Dina – Meine Geschichte

Ole Bornedal erzählt in seiner Verfilmung der literarischen Dina-Trilogie der norwegischen Autorin Herbjoerg Wassmo die Geschichte eines traumatisierten Mädchens, das ihr gesamtes Leben über Verluste definiert. Die pittoresken Bilder Norwegens im vorvergangenen Jahrhundert entschädigen dabei nicht für eine völlig dysfunktionale Narration.

Dina – Meine Geschichte

In einem lichtdurchfluteten Wäscherinnenhaus in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Norwegen füllen Furcht erregende Todesschreie den Raum. Noch als die für den Tod ihrer Mutter verantwortliche Dina (Marie Bonnevie) vom Vater geschlagen wird, übertönen die lebenausröchelnden Schreie alles. „Mama war fortgegangen. Gott war fortgegangen.“, konstatiert Dina. Doch die Tote lässt sie nicht los. In der Folge will es Dina nicht gelingen, sich zwischen dem Reich der Toten und dem der Lebenden zu situieren, selbst nach der Heirat durch den gutmütigen Familienfreund Jacob (Gérard Depardieu) nicht. Dessen Tod ist nur der Beginn einer weiteren Reihe von Verlusten.

Dieser aus einer zeitgenössischen belletristischen norwegischen Trilogie zusammengeraffte Plot verliert sich in prätentiösen Bildern und uninspirierten Toncollagen. Zu viele Erzählstränge der literarischen Vorlage greift Regisseur Ole Bornedal auf, ohne dabei einen dramaturgischen Faden zu finden. Permanent bemüht er sich, emotionale Höhepunkte zu setzen und verliert dabei die Balance sowohl in dramaturgischer Hinsicht, als auch in der Schauspielführung. So rückt der Ton ständig ins Pathetische und das Spiel in seiner Inszenierung oftmals ins Absurde. Die Männer prügelnde, schreiende und halluzinierende Dina verkommt dadurch als Figur weitgehend zur Farce, ihr Schicksal kann weder Interesse noch Sympathie erwecken. Trotz des namhaften Ensembles, u.a. mit Christopher Eccleston und dem dänischen Exportschlager Mads Mikkelsen in einer Nebenrolle, wirken fast alle Figuren blut- und leblos. So bleiben nur einige gut fotografierte Bilder von Dina – Meine Geschichte (I am Dina) in Erinnerung.

Nach seinem atmosphärischen Debüt Nightwatch (Nattevagten, 1994) und der mit dem deutschen Filmpreis für das beste Script ausgezeichneten Mini-TV-Serie Deep Water (2000) stellt sich dieser unausgegorene Kostümfilm als enttäuschendes „Comeback“ des Kinoregisseurs Bornedal heraus.

 

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