Dinosaurier

Die Rächer aus dem Altenheim: In seiner neuesten Komödie lässt Leander Haußmann eine Riege von hochverdienten Altstars gegen Bankengier und altenfeindliche Niedertracht anrennen – mit gedrosseltem Tempo, falschen Zähnen und lahmendem Humor.

Dinosaurier – Gegen uns seht ihr alle alt aus!

Man nehme einen oder gleich besser mehrere eher rüstige Senioren mit ihren so ulkigen altersbedingten Gebrechen wie Demenz, Parkinson, Altersdiabetes etc. und lasse diese im Konflikt mit repräsentativen Instanzen der modernen Leistungsgesellschaft interagieren. Hinzu gebe man noch eine amouröse Motivation (denn Liebe im Alter gibt es ja auch!) und/oder ein paar Tropfen Moralin – fertig ist die anrührend lustige Alten-Komödie. Wie bei allen Rezepten ist es jedoch immer die Frage des Geschicks des Kochs und des Geschmacks des Publikums, wie das Ergebnis ausfällt.

In seinem preisgekrönten Debütfilm von 1975 erzählte Regisseur Bernhard Sinkel die Geschichte der Rentnerin Lina, die von ihrer Bank um ihr Häuschen geprellt wurde. Ins Altenheim abgeschoben, organisiert sie dort mit Hilfe eines entmündigten 84-jährigen Bankkaufmanns einen erfolgreichen Kreditbetrug, um sich an der Bank zu rächen. Unter dem Titel Lina Braake oder Die Interessen der Bank können nicht die Interessen sein, die Lina Braake hat (1975) gelang ein humorvoller, vor allem aber ein würdiger Blick auf das Problem des Alters im Diskurs über die Leitbilder der Leistungsgesellschaft.

Dinosaurier – Gegen uns seht ihr alle alt aus!

Nun hat sich Leander Haußmann (Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe, 2008; NVA, 2005; Sonnenallee, 1999) des Stoffes angenommen und sein Remake Dinosaurier – Gegen uns seht ihr alle alt aus! entsprechend der eingangs dargestellten Rezeptur auf abgesichert publikumswirksame Normgröße gebracht. Wie schon in früheren Arbeiten nähert sich Haußmann dem Stoff in Form der Groteske, die jedoch wenig von den dialektischen Ambitionen der Vorlage übernimmt:

Da ist der erfolgsorientierte Jungbanker Tobias Hardmann (Daniel Brühl), der in entmenschter Profitgier die arglose Pensionärin Lena Braake (Eva-Maria Hagen) um ihr Hab und Gut bringt. Das heruntergekommene Altenheim regiert der blasierte Profiteur H.P. Piretti (Tom Gerhardt), der es eigentlich nur auf die öffentlichen Pflegebeihilfen seiner Patienten abgesehen hat und – wie sein Personal – die Alten eigentlich hasst. Und da sind auch die lieben Verwandten, die ihre Nächsten im Heim schon mal entmündigen lassen wollen. Soweit das auf Klischees eingedampfte sozialkritische Bild einer Leistungsgesellschaft, die mit den Alten nichts mehr anzufangen weiß. Andererseits haben wir die anfangs verunsicherte Lena Braake, die sich im Heim den Avancen von Alt-Bankrotteur Johann Schneider (Ezard Haußmann) ausgesetzt sieht. Dieser hat sich auf eigene Art und Weise mit dem Heim-System arrangiert, dealt mit Schlaftabletten und Erektionshilfen, manipuliert Patientendaten im Computersystem und entwirft einen verwegenen Racheplan, um so Lenas Gunst zu erwerben.

Dinosaurier – Gegen uns seht ihr alle alt aus!

Gerade diese Reduktion auf groteske Klischees hätte in einer temporeich verdichteten Form eine furiose Satire abgeben können, zumal Mark Kudlows Drehbuch hierfür alles Notwendige mitbringt und Dinosaurier effektvoll besetzt ist: Vor Hagen Bogdanskis Kamera versammelt Haußmann ein Ensemble von Altstars des deutschen Films, wie man es so engagiert seit langem nicht mehr zu sehen bekam. Neben der mit Fortschreiten der Filmhandlung zunehmend aufblühenden Eva-Maria Hagen ist es vor allem Ezard Haußmann, der Vater des Regisseurs, der den rüstigen Schalk und Charmeur mit viel Witz und Esprit verkörpert. Filmikonen wie Walter Giller, Nadia Tiller, Ralf Wolter oder Horst Pinnow gehören zum geriatrischen Rächer-Kommando, das Johanns abstrusen Coup mit sicherem Gespür für Ensemblespiel, Situationskomik und Selbstironie ausführt. Zusätzliche Unterstützung steuert auch Swing-Altmeister James Last bei, dessen Soundtrack die Handlung stimmig illustriert.

Dinosaurier – Gegen uns seht ihr alle alt aus!

Jedoch kommt Dinosaurier nicht so richtig in Fahrt und bleibt eine Aneinanderreihung von recht entschleunigten Gags einschließlich offenbar unvermeidbarer Ekel-Lacher um Ingrid van Bergens künstliches Gebiss. Das ist bedauerlich, weil in der gleichförmigen Nummernrevue aus Slapstick und Brachialklamauk andere gelungene Akzente nahezu untergehen: So schafft Daniel Brühl (Good By Lenin!, 2003, Inglourious Basterds, 2009) mit dem Bankkarrieristen Hardmann eine Figur, die über die bloße satirische Überspitzung weit hinausgeht. Hardmann selbst scheitert an seinem fanatischen Übereifer, mit welchem er die Interessen der Bank vertritt. Am Ende sind es nicht die Alten, sondern der Junge, der selbst zum Opfer eines menschenunwürdigen Systems wird. Beinahe auf der Strecke bleibt auch die fein gezeichnete Melancholie, die alle Altstars abseits ihres selbstironisch überzogenen, chargierenden Spiels wunderbar vermitteln.

Dinosaurier – Gegen uns seht ihr alle alt aus!

In Erinnerung bleiben so am Ende vor allem die eindruckvoll engagierten Darsteller – und ein Gefühl des Bedauerns ob einer greifbar nahen, aber ungenutzten Chance auf schwungvolles Genrekino.

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Kommentare


knight

Eine herrliche Komödie. Auf den ersten Blick! Auf den zweiten Blick wird aber doch gut herausgestellt, dass man alte Menschen niemals unterschätzen sollte. Dies lässt sich jedoch nicht an der Handlung an sich festmachen, sondern an einzelnen kurzen Einlagen, welche Fähigkeiten die Senioren in ihren Jahre durch ihren Job gelernt haben. Der Film ist sicherlich eine Satire, jedoch finde ich persönlich nicht, dass er masslos übertrieben wirkt. Auch Daniel brühl gibt sich zum Besten und ist als Besetzung für die Bank revorrangend gewählt.

Allen in allem kann ich den Film nur empfehlen. Wer einen sehr amüsanten Abend mit einem etwas anderen, frischem Film haben möchte, sollte sich auf jeden Fall "Dinosaurier" anschauen.

Ganz großes Plus in diesem Film .... man spürt den Elan und den Eifer alles Schauspieler. Humor und Fröhlichkeit erzeugen nicht nur die Witze sondern auch die Schauspieler selber.






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