichnamigen US-Fernsehfilms aus dem Jahr 1973, der für del Toro seit jeher „eine Herzensangelegenheit“ darstellt und sein filmisches Schaffen von Beginn an beeinflusst hat.

Ein kleines Mädchen namens Sally (Bailee Madison) muss zu ihrem Vater (Guy Pearce) und dessen neuen Geliebter (Katie Holmes) raus aufs Land ziehen, in eine alte Villa mit dem geheimnisvollen Namen „Blackwood Residence“. Der Prolog des Films verrät, dass sich an diesem Ort bereits vor vielen, vielen Jahren etwas unfassbar Grauenvolles abgespielt hat, bei dem Gevatter Tod mehr als einmal seine Finger mit im Spiel hatte.

Der Film macht in der ersten Hälfte wirklich alles richtig. Sorgfältig entwirft er seine düsteren und geheimnisvollen Schauplätze. Guillermo del Toros schöpferische Hand wird klar erkennbar: die geheimen Verstecke des Mädchens, das vor Kreativität berstende Set-Design, die ganze Mystik um Ober- und Unterwelt, der schmale Grat zwischen Realität und Fantasie – alles erinnert an Werke wie Pans Labyrinth (2006), Cronos (1992) oder The Devil’s Backbone (2001). Das Haus gleicht einem Drachenschloss, in dessen dunklem Keller das Grauen wartet. Diese Anlehnungen an del Toros Werk sind keineswegs überflüssig oder zu viel, sie machen Spaß. Gekonnt zieht der Film seinen Zuschauer in eine überwältigende Welt aus Dunkelheit und Schatten und vermischt dabei die genretypischen Elemente, die gleichzeitig Verunsicherung und brennendes Verlangen nach dem Unbekannten auslösen.

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Diese Unsicherheit beschleicht den Zuschauer mit sarkastischen Untertönen und ist dadurch umso bissiger. Del Toros ausgeprägtes Gespür für menschliche Abgründe macht Don’t Be Afraid of the Dark zu einem doppelbödigem Kammerspiel, das elterliche Ignoranz und kindliche Isolation in Zusammenhang bringt. Man ist oft im Zweifel, welche Richtung der Film wohl einschlagen mag. Erwartungen werden bewusst unterlaufen, es zischt und knistert verheißungsvoll – und dann ist plötzlich Ruhe, die Feder des Autors hat aufgehört zu schreiben.

Mit dem unverhüllten Erscheinen der gespenstischen Widersacher kippt das Drehbuch – und damit der ganze Film – ins Leere. In seiner Motivik wird er redundant, die Spannung lässt merklich nach. Del Toro überlässt an dieser Stelle seinem Co-Autor Matthew Robbins gestalterische Oberhand, dem Film tut dies gar nicht gut. An dieser Stelle sei Tarantinos/Rodriguez’s From Dusk till Dawn (1996) zu erwähnen, dem das gleiche Schicksal blühte: die psychologische Dynamik des Grauens weicht einer inhärenten Orgie aus spielerischer Gewalt. Nur dass dieses Prinzip damals im Titty Twister vollends aufging. Die Zuschauer waren überrascht von dem Wahnwitz, der sich vor ihnen ausbreitete, und nahmen genüsslich an dem Horrorschmaus teil.

Der Wahnwitz bleibt bei Don’t Be Afraid of the Dark aus. An seine Stelle tritt das große Nichts, denn der Film hört tatsächlich auf zu erzählen. Schlusspointen werden vorhersehbar oder stellen Wiederholungen von anfangs etablierten Motiven dar. Einmal mischt sich sogar ein bewusst komisches Element in die Horrormär, das so gar nicht zum Rest des Films passen mag.

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Eröffnungsfilme stellen seit jeher die erste und wahrscheinlich schwierigste Hürde in der Programmgestaltung von Festivals dar. Repräsentativ und gleichzeitig neuartig lautet die Devise. Don’t Be Afraid of the Dark passt dann aber doch nicht zum wunderbaren Großteil des Programms, das mit Knallern wie Attack The Block (2011) oder dem deutschen Post-Apokalypse-Streifen Hell (2010) ganz andere Qualitäten bietet.

Doch muss man diesem anmutig fotografierten, in Lichtsetzung und Schnitt vorbildlichen Werk dennoch Respekt zollen. Als Regiedebüt hinterlässt einen Don’t Be Afraid of the Dark mit großem Staunen. Immerhin: Herrlich gruseln kann man sich die erste Stunde auf jeden Fall, bissige Schockmomente und Hommages an Hitchcock und Wes Craven machen den Besuch überaus lohnenswert. Und eine starke Szene kommt am Schluss ja doch noch.

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Kommentare


Filmliebhaber-Tom

Nunja, für mich war dieser aktuelle Beitrag aus dem Bereich des unbeliebten Horrorfilms recht bescheiden und hat mich arg ernüchternd gestimmt.
Sicher schauen die Effekte erste Sahne aus und die düstere, fast schon märchenhafte Grundstimmung von „Don´t be afraid of the Dark“, ist wirklich schauderhaft ausgefallen.
Trotzdem, der Film war mir einfach zu belanglos, die (erwachsenen) Schauspieler überaus unterfordert und ein mega-monster-mässiges Finale hat mir ebenso gefehlt, um den Beitrag aus der Masse an unzählig ähnlichen Produktionen positiv hervorzuheben.

Hier mal meine Review zum Film:
http://filmchecker.wordpress.com/2011/10/27/dont-be-afraid-of-the-dark/






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