Konferenz der Tiere

Die Tiere Afrikas erheben sich gegen die Umweltverschmutzung der Menschen. Der Versuch, einen deutschen Animationsfilm im Hollywood-Stil zu etablieren, scheitert gleich an mehreren Fronten.

 

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Erich Kästners pazifistische Fabel Die Konferenz der Tiere (1949) gilt als Klassiker des Jugendbuchs und richtet sich mit ihrem anklagenden Tonfall gleichermaßen an erwachsene Leser. Hatte Curt Linda bereits in den 60er Jahren eine ambitionierte Zeichentrickadaption angefertigt, war es nur eine Frage der Zeit, bis es zu einer erneuten Aufbereitung der bebilderten und äußerst knappen Literaturvorlage kommen sollte. Nun ist die vorliegende Neuverfilmung Deutschlands erster CGI-Film in digitalem 3D, und mit ihrer ursprünglichen Geschichte hat die neue Tierkonferenz kaum noch etwas gemeinsam. Das wäre kein Minuspunkt, würde es sich um ein zeitgemäßes Update handeln oder aber um eine bewusste Abgrenzung vom Originalstoff. Doch schon eine oberflächliche Betrachtung reicht aus, um zu erkennen, dass es sich hier vielmehr um eine vollkommene Banalisierung und Entpolitisierung handelt, die ihrem literarischen Vorbild keinen Gefallen tut: ein Verrat an der Vorlage, möchte man es etwas pathetischer formulieren.

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Tatsächlich beharrt das Regie-Duo Klooss und Tappe (Urmel aus dem Eis, 2006) auf einen Niedlichkeitsfaktor abgesehen, der ganz auf fluffige Figurenzeichnung und spektakuläre Schauwerte setzt, sich damit aber selbst gehörig ein Bein stellt. Das beliebige und wenig einprägsame Charakterdesign der anthropomorphisierten Tierwelt zeigt auf, wie limitiert die Möglichkeiten der Macher offensichtlich sind, denn wirklich individuell gestaltete Typen sucht man vergeblich. Der 3D-Effekt verkommt hier einmal mehr zum bloßen Gimmick und ermöglicht lediglich einige Kamerafahrten, die auf die Jüngsten eventuell halsbrecherisch wirken, dem erwachsenen Zuschauer aber nur weiter verdeutlichen, wie planlos und ungeschickt Konferenz der Tiere den Anschluss an die Konkurrenz sucht.

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Die Story degradiert die titelgebende Konferenz, die in Kästners Buch als bewusst herbeigeführter Vorgang zur Läuterung der Menschheit funktioniert, gar auf einen aus der Not geborenen Zufall und gebraucht sie als Kulminationspunkt einer austauschbaren Abenteuergeschichte. Diese verbindet wenig kohärent zwei unterschiedliche Erzählstränge und macht einen denkbar umständlichen Anfang: Einerseits gibt es da eine Gruppe aus Tieren, die sich auf der Flucht vor dem Menschen und seinen Umweltverschmutzungen zusammenschließt und gemeinsam übers Meer in das gelobte Land Afrika fährt. Andererseits sind da die Tiere der Savanne, die ihre eigenen Probleme haben, weil das lebensnotwendige, aus den Bergen fließende Wasser in diesem Jahr ausbleibt. Im Buch werden einzelne Gesandte der Tiere aus aller Welt herbei geordert, hier werden sie eher notdürftig und ohne erzählerische Dringlichkeit zusammengewürfelt. 

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Zu großen Teilen handelt es sich bei Konferenz der Tiere um einen so bemühten wie schwerfälligen Versuch, dem Zauber der Pixarfilme oder auch dem anarchischen Cartoon-Witz aus Ice Age (2002) beizukommen. Dafür steht schon der Animationsstil, der sich voll und ganz den genannten Vorbildern verpflichtet und der nicht nur aufgrund des ungleich kleineren Budgets in einem Debakel endet. Kontinuitätsfehler am laufenden Band erschweren es, über die detailarm und wenig ansprechend zum Leben erweckte Naturkulisse hinwegzusehen, auch wenn die angepeilte Zielgruppe sich kaum Gedanken darüber machen wird. Warum beispielsweise die Menschen den Wüstentieren gänzlich unbekannt sind, bleibt genauso fragwürdig wie die Verwendung willkürlicher Dialekte – warum nun die afrikanischen Büffel nicht nur spanisches Temperament sondern auch einen entsprechenden Akzent tragen oder warum die Geier mit Hamburger Schnodderschnauze daher reden. In die gleiche Kerbe schlägt die dramaturgisch vollkommen sinnfreie Stigmatisierung des einzelgängerischen Leoparden als einzigem „bösen“ Tier, das eine dunkle Aura umgibt. Solche und vergleichbare Unstimmigkeiten ziehen sich wie ein roter Faden durch den Film, der damit oft seine innere Logik verletzt. Dass die wenigen auftretenden Menschen dagegen grobschlächtig daher kommen und mit Ausnahme eines Kindes (vielleicht ein müder Verweis auf Kästners ursprüngliche Intention) nur mordlüsterne Jäger und gierige Großkapitalisten sind, macht zwar in diesem Kontext durchaus Sinn, treibt den pädagogischen Moralismus im Finale aber noch auf die Spitze, wenn ein jeder seine Lektion gelernt hat. An diesem Scheitern ändern auch die drögen Appelle an ein ökologisches Bewusstsein und die politischen Allegorien nichts, die ohnehin jegliche Schärfe vermissen lassen und eher als sanfte Parodien zu verstehen sind, die niemanden vor den Kopf stoßen wollen.

Trailer zu „Konferenz der Tiere“


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Kommentare


kirke

Im Grunde ist der obigen Filmkritik nichts hinzuzufügen. Als erwachsene Begleitperson war ich enttäuscht, mein kleiner Sohn (4) sah seinen ersten Film im Kino und war glücklich, der große (12 Jahre) war etwas verunsichert und traute sich wohl nicht recht mir zu sagen, wie er den Film fand, nämlich schlecht! - das sagt in meinen Augen alles, denn er ist eigentlich nicht besonders kritisch.






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