Dinner für Spinner

Fader Neuaufguss einer französischen Erfolgskomödie, dem es an Tempo und Einfallsreichtum mangelt und der die angepeilt hohe Gag-Frequenz bis ins Unerträgliche abnutzt.

Dinner für Spinner 01

Ein Dinner für Spinner. Die Regeln sind einfach: Jeder bringt einen möglichst exzentrischen „Idioten“ mit zum Essen, derjenige, der mit seinen Marotten die Gäste am besten unterhält, gewinnt. Endlich ist für Tim (Paul Rudd) die große Chance gekommen, beruflich im wahrsten Sinne des Wortes eine Etage aufzusteigen – doch sein Boss stellt ihm zur Bedingung, dass er das nächste Dinner als Initiationsritus besteht. Die harte Welt der Großkapitalisten, die ihre perverse Freude an solch voyeuristischen Aktionen haben, schreckt Tim zwar ab, doch die Verlockung ist größer. Seine Freundin, eine aufstrebende Kunst-Kuratorin, ist schockiert und fordert von Tim moralische Integrität. Diese vergisst er kurzerhand, als er den skurrilen Barry (Steve Carell) mit dem Auto anfährt und der sich als anhänglicher Verrückter entpuppt. Wie geschaffen für das Dinner.

Dinner für Spinner 03

Die eklatanten Mängel im Storytelling und in der Charakterzeichnung dieses Remakes treten besonders deutlich zutage, wirft man einen Blick auf das französische Original Dinner für Spinner (Le Dîner de Cons, 1998). Basierend auf seinem eigenen Theaterstück inszenierte Komödien-Altmeister Francis Veber die auf engem Raum spielende Komödie als regelrechte Lehrstunde in ökonomischer Narration, brillierte mit genau getimten Auslassungen, Verkürzungen und formvollendet geschliffenen Pointen. All diese Qualitäten vernichtet Jay Roach, indem er die Geschichte unnötig zerfasert und in die Länge zieht, ohne dabei eigene Akzente setzen zu können. Obendrein bestätigt er leider das Vorurteil, Hollywood-Remakes würden uninspiriert ihren Vorbildern mehr schaden als nutzen und hätten zumeist als reine Cash-in-Projekte zu funktionieren.

Dinner für Spinner 05

In das enge Korsett spießiger Familienunterhaltung gepresst, macht die garstige gesellschaftskritische Prämisse nur noch halb so viel Spaß. Mehrmals weist der Film mit plump entwickelten besinnlichen Momenten darauf hin, dass alles auf allseitige Harmonie hinsteuert. Der sichere Hafen des Happy Ends, in den sich jede selbsternannte Wohlfühlkomödie retten will und damit häufig die Allianz von Komik und Tragik sträflich ignoriert. War die Hauptfigur beispielsweise im Originalfilm ein wirklich fieser Mistkerl, der durch diverse aufgebaute Lebenslügen äußerst angreifbar war, ist Tim lediglich ein netter Typ, der sich verführen lässt, um die Chance auf eine bessere Zukunft zu nutzen. Dementsprechend an den Haaren herbeigezogen gestalten sich die Konfliktsituationen, als Barry schließlich Tims geordnetes Leben aus der Bahn wirft und einige steile Unwahrscheinlichkeiten herhalten müssen, um die jeweilige Bredouille überhaupt zu ermöglichen.

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Zwar liest sich die Besetzung vielversprechend, kann die hohen Erwartungen an die aufgefahrene Star-Power aber nicht so recht einlösen: Steve Carell blödelt sich um Kopf und Kragen und gibt eine mehr als abgedroschene Jim-Carrey-Kopie, die zu keinem Zeitpunkt das sensible Spannungsverhältnis zwischen herzensguter Naivität und bis ins Destruktive reichender Gedankenlosigkeit zu erfassen vermag, das erforderlich wäre, um eine solch schelmenhafte Figur auszufüllen. So ergeht sich Carell im endlosen Repetieren aufgesetzt wirkender Gesichtsausdrücke, die eine Nähe zu seinem Charakter auch in den bemüht nachdenklichen Momenten versperren. Paul Rudd hat sich dagegen eingefunden in seiner Rolle des erfolgreichen und dynamischen, dabei aber auch herzlichen und sympathischen Saubermanns, während über den höchst unwitzigen Zach Galifianakis und seine glücklicherweise wenigen Auftritte als schmieriger Gedankenkontrolleur der gnädige Mantel des Schweigens gehüllt sei. Ein glanzvolles Gegenstück bildet da der urkomische Jemaine Clement als prätentiös-abgehobener Künstler, der die mit Abstand besten Szenen ganz für sich alleine verbuchen kann.

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Mit Ausnahme einzelner komödiantischer Glanzlichter, die viel zu selten aufblitzen, ist Dinner für Spinner also eine betuliche, viel zu harmlose und ganz auf das Prädikat „Für die ganze Familie“ gestriegelte Komödie ohne jeden Nährwert. Langweilig formulierte Allgemeinplätze werden als große Erkenntnis verkauft, und das Loblied auf die Freundschaft, das im unvermeidlich kitschigen Finale gesungen wird, nimmt man dem Film einfach nicht ab. Die Frage, warum Regisseur  Jay Roach, der etwa die Austin-Powers-Filme von Mike Myers inszenierte, ausgerechnet eine so bissige Grundkonstellation gewählt hat, um ihr Potenzial dann ungenutzt zu lassen, lässt sich an dieser Stelle leider nicht beantworten.

 

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