Die Girls von St. Trinian

An der Mädchenschule St. Trinian lernen junge Damen alles, was sie fürs Leben brauchen: Destillationstechniken für Alkoholika und den rechten Gebrauch eines Maschinengewehrs.

Die Girls von St. Trinian

Das Internat St. Trinian nimmt unter den Bildungseinrichtungen für junge Damen eine Sonderstellung ein. Hier posiert der Kunstlehrer noch selbst für seine Schülerinnen, wenn es ans Erlernen des Aktzeichnens geht, und im Chemieunterricht wird Wodka destilliert. Nachdem schließlich die Elevinnen in Eigeninitiative eine Lerneinheit zum Thema „Verbrechen“ organisiert haben, gibt die Schulleiterin hilfreiche Tipps zum sinnvollerweise anzuwendenden Sprengstoff – es gehe doch nichts über ein wenig hausgemachten C4. Nun sage niemand, hier werde nicht fürs Leben gelernt.

Seit 1941 bis in die fünfziger Jahre hinein hat der britische Karikaturist Ronald Searle immer wieder kleine Szenen aus diesem Mädcheninternat gezeichnet - damals noch ohne Sprengstoff, zimperlich waren die jungen Damen aber dennoch nicht. Das „Head Girl“ etwa – die Bezeichnung lässt sich im Deutschen vage als Schulsprecherin übersetzen – erhielt bei ihm den Titel durch die in ihrem Regal gesammelten Köpfe anderer Schülerinnen.

Die Girls von St. Trinian

In der Verfilmung Die Girls von St. Trinian (St. Trinian's) von Oliver Parker und Barnaby Thompson ist hingegen ihr Titel Anlass und Gelegenheit für zahlreiche nahe liegende Anspielungen sexueller Natur; heute wie seinerzeit bei Searle üben aber die Mädchen den Gebrauch eines Maschinengewehrs unter Aufsicht einer Lehrerin im Flur des ehrwürdigen Schulgemäuers.

Die Girls von St. Trinian ist ein Remake der ersten, The Belles of St. Trinian's, aus einer Reihe von vier Verfilmungen (1954-1960), die bereits auf Searles Cartoons zurückgehen – ein Nachzüglerprojekt floppte 1980. Die fünfzig Jahre alten Filme wirken aus heutiger Sicht ein wenig brav, während Parker und Thompson zumindest versuchen, den sehr anarchischen und bösartigen Humor von Searle in ihre Fassung einfließen zu lassen, obwohl auch bei ihnen niemand wirklich je erschossen, zersägt oder geköpft wird. Schließlich wollen die Filmemacher nicht auf ihre Zielgruppe im schulfähigen Alter verzichten.

Die Girls von St. Trinian

Zuallererst präsentiert sich Die Girls von St. Trinian nämlich nicht nur als lustvolle Parodie auf Internats- und High-School-Filme aller Zeiten (und erweist darin dem Geist der 1950er Jahre mit seinen Paukerkomödien Reverenz), sondern auch als befreiende Alternative dazu.

Direktorin Camilla Fritton (Rupert Everett) steckt in Schwierigkeiten, denn ihrer Schule droht gleich von zwei Seiten Gefahr: Ihre Bank will das notorisch klamme Internat schließen und das Gebäude versteigern, um ihre Forderungen einzutreiben, und der neue Bildungsminister Geoffrey Thwaites (Colin Firth) will ihre unorthodoxen Unterrichtsmethoden nicht länger hinnehmen.

Da trifft es sich eigentlich ganz gut und sorgt alsbald für einige Verwirrung, dass Geoffrey eine alte Flamme von Camilla ist. Ihre Schülerinnen, allen voran „Head Girl“ Kelly (Gemma Arterton), nehmen derweil die Finanzprobleme in ihre eigenen Hände – und planen den Diebstahl von Vermeers Gemälde „Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge“ aus der National Gallery.

Die Girls von St. Trinian

Ohne großen Bruch gelingt dem Film der Übergang von hochtourig überdrehter Internatskomödie zu einem sehr beschwingten Heist-Movie, auch wenn die Standards dieses Genre immer nur anzitiert werden. Stattdessen zeigt der Film, darin liegt der Unterschied etwa gegenüber den meisten High-School-Filmen aus den USA, wie sich die aus eigentlich sehr unterschiedlichen Gruppen zusammengesetzte Schülerinnenschar – Nerds, Emos etc. – zusammenrauft, um ihre Schule vor der Gefahr von außen zu bewahren.

Dass Geoffrey Thwaites seine Kenntnisse anwenden will, die er zuvor bei einer Reform des Gefängniswesens gewonnen hat, sagt schon viel darüber aus, wie Schule für diese Mädchen eben nicht sein soll. Stattdessen entwickelt die Gruppe integrierende Effekte, bis selbst aus dem harmlosen Entlein Annabelle Fritton (Talulah Riley), Camillas Nichte, eine echte, mit allen Wassern gewaschene St. Trinian’s geworden ist. Dass sie dennoch zunächst die wenig freundlichen Aufnahmerituale ihrer Mitschülerinnen durchlaufen muss, gehört zum Geist der Schule, ist aber immer noch harmloser als das, was die Außenwelt für sie darstellt – verkörpert etwa durch ihren Vater (ebenfalls Rupert Everett) oder die rücksichtslose Hockeymannschaft ihrer vorherigen Schule.

Die Girls von St. Trinian

Die Phantasie, die Die Girls von St. Trinian entwickelt, ist letztlich eine sehr gut gelaunte Girl-Power-Geschichte, in der junge Frauen ohne Rücksicht auf gesellschaftliche Konventionen das tun, was sie tun möchten. Der Wermutstropfen daran ist, dass der Film zugleich seine Protagonistinnen oft auch als Schauwerte, als sexualisierte Objekte inszeniert; die freien Interpretationen britischer Schuluniformen mit kurzen Röcken und Strapsen, die ältere Schülerinnen hier tragen, lassen sich nur mit viel gutem Willen im Sinne eines feministischen Empowerment lesen: dass man die Oberhand behalten und dabei auch noch sexy aussehen kann.

Gleichwohl thematisiert der Film das Äußere seiner Figuren als genau das, was sie sind: als Kostümierung. Annabelles endgültige Aufnahme in die Schulgemeinschaft wird als Folge von Zeitraffern gezeigt, an deren Ende sie jeweils unterschiedlich geschminkt und gekleidet zu sehen ist, jeweils im Stil einer der an der Schule vertretenen Peergroups. Das erinnert wohl nicht von ungefähr an einen Spot über die Herstellung von Schönheit in der Werbung, der seit einiger Zeit im Internet kursiert.

Die Girls von St. Trinian

Unsere Bilder von Weiblichkeit als Maskerade zu beschreiben mag zwar nicht unbedingt die originellste und neueste Erkenntnis sein, besser als die üblichen Boy-Meets-Girl-Geschichten des High-School-Kinos ist sie allemal. In St. Trinian integrieren sich die Außenseiter auch nicht am Ende der Geschichte brav in die Gesellschaft; diese Schule lehrt, dass es besser ist, nicht zum Mainstream gehören zu wollen. Und damit hätte man wirklich was fürs Leben gelernt.

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Trailer zu „Die Girls von St. Trinian“


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Kommentare


Nina

Boar ey, das is ein super Film, am liebsten würde ick ihn nochmla sehen!!
Respekt..........der Film is so geilo!






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