Die Mumie: Das Grabmal des Drachenkaisers

Jet Li hatte auch schon mal zartere Haut. In der Rolle eines wiedererweckten Terrakotta-Kaisers macht er sich auf den Weg zur Weltherrschaft. Das könnte toller Trash sein.

Die Mumie: Das Grabmal des Drachenkaisers

Es fängt zunächst noch ganz gut an: Rick und Evelyn O’Connell (Brendan Fraser und Maria Bello in Rachel Weisz’ alter Rolle) haben sich nach ihren Abenteuern mit der Mumie von Imhotep in den ersten zwei Die-Mumie-Filmen (1999, 2001) auf ihren Landsitz zurückgezogen und wollen auf derlei Aufregungen zukünftig verzichten. Aus welchem Garn ihre Geschichten gestrickt sind, ist den beiden wohl klar, denn die Buchcover von Evelyns Mumien-Erinnerungsbüchern sind ganz im Stile von Gruselschundromanen gehalten.

Hätten sich die Macher des dritten Mumien-Streiches, Die Mumie: Das Grabmal des Drachenkaisers (The Mummy: Tomb of the Dragon Emperor), ganz dazu entschlossen, auf diesem Pulp-Niveau zu bleiben, es hätte dem Film womöglich gut getan. Doch brauchbarer Trash will mit einiger Ernsthaftigkeit betrieben sein, und von der ist nichts zu sehen. Stattdessen machen die Protagonisten müde Scherze über die Albernheit ihres eigenen Tuns, und es ist nicht einmal komisch, wie sich Rick und Evelyn anfangs zieren, erneut auf Reisen zu gehen.

Die Mumie: Das Grabmal des Drachenkaisers

Die gleiche Aufmerksamkeit wie auf den Humor haben die Drehbuchautoren Alfred Gough und Miles Millar auch auf die Stringenz der Handlung verwendet: Wahllos werden da fortwährend Dii ex machina im Dutzend aus dem Hut gezaubert (Yetis! Untote Skelette!), während alle Figuren fortwährend Dinge tun, deren Sinnhaftigkeit sie sich selbst eingeredet haben. Insbesondere deklamieren die Protagonisten immerzu, man habe es hier mit einer Mumie (später: ganz vielen Mumien) zu tun, als ginge es darum, möglichst oft den Filmtitel in den Mund zu nehmen.

Dabei ist in diesem Film, und jeder Achtjährige, der sich je einen halben Tag für das alte Ägypten hat begeistern können, wird das sofort bestätigen, zu keinem Zeitpunkt auch nur eine einzige Mumie zu sehen. Was Ricks und Evelyns Sohn Alex (Luke Ford) als Nachwuchsarchäologe nämlich kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges aus dem chinesischen Erdreich gräbt, sind stattdessen verfluchte Tonfiguren des Drachenkaisers Han (Jet Li) und seiner Armee. Alsbald sind der Kaiser und seine Terrakotta-Krieger wieder recht lebendig und streben natürlich die Weltherrschaft an.

Die Mumie: Das Grabmal des Drachenkaisers

Stephen Sommers’ erste zwei Mumien-Filme waren auch keine künstlerischen Highlights, aber einigermaßen unterhaltsame Streifen, die das seit dem 19. Jahrhundert populäre Mumien-Thema mit dem Gestus der Indiana-Jones-Filme (1981-2008) und viel Spezialeffekten neu aufbereiteten. Der neue Film, für den Rob Cohen auf dem Regiestuhl saß, fällt trotz gewisser Schauwerte (Ein dreiköpfiger Drache! Ein kotzender Yak!) und asiatischer Nahkampftechniken gegenüber seinen beiden Vorgängern noch deutlich ab. Das liegt auch daran, dass er so überraschungsfrei verläuft – oder was denken Sie, was wohl passieren wird, wenn die Protagonisten mit einem Lastwagen voller Feuerwerkskörper durch Schanghai rasen?

Die Mumie: Das Grabmal des Drachenkaisers

Man versteht also unmittelbar, was Rachel Weisz davon abgehalten hat, ihre Rolle als Evelyn wieder aufzunehmen. Aber was hat Maria Bello und Michelle Yeoh geritten, bei den Dreharbeiten mitzuwirken? Man kann nur vermuten, dass sie fürstlich entlohnt wurden.

Ganz zum Schluss wirkt der Film für einen Moment lebendiger als irgendwann vorher, als zwei Untoten-Armeen mit großem Getöse aufeinander prallen; aber was man da für Leben hält, war dann doch nur das Rappeln einer großen, teuren Special-Effects-Kiste.

Trailer zu „Die Mumie: Das Grabmal des Drachenkaisers“


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