Die Mama und die Hure

Mit seinem Post-68er-Feeling offenbart Die Mama und die Hure einen Regisseur, der das Symbol der 1970er Jahre werden sollte wie es Godard für die 1960er Jahre gewesen war.

Die Mama und die Hure

Alexandre (Jean-Pierre Léaud) und Marie (Bernadette Lafont) haben eine offene Beziehung: Sie leben zwar als Paar zusammen, akzeptieren aber dennoch gelegentliche Affären des Partners. Während Marie arbeitet, hängt der Bohème Alexandre auf der Suche nach amourösen Begegnungen in den Cafés von Saint-Germain-des-Prés herum, wo er eines Tages die junge Krankenschwester Véronika (Françoise Lebrun) trifft. Diese wird das unverbindliche Spiel, das Alexandre und Marie bisher gespielt hatten, auf eine harte Probe stellen.

Die Mama und die Hure (La maman et la putain, 1973), in Schwarzweiß gedreht, ist wegen seiner außergewöhnlichen Spiellänge von drei Stunden und vierzig Minuten eine Herausforderung und aufgrund seines Themas und Titels eine Provokation, die einen entsprechenden Skandal in der französischen Öffentlichkeit ausgelöst hat. Es ist aber vor allem auch der intime Film einer ménage à trois, die neben den Nouvelle-Vague-Stars Léaud und Lafont mit Françoise Lebrun eine hoch talentierte junge Schauspielerin offenbarte.

Die Mama und die Hure

In sehr langen Einstellungen, mit unbeweglicher Kamera, zerlegt Eustache die Alltagsmomente seiner Figuren und beobachtet sie beim verlorenen Schwadronieren über die Liebe und das Leben. Die Dialoge verbinden Humor und Sexualität in einem ungekannt direkten Ton. Léauds liebestoller und an der Welt leidender Alexandre fügt sich in eine Linie mit Antoine Doinel aus dem Truffaut-Zyklus und Paul aus Godards Masculin – Feminin oder: Die Kinder von Coca Cola (Masculin – Féminin, 1965 ), die der Schauspieler ebenfalls verkörpert hat.

Im Kreise der Cahiers du cinéma groß geworden und von seinem Freund Jean-Luc Godard protegiert und finanziell unterstützt, ist Jean Eustaches Karriere nach dem großen Erfolg seines zweiten Spielfilms nur von kurzer Dauer gewesen. Trotz seines offensichtlichen Talents gelang es ihm bis zu seinem frühen Tod im Jahre 1981 nicht, sich als Außenseiter in der französischen Filmlandschaft zu etablieren.

Kommentare


Peter Gebert

Wann endlich wird dieser sensationelle Film als DVD veröffentlicht?






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