Die Höhle des gelben Hundes
Durch das Eintreffen eines kleinen Hundes gerät der Alltag einer mongolischen Familie durcheinander. Eine Variation von Byambasuren Davaas oscarnominiertem
Erstling Die Geschichte vom weinenden Kamel.

Nach ihrem gemeinsam mit Luigi Falorni realisierten Debütfilm Die Geschichte vom weinenden Kamel (2003) hat es die Regisseurin Byambasuren Davaa wieder für ein Filmprojekt in ihre mongolische Heimat verschlagen. In Die Höhle des gelben Hundes steht erneut der von der Zivilisation isolierte Alltag einer von der Viehzucht lebenden Familie im Mittelpunkt. Obwohl Davaa damit den Sprung vom Dokumentar- zum Spielfilm gewagt hat, unterscheiden sich die Filme in ihrer scheinbaren Gratwanderung aus Authentizität und Inszenierung nur sehr gering.
Die Handlung selbst ist schnell erzählt: Die älteste der drei Töchter findet auf der Suche nach Dung einen kleinen Hund in einer Höhle und schließt ihn sofort ins Herz. Als sie ihn mit nach Hause bringt, ist der Vater wenig begeistert davon, weil er in dem Tier die Sicherheit seiner Schafsherde gefährdet sieht. Statt ihn auszusetzen, versteckt sie ihn und macht ihn zu ihrem treuen Begleiter. Die Unstimmigkeit zwischen der Tochter, die ihren neuen Freund behalten möchte, und ihrem Vater, der von ihr verlangt den Hund zurück zu bringen, zieht sich dann durch den gesamten Film. Nachdem noch die titelgebende Geschichte von einer alten weisen Frau erzählt wird, darf das ungeliebte Tier in einer etwas zu kitschigen Schlussszene endlich beweisen, dass der Hund doch unbestritten der beste Freund des Menschen ist. Schließlich löst sich auch der einzige wirkliche Konflikt des Films harmonisch auf.

Der Handlungsort zeigt eine völlig konfliktlose Welt inmitten einer ursprünglichen Berglandschaft, in der sich die märchenhafte Geschichte langsam entfaltet. Die ferne Stadt ist dabei hauptsächlich durch ihre Abwesenheit präsent, aber auch durch vom Vater mitgebrachte Haushaltsgeräte, die von der Mutter mit einer Mischung aus Skepsis und Faszination in den Alltag integriert werden. Obwohl Die Höhle des gelben Hundes als Spielfilm angekündigt ist, zeichnet er sich wie auch schon sein Vorgänger hauptsächlich durch die dokumentarische Betrachtungsweise aus, die detailliert die Organisation des Familienalltags zeigt.
Wer kein besonderer Freund von Kindern oder Tieren ist, wird an Die Höhle des gelben Hundes nur wenig Freude haben, denn genau auf diesen Niedlichkeitsbonus verlässt sich die Regisseurin den gesamten Film über. Immerhin wird durch ihre dokumentarische und zurückgenommene Sichtweise das Süße der kleinen Geschöpfe nicht ganz so penetrant ausgeschöpft, wie es mit Kindern und Tieren im Film üblicherweise geschieht. Dafür verhindert Davaa mit aller Vehemenz das Hereinbrechen negativer Elemente in ihre realitätsferne Idylle und sorgt damit schnell für Langeweile.

Die Stärke des Films liegt hauptsächlich in seinen schön fotografierten und in Szene gesetzten Bildern, mit denen geduldig die scheinbar endlose Landschaft erforscht wird. Durch die ungebrochene Schönheit und ausgestellte Exotik der Landschaft entsteht leider auch dieselbe unkritische Wirkung wie bei einem Reiseprospekt. Schließlich stellt die unberührte Natur eine perfekt geeignete Projektionsfläche für die vom Fernweh geplagten Zuschauer dar. Mit seiner Mischung aus fernöstlicher Weisheit, traditioneller Tracht und einem scheinbar rückständigen Alltag wird die Mongolei letztendlich genau so gezeigt, wie man es sich auch schon vor dem Film gedacht hat. So bringt Die Höhle des gelben Hundes den „zivilisierten“ westlichen Betrachter allzu leicht dazu den scheinbar primitiven Lebensstil der Familie zu belächeln oder auch gleich den nächsten Urlaub in die Mongolei zu planen.
Inwiefern diese Schwachpunkte des Films an der Regisseurin selbst liegen oder an dem Kontext, in den Die Höhle des gelben Hundes bei uns gestellt wird, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ebenso, ob man den Film lieber meidet, sich an der Schönheit der dargestellten Landschaft erfreut oder ihn besser Kindern aus dem Bekanntenkreis empfiehlt, die sich mit der Darstellung einer solch problemlosen Welt meist leichter tun.
Filmkritik von Michael Kienzl
Veröffentlicht am 13.07.2005
Kommentare zu Die Höhle des gelben Hundes
johannes 29.04.2006 02:24
der film ist sehr beruhigend. richtig entspannend, nach all den action horror thriller filmen, die man sich sonst so anschaut. Es liefert zudem einen interessanten einblick in die lebensweise der nomaden.
die story, sehr einfach aber gehaltvoll, es schwappt tiefsinniges rüber.
das leben in seiner (beinah) urform, wo kinder noch rote pausbäckchen haben, und die lebenserwartung bei 40 jahren liegt.
alles in allem ein schöner film, es sollte mehr davon geben, vielleicht mal von anderen völkern. etwas story gemixt mit doku.
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Film-Angaben
Titel: Die Höhle des gelben Hundes
Deutschland 2005
Laufzeit: 93 Minuten
Regie: Byambasuren Davaa
Drehbuch: Byambasuren Davaa
Produktion: Stephan Schesch
Darsteller: Nansal Batchuluun, Buyandulam Daramdadi Batchuluun, Urjindorj Batchuluun, Nansalmaa Batchuluun, Batbayar Batchuluun, Tserenpuntsag Ish
Kinostart: 28.07.2005
DVD-Angaben
Titel: Die Höhle des gelben Hundes
Vertrieb: Warner Home Video
Bild: 1,78:1, 16:9
Sprache(n): Mongolisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch (nicht ausblendbar)
Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung
Extras: Biografien
Verleih ab: 10.03.2006
Verkauf ab: 10.03.2006
Copyright Die Höhle des gelben Hundes
Fotos: © X-Verleih
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