Die Queen – Kritik

In Stephen Frears Aufarbeitung eines der jüngsten Kapitel britischer Geschichte brilliert Helen Mirren in der Rolle der resoluten Monarchin. Die Queen versucht die Annäherung an eine Ikone unserer Zeit.

Die Queen

Diana, die ehemalige Prinzessin von Wales, von den Medien pathetisch zur „Königin der Herzen“ ernannt, starb, wie sie gelebt hat. Im Blitzlichtgewitter der Paparazzi und des Boulevard. Keine zehn Jahre ist es her, dass die Bilder von der an einem Pariser Tunnelpfeiler zerstörten Limousine um die Welt gingen. Genauso wie das schier endlose Blumenmeer vor den Toren des Buckingham Palace, das die Anteilnahme und Trauer der Menschen zum Ausdruck brachte. Der britische Filmemacher Stephen Frears nimmt diese Woche im Spätsommer des Jahres 1996 zum Ausgangspunkt für seinen in den Details natürlich fiktiven und daher spekulativen Blick hinter die Kulissen der britischen Monarchie.

Dabei sind die tragischen Ereignisse um den Unfalltod Dianas zwar allgegenwärtig – so greift der Film immer wieder auf Archivaufnahmen aus den Nachrichtensendungen und der damaligen Live-Berichterstattung zurück – in Wirklichkeit beschäftigt sich Die Queen (The Queen) mit weitaus tiefer gehenden Fragestellungen. Verkleidet in die nicht nur von der britischen Öffentlichkeit geführte Diskussion, wie das Königshaus auf den Tod Dianas zu reagieren habe, zeigen Frears und sein Drehbuchautor Peter Morgan die Spannungen zwischen zwei scheinbar unüberbückbaren Gegensätzen und Weltanschauungen auf. Mit der triumphalen Wahl Tony Blairs (Michael Sheen) zum Premierminister zog in die Downing Street No. 10 ein frischer, moderner Wind ein, der die Erneuerung eines ganzen Landes einläuten sollte. Das Schlagwort von „New Labour“ brachte Blairs politische und gesellschaftliche Agenda auf den Punkt. Während die Queen (Helen Mirren) konservative Werte wie Disziplin, Tradition und Verantwortungsbewusstsein verkörpert, pflegt der junge Premier einen ganz anderen Umgangston. Man duzt sich, sucht den engen Kontakt zum Volk und versteht es, die Medien geschickt für die eigenen Ziele einzuspannen.

Die Queen

Bei seinem Antrittsbesuch lässt die Queen Blair noch deutlich spüren, dass sie in ihm vor allem einen unerfahrenen, ungestümen Politiker sieht, der eigentlich nicht das Zeug zum Regierungschef hat. Dass seine Frau Cherie (Helen McCrory) offen die Monarchie als Institution in Frage stellt, erweist sich in dem für Blair beschämenden und für den Zuschauer überaus komischen weil steifen Prozedere auch nicht als hilfreich. Doch mit Dianas Tod ändert sich alles. Blair ergreift öffentlich Partei für die Queen und ihre reservierte Haltung. Zugleich versucht er, sie von der Notwendigkeit einer Rückkehr aus Schottland zu überzeugen, im Interesse der Monarchie.

Frears verfolgt anfänglich das Konzept einer konsequenten Trennung von Downing Street und königlicher Familie. Da wäre auf der einen Seite das elegante, museumsreife Anwesen der Royals auf dem schottischen Schloss Balmoral. Alles dort atmet Geschichte, Tradition, über Jahrhunderte. Die prachtvolle Eleganz dieses Ortes will so überhaupt nicht zu dem WG-artigen Charme des Blair’schen Haushaltes passen. Altes Geschirr gammelt in der Küche vor sich hin, eine angesichts von drei Kindern fast schon natürliche Unordnung lässt die Perfektion der königlichen Gemächer noch unwirklicher erscheinen. Eine sehr suggestive Kameraarbeit verstärkt den Kontrast. Die Auftritte der königlichen Familie wurden auf 35mm-Film festgehalten. Im Unterschied zu den im körnigen Super 16-Filmformat gedrehten Szenen bei den Blairs, haftet ihnen eine durchkomponierte Strenge und Statik an. Bezeichnenderweise zeigt Frears nach dem Antrittsbesuch lange Zeit keine weitere persönliche Begegnung zwischen Blair und der Queen. Sie kommunizieren lediglich über das Telefon oder indirekt über ihre Berater miteinander. Später kommt es dann dazu, dass die strikte Dichotomie mehr und mehr aufgeweicht wird. Schließlich nimmt die Regentin über den Commonwealth sogar des Premiers Rat an.

Die Queen

Für die Verfilmung eines so jungen Kapitels Zeitgeschichte ist die Wahl der Schauspieler von entscheidender Bedeutung. Da sowohl die Queen als auch Tony Blair weiterhin beinahe täglich in der Öffentlichkeit stehen und wir deshalb ein sehr genaues Bild von ihnen haben, war es nur logisch, jemanden zu suchen, der eine vergleichbare Physiognomie besitzt. Helen Mirren als Königin Elizabeth II. spielt derart eindrucksvoll auf, dass die Grenzen zwischen der Darstellerin und der Monarchin innerhalb kürzester Zeit verschwimmen. Mirren beherrscht den distinguierten Habitus, das Understatement, den Tonfall – deshalb sollte man unbedingt der Originalfassung den Vorzug geben – und selbst kleinste Nuancen wie das Hochziehen der Augenbrauen entgehen ihr nicht. Nicht minder überzeugend ist Michael Sheen. Bereits zum zweiten Mal gibt er unter der Regie Stephen Frears den britischen Premier. 2003 drehte Frears für die BBC den TV-Film The Deal, der Blairs politischen Aufstieg innerhalb der Labour-Party nachzeichnete. Sheen und Mirren glänzen insbesondere bei den rasiermesserscharfen Dialogen, die Die Queen trotz ihres tragischen Hintergrunds eine wunderbar leichte, ironische Note verleihen.

Der Film kämpft zudem merklich gegen das Image der Queen als eine gefühlskalte Regentin an. Wenn die Kamera sie während eines einsamen Moments in der schottischen Wildnis respektvoll und mit gebührendem Abstand von hinten umkreist, Mirren fast schüchtern einige Schluchzer andeutet, lässt sich zumindest in Ansätzen begreifen, welche Belastung aus diesem Amt erwächst. Und es zeigt sich, dass hinter der disziplinierten Fassade ein Mensch steckt, dem es zeitlebens verboten wurde, sein Innerstes in aller Öffentlichkeit auszustellen. Viel näher wird ein Film Elizabeth II. vermutlich nie mehr kommen.

 

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Kommentare


a.jacke

Die Qeen is eine Figur der vergangenen Jahrhunderte... Deutschland hat dieses Denken abgeschafft. Es ist nach der auklärung zu einen Gegenstand reiner repräsentation herbgesunken - aber für liebhabder weiblicher Über-ichs hat Elisabeth eben doch so ihre ganz eigene Bedeutung -die den Regenbogen über den wir hinwegmöchten erst ermöglicht.

***redaktionell gekürzt***






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