Die Tribute von Panem - The Hunger Games

Twilight war gestern.

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Panem, das ist das Nordamerika der Zukunft. Zumindest so wie es die Autorin Suzanne Collins in ihrer erfolgreichen Roman-Trilogie Die Tribute von Panem (2008–2010) zeichnet. Zentrum dieser Welt ist das reiche Kapitol, eine Art vergrößertes Regierungsviertel, dessen Bewohner eine Schwäche für bunte Haare, reichlich Make-up und extravagante Kleidung haben. In den dreizehn umliegenden Distrikten leiden die Menschen dagegen Hunger, und die Zukunft sieht hier eher nach bäuerlichem Leben von gestern aus.

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Collins spielt mittlerweile in einer Liga mit Bestsellerautorinnen wie Joanne K. Rowling und Stephenie Meyer. Anders als ihre Kolleginnen geizt sie in ihren Jugendbüchern auch nicht mit Gesellschaftskritik. Denn in Panem finden jedes Jahr die Hungerspiele statt, ein moderner Gladiatorenkampf, bei dem jeder Distrikt zwei Minderjährige bereitstellt und letztlich nur einer überleben kann. Dieses Schauspiel wird im ganzen Land als großes Fernsehspektakel übertragen, das den Bewohnern des Kapitols zur Belustigung und allen anderen zur Mäßigung dienen soll. Die Tribute von Panem erzählt von der 16-jährigen Katniss, die in der Arena zur Heldin einer möglichen Revolution wird.

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Gary Ross (Pleasantville, 1998) hat nun den ersten Teil der Trilogie verfilmt. Bevor mit dem Dreh der Fortsetzungen begonnen wird, muss sich allerdings erst einmal der Erfolg an den Kinokassen einstellen. Als Abenteuergeschichte mit Elementen aus Science-Fiction, romantischem Unterton und etwas naiver Medienkritik könnte Die Tribute von Panem – The Hunger Games (The Hunger Games) durchaus für ein großes Publikum funktionieren. Dass die angepeilte Zielgruppe in erster Linie aber aus Mädchen im Teenageralter besteht, macht sich daran bemerkbar, wie sich der Film ausführlich kosmetischen Ritualen, verrückten Outfits und knallig bunten Interieurs widmet. Dem dystopischen Grundtenor nimmt die grotesk überzeichnete Welt des Kapitols ein wenig den Wind aus den Segeln. Hier wirkt es fast so, als hätte sich Ross auf eine Manga-Convention verirrt.

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Obwohl bei Collins die Liebesgeschichte nicht ganz so zentral ist, erinnert ihr Grundkonflikt an Stephenie Meyers Twilight-Reihe: Ein Mädchen muss sich zwischen zwei Jungen entscheiden. Und auch wenn die Jugendlichen hier ähnlich realitätsfern keusch bleiben und lediglich mal einen scheuen Kuss austauschen, wirkt die Reihe doch sympathischer als Meyers literarischer Keuschheitsgürtel. Das liegt an der sozialen Relevanz der Handlung, mehr aber noch an der bemerkenswerten Hauptfigur.

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Collins hat die Rollenverteilung zwischen Katniss (Jennifer Lawrence) und ihrem Distrikt-Partner Peeta (Josh Hutcherson) gegen die Geschlechterklischees gedreht. Während es sich bei ihm um einen sensiblen Schöngeist handelt, der heimlich romantische Bilder zeichnet und jedem Kampf aus dem Weg geht, ist sie eine routinierte Jägerin, die ihrem Partner mehr als nur einmal das Leben rettet. Und auch das Begehren von Katniss bleibt weniger deutlich ausformuliert als bei Meyers Heldin. Mit ihren Gefühlen gegenüber Peeta ist sie überfordert und lässt sich zunächst nur auf eine Romanze ein, weil es ihrer Beliebtheit beim Publikum dient. Die wahre Natur der Beziehung bleibt, zumindest im ersten Film, noch ungeklärt.

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In Anbetracht der angepeilten Zielgruppe und der Größe der Produktion überrascht es nicht, dass Die Tribute von Panem vor allem konventionelle Wege geht. Was bei einem Film, der weder mit Stars – unter anderem Woody Harrelson, Stanley Tucci, Lenny Kravitz und Donald Sutherland – noch mit CGI-Effekten geizt, allerdings überrascht, ist die etwas lieblose Inszenierung. Als Hauptgestaltungsmittel setzt Ross auf eine wackelige Handkamera, die ständig in den Gesichtern der Figuren klebt. Gerade bei actionreichen Momenten weiß man oft gar nicht, wo oben und unten ist. Die räumliche Desorientierung des Zuschauers mag mitunter durchaus ein angemessenes Mittel sein, hier wirkt sie aber streckenweise wie ein bequemer Ersatz für sorgfältige Szenenauflösungen.

Doch auch wenn Die Tribute von Panem formal wenig interessant ist, verfügt er immer noch über ein ungewöhnliches weibliches Rollenmodell. Es ist sicher nicht das Schlechteste, wenn sich junge Zuschauerinnen an einem Mädchen orientieren, das nicht auf den Schutz von schwindsüchtigen Vampiren oder ungebändigten Werwölfen angewiesen ist.

Trailer zu „Die Tribute von Panem - The Hunger Games“


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