Die Vorahnung

Schon in Das Haus am See spielte Sandra Bullock eine Frau, die sich in einer verwirrenden Geschichte rund um wechselnde Zeitebenen zurechtfinden musste. Auch in ihrem neuen Film, gedreht von einem deutschen Regisseur, geht einiges durcheinander.

Die Vorahnung

Mennan Yapo hat vor drei Jahren den deutschen Thriller Lautlos gedreht. Sein viel beachtetes Langfilmdebüt brachte dem 1966 geborenen Autodidakten die Aufmerksamkeit amerikanischer Produzenten ein. Den nächsten Film konnte Yapo dann gleich in Hollywood realisieren, mit Sandra Bullock in der Hauptrolle. Ähnlich war es zuvor schon Robert Schwentke gegangen, dessen Tattoo (2002) zum Ticket für eine Zusammenarbeit mit Jodie Foster wurde. Flightplan – Ohne jede Spur (Flight Plan) hieß das Ergebnis, das 2005 in die Kinos kam.

Sandra Bullock also spielt Linda Hanson, eine Hausfrau, die glücklich mit Mann und zwei Töchtern in einem schönen Haus lebt. Eines Tages klingelt ein Polizist an der Tür und teilt Linda mit, dass ihr Mann Jim (Julian McMahon, aus der Fernsehserie Nip/Tuck) bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. Es folgen die übliche Trauerarbeit, die Schwierigkeit, den Kindern das Geschehen begreiflich zu machen, tröstende Gespräche mit Verwandten. Als Linda am nächsten Morgen aufsteht, findet sie Jim entspannt und Kaffee schlürfend in der Küche. Was sie verständlicherweise etwas verwirrt.

Die Vorahnung

Im Verlauf des Films ist Jim immer wieder mal tot und mal lebendig. Mal wird er es sein, der im Wohnzimmer sitzt, mal zwei Dutzend schwarz gekleidete Trauergäste, die auf die Witwe warten, um zur Beerdigung zu fahren. Die Grenze zwischen Realität und Traum ist verwischt, was zu einer einigermaßen komplizierten (und nicht immer stimmigen) Handlung führt. Der Titel macht deutlich, dass es sich beim Tod des Ehemanns um eine Vorahnung auf ein Geschehen handelt, das es zu verhindern gilt. Sandra Bullock zeigt dazu meist einen verwirrten Gesichtsausdruck und einmal auch schiere Verzweiflung, als Linda in eine Nervenheilanstalt eingewiesen wird. Was als Handlungselement dann aber bald wieder in Vergessenheit gerät.

Technisch ist das alles makellos gedreht, aber Yapo kann die Schwächen des Drehbuchs von Bill Kelly nicht kaschieren. Die bestehen vor allem in hemmungsloser Rührseligkeit und einer allzu aufdringlichen christlichen Erweckungsbotschaft. Die Figur eines Pfarrers, den Linda hin und wieder aufsucht, um sich in ihrer unübersichtlichen Situation Rat zu holen, sondert Allgemeinplätze über mangelnden Glauben ab und wird in helles Licht getaucht. Überhaupt: das Licht, und auch die Farben. Am Schluss, und das kann man Yapo dann doch vorwerfen, sieht Die Vorahnung aus wie ein DEGETO-Liebesfilm in der ARD. Und noch etwas: Langsame Kamerafahrten, an deren Ende eine Überraschung lauert, mögen zu diesem Genre dazugehören. Ihr wiederholter Einsatz macht den Film aber leider sehr berechenbar und auf der Bildebene etwas einfallslos. Man hat den Eindruck, als vertraue der Regisseur seiner eigenen Inszenierung nicht, wenn auch auf der Tonspur jeder unheimliche Moment mit lauten Hinweisen aus dem Synthesizer angekündigt wird.

Die Vorahnung

Für einen Film, der viel Mühe darauf verwendet, von großen Dingen wie Glauben und Liebe zu sprechen, sind diese Jahrmarktmethoden befremdlich. Die zwischen verschiedenen Realitätsebenen hin- und herwechselnde Geistergeschichte in der Nachfolge von The Sixth Sense (1999) oder Die Anderen (The Others, 2001) will nicht nur spannend sein, sondern auch eine Botschaft vermitteln. Sie schafft weder das eine noch das andere. Und spielt zudem in einer Welt, in der die größte Entgleisung in einem bloß geplanten (wohl gemerkt: nicht ausgeführten) Ehebruch zu liegen scheint.

Das muss Mennan Yapo nicht kümmern. Die Vorahnung ist in den USA ein großer Erfolg und bescherte Sandra Bullock das beste Startwochenende ihrer Karriere. Weiteren Projekten des neuen Deutschen in Hollywood dürfte nichts im Wege stehen.

Trailer zu „Die Vorahnung“


Trailer ansehen (1)

Kommentare

Es gibt bisher noch keine Kommentare.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.