Die nackte Wahrheit
Gegensätze ziehen sich an: Diese alte Grundregel der romantischen Komödie beherzigt Die nackte Wahrheit aufs Strengste und schlägt dabei flott vergnügliche Funken.
Abby Richter (Katherine Heigl) ist Produzentin bei einem kleinen amerikanischen Fernsehsender, jung, hübsch, erfolgreich und, als Abziehbild der Karrierefrau, natürlich ohne Mann. Zu Dates verabredet sie sich über Kontaktbörsen, indem sie passende Eigenschaften anhand einer Checkliste abhakt; zum Treffen selbst bringt sie dann eine Liste mit möglichen Gesprächsthemen mit. Über alles andere ist sie schon informiert, denn ihre Assistentin unterzieht alle prospektiven Partner vor dem ersten Rendezvous einer Hintergrundrecherche.
So kann das natürlich nichts werden, das ist schnell klar, und Regisseur Robert Luketic lässt die Protagonistin von Die nackte Wahrheit (The Ugly Truth) dann auch nicht lange gegen immer gleiche Mauern rennen. Schon vor acht Jahren konnte er – zusammen übrigens mit zweien der drei Drehbuchautorinnen, die sich für seinen neuen Film zusammengetan haben – bei Natürlich blond (Legally Blonde, 2001) zeigen, dass er eine Komödie rasch auf Touren bringen kann,
Hier stellt er Abby nun als Pulsbeschleuniger das selbstbewusste Großmaul Mike Chadway (Gerard Butler) zur Seite. Der verbreitet in seiner Sendung „The Ugly Truth“ einfache Wahrheiten über Männer und Frauen und hat gerade den Sprung zu Abbys Sender und damit zu größerem Publikum geschafft. Abby kann ihn von Anfang an nicht ausstehen, weil sie aber keine Alternative sieht, lässt sie sich von ihm Beziehungsratschläge geben. „Lust, seduction, manipulation“ sind, sagt Mike, seine Fachgebiete, und Abby ist eine gelehrige Schülerin.
Weil wir hier im Genre der romantischen Komödie sind, ist natürlich vom Moment ihres ersten Zusammentreffens an klar, dass diese zwei, die Überkontrollierende und der zynische Chaot, sich kriegen werden, kriegen müssen. Und da er sie, kaum dass er auf Abbys Fernsehschirm aufgetaucht ist (sie wird in seiner Sendung anrufen), als einsam und hässlich verlacht, bleibt also nur noch die Frage nach dem Wie – und danach, was und wie viel davor noch passieren wird.
Die nackte Wahrheit bleibt dabei streng innerhalb der familienkompatiblen Grenzen des Genres, die allenfalls minimal um Sexuelles erweitert wurden: es wird schlüpfrig, ohne je allzu explizit zu geraten. Wenn also die Protagonistin eine Unterhose mit integriertem, ferngesteuerten Vibrator geschenkt bekommt, dann weiß man schon, dass es bald sehr öffentlich sehr peinlich werden wird. Auf diesem etwas vorhersehbaren Humorniveau bewegt sich der Film, das allerdings recht sicher und mit kontinuierlich hohem Tempo.
Und weil Heigl und Butler ihre Figuren mit genug Überzeugungen, Selbstzweifeln und Anziehungskraft aufeinandertreffen lassen, funktioniert Die nackte Wahrheit sogar ganz gut. Bei aller Mühe, die sich die Werbeabteilung von Sony Pictures dabei gegeben hat, den Film als Geschlechterkampfkomödie zu platzieren – wo sie, so die Plakate, das Herz im Kopf, er in der Hose trage –,für einfache Gegenüberstellungen à la Mario Barth interessiert sich das Drehbuch nur wenig.
Das unterscheidet diesen Film erfrischend von einem vergleichbar beworbenen Film wie Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken (2007). Mikes schlichte Wahrheiten werden oft genug wie jene Kulissen, zwischen denen er sie zum Besten gibt, einfach im Fernsehstudio stehen gelassen, während sich Die nackte Wahrheit schon längst wieder mit konkreten Personen beschäftigt, die stereotype Geschlechtererwartungen nur sehr begrenzt, wenn überhaupt, erfüllen. Nicht zuletzt aus dieser Diskrepanz bezieht der Film seine Komik – und dass dabei ein wenig wohlfeile Medienkritik noch mit untergebracht werden kann, schadet ihm nicht.
Filmkritik von Rochus Wolff
Veröffentlicht am 29.09.2009
Kommentare zu Die nackte Wahrheit
loana 24.04.2011 21:43
Recht vorhersehbare Komödie für Fans von Heigl/Butler. Die Dialoge sind gespickt mit dem F- Wort und ähnlichem, es geht überhaupt in Worten und Andeutungen um Sex. Definitiv etwas für gröbere Gemüter. Ansonsten keine Überraschungen, ein Film. den man schnell vergisst
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Film-Angaben
Titel: Die nackte Wahrheit
Originaltitel: The Ugly Truth
USA 2009
Laufzeit: 108 Minuten
Altersfreigabe: ab 6 Jahren
Regie: Robert Luketic
Drehbuch: Nicole Eastman, Karen McCullah Lutz, Kirsten Smith
Produktion: Tom Rosenberg, Gary Lucchesi
Bildgestaltung: Russell Carpenter
Montage: Lisa Zeno Churgin
Musik: Aaron Zigman
Darsteller: Katherine Heigl, Gerard Butler, Eric Winter, John Michael Higgins, Nick Searcy, Kevin Connolly, Cheryl Hines, Bree Turner
Kinostart: 01.10.2009
DVD-Angaben
Titel: Die nackte Wahrheit
Vertrieb: Sony Pictures
Bild: 2,40:1, 16:9
Sprache(n): Englisch (DD 5.1), Deutsch (DD 5.1), Italienisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Italienisch, Türkisch
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Spieldauer: 92 Minuten
Extras: Kommentar des Filmemachers zu ausgewählten Szenen; Entfallene und verlängerte Szenen; Alternative Enden; Gag Reel; Die ernüchternde Wahrheit: Was Männer und Frauen wirklich denken; Die Kunst des Lachens: Die nackte Wahrheit von ihrer komischsten Seite
Verleih ab: 18.03.2010
Verkauf ab: 22.04.2010
Copyright Die nackte Wahrheit
Fotos: © Sony Pictures
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