Die Tigerentenbande – der Film

Pünktlich zum 80. Geburtstag des erfolgreichen deutschen Kinderbuchautors und Illustrators Janosch kommt der zweite Zeichentrickfilm mit seinen Figuren ins Kino. Oder vielmehr: fünf schon bekannte Folgen aus der gleichnamigen TV-Serie.

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Wer kennt sie nicht, die Figuren aus Janoschs Welt – allen voran seine wohl erfolgsreichste Schöpfung: die Tigerente. Dabei ist sie eigentlich gar keine Figur, sondern ein Spielzeug – ein Holzspielzeug auf Rädern in Form einer Ente, mit tigerartigen schwarzgelben Streifen und einer Schnur zum Ziehen. Die Tigerente agiert als Figur eigentlich nicht, es sei denn, man spielt mit ihr. Erstmals tritt sie als stumme Gefährtin der eigentlichen Protagonisten in seinem Kinderbuch „Oh, wie schön ist Panama“ (1978) auf. Ihre Beliebtheit bei Kindern wird damit erklärt, dass sie Schutzbedürftigkeit ob ihrer Flugunfähigkeit und Stärke wegen ihrer Tigerstreifen vereine. Sie ist Namensgeber für den „Tigerentenclub“, die bekannte Kindersendung des Südwestrundfunks (SWR), und Maskottchen der hier titelgebenden Bande.

Die Tigerentenbande, das sind: Hannes Strohkopp, der strohblonde Junge mit der Matheschwäche, den schlechten Noten und dem defizitären Selbstvertrauen, in dem aber ein echter Indianer steckt – er muss nur ab und an daran erinnert werden. Des Weiteren: die Erfinderin Laika Kniffel, deren unglaubliche Erfindungen Hannes oftmals aus der Patsche helfen – wie etwa ein Schrumpfstrahler, der seine Ängste schrumpft. Da ist Bergmann, der weise Hund, der stets mit Rat und Tat in vertrackten Situationen beisteht, die Maus Schischi, Meisterin des Kochlöffels, und der ängstliche Mäuserich Tütü, der aber ein treuer Freund ist. Und da sind die anderen schrägen Vögel, kauzigen Helden oder miesen Widersacher, die im Örtchen Oberfimmel – dem Zentrum des Tigerentenbandenuniversums – leben.

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Es ist der unverstellte Blick für Grundwerte wie Freundschaft, Treue, Gutherzigkeit, der sich wie ein roter Faden durch die Geschichten des schlesischen Schriftstellers und Illustrators zieht, mit einer unerschöpflichen menschlichen Substanz. Dabei sind seine unverwechselbaren Figuren, so naiv sie auf den ersten Blick gedacht sein mögen, an sich nicht glatt, nicht geradlinig, tragen Züge des Absurden und des Widerspruchsgeistes gegen konformistische Vereinnahmung.

Diese Welt für das bewegte Bild in Form des Animationsfilms zu adaptieren ist ohne Frage eine Herausforderung. Dieser hat sich die Münchner Produzentin Irina Probost und ihre Papa Löwe Filmproduktion erfolgreich gestellt. In internationaler Koproduktion stellt das Unternehmen für den SWR seit 2008 die Zeichentrickserie Die Tigerentenbande her.

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Die Tigerentenbande – die Serie – das sind 26 Folgen liebevoll gezeichneter, klassischer 2D-Animation, die zugunsten einer kindgerechten Narration auf jeden effekthascherischen Bombast verzichten kann. Wie in den literarischen Vorlagen zeichnet sich diese Trickfilmwelt durch jenen subtilen, absurd-subversiven Janosch-Humor aus, der auch die großen Kinder anspricht. Seit dem 10. Dezember 2010 sendete der Kinderkanal von ARD und ZDF nun die ersten 13 Folgen dieser Zeichentrickserie – zwei DVDs mit den ersten 13 Folgen sind im Handel erhältlich, und die zweite Staffel folgt demnächst.

Doch soll hier nicht über die TV-Serie, sondern über Die Tigerentenbande – Der Film berichtet werden. Der Untertitel suggeriert eine Fortsetzung der Serie auf der Leinwand oder ein irgendwie geartetes cineastisches „Mehr“ des aus dem Fernsehen Bekannten. Wer sich aber – wie der Verfasser – die Berliner Pressevorführung des Werkes aus dem selben Produktionshaus ansah, den beschlich das merkwürdige Gefühl, hier kein kohärentes Werk, sondern fünf dramaturgisch nur notdürftig verknüpfte Episoden gesehen zu haben.

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Die Produktionsfirma und der Verleih erklären im Pressematerial, dass Die Tigerentenbande – Der Film auf der gleichnamigen TV-Serie beruhe. Das ist mehr als zutreffend: Denn ein Blick auf die SWR-Seite offenbart, dass diese „Kinoproduktion“ inhaltlich nichts anderes ist als eine Aneinanderreihung der Folgen Nr. 11 (Die Mutprobe), Nr. 13 (Der Schatten des Ubalumba), Nr. 7 (Hannes der Superheld), Nr. 8 (Der größte Schatz der Welt und dem Mond dazu) und schließlich Nr. 5 (Das Matschkugel-Wettschießen) aus der bereits bekannten ersten Serienstaffel. Zwar versichert die Presseagentur von Verleiher und Produktion auf Nachfrage von critic.de, dass die Folgen in einer von der Serie abweichenden Schnittfassung und in anderer Bearbeitung des Soundtracks ins Kino kämen, doch handele es sich in der Tat um die vorbenannten Episoden.

Man sollte Kinder nie unterschätzen. Daher dürfen sich Eltern nicht wundern, wenn die Kleinen – sofern sie die erste Staffel der TV-Serie kennen – enttäuscht oder bestenfalls gelangweilt das Kino verlassen. Und berechtigt verärgerte oder gar enttäuschte Kinder sind sicherlich nicht im Sinne von Janosch, der am 11. März dieses Jahres seinen 80. Geburtstag feiert. Ad multos annos!

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