Die Geschichte vom Brandner Kaspar

Joseph Vilsmaier hat einen ur-bayerischen Stoff verfilmt und setzt auf prominente Schauspieler und märchenhafte Atmosphäre. Doch der gutmütigen Komödie mit Bully Herbig und Franz-Xaver Kroetz fehlen Biss und Tempo.

Die Geschichte vom Brandner Kaspar

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Das populäre bajuwarische Volksstück geht so: Der Brandner Kaspar, ein Wilderer und Lebemann, will auf Teufel komm raus nicht dem Boandlkramer – zu Hochdeutsch: dem Tod – ins Jenseits folgen. Der Brandner macht den Tod auf seiner Hütt’n mit Kirschgeist besoffen, legt ihn beim Kartenspiel herein und gewinnt 21 weitere Lebensjahre. Im Himmel und auf Erden kommt es daraufhin zu einigen Verwicklungen. Franz von Kobells Originalgeschichte von 1871 hat ihren urtümlichen Charme. Bayerische Theater inszenieren sie immer wieder, und zwei Verfilmungen des Stoffes – eine fürs Kino (1949), eine für das Fernsehen (1975) – gibt es bereits.

Joseph Vilsmaier hat sich die alte Sage für seine erste Komödie ausgesucht. Bekannt ist der Filmemacher für seine NS-Dramen ([filmid: 689]Der letzte Zug, 2006; Comedian Harmonists, 1997) und Bergmelos (Bergkristall, 2004; Schlafes Bruder, 1995). Das komische Fach ist allerdings nicht Sache des Regisseurs – und auch nicht des Drehbuches (Klaus Richter). Die Witze bleiben bieder, das Tempo gemächlich, und einige Szenen, wie die gescheiterte Abholung des Brandners (Franz-Xaver Kroetz) durch den Boandlkramer (Bully Herbig), wirken wie auf knarzenden Bühnenbrettern inszeniert, so gemächlich schreiten sie voran.

Die Geschichte vom Brandner Kaspar

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Dabei hat sich das Team, darunter gut sichtbar die Bereiche Szenenbild (Toni Gerg) und Visual Effects (Christoph Hierl), große Mühe gegeben, dieses heimatliche Märchen fantasievoll zu gestalten – ein kitschiges Himmelsparadies entstehen zu lassen, eine Berghütte im Stil des 19. Jahrhunderts zu bauen oder kleinere Fantasy-Elemente umzusetzen. Doch Die Geschichte vom Brandner Kaspar bleibt eine allzu kreuzbrave Schrulle, bei der nie klar wird, auf welche Zielgruppe sie ausgerichtet ist. Auf Bully-Schenkelklopfer wartet man vergeblich, und auch der Mundart-Appeal erschöpft sich sehr schnell. Stattdessen lässt einen der Versuch, die Auseinandersetzung mit dem Tod satirisch zu betreiben – noch dazu im konsequenten Dialekt und mit Visionen vom Jenseits –, immerzu an Marcus Rosenmüllers [filmid: 591]Wer früher stirbt, ist länger tot (2006) denken. Ein Film, bei dem der Witz deshalb so gut funktioniert, weil das Drama immer spürbar bleibt.

Filmkritik von Sonja M. Schultz

Veröffentlicht am 25.09.2008

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Im TV

Sa 18.02.2012, 21:45 Uhr, BR

 

DVD von Die Geschichte vom Brandner Kaspar

 
 

Film-Angaben

Titel: Die Geschichte vom Brandner Kaspar

Deutschland 2008

Laufzeit: 100 Minuten

Altersfreigabe: ab 6 Jahren

 

Regie: Joseph Vilsmaier

Drehbuch: Klaus Richter

Produktion: Joseph Vilsmaier, Markus Zimmer

Bildgestaltung: Jörg Widmer

Montage: Uli Schön

Musik: Christian Heyne

Darsteller: Michael Herbig, Franz-Xaver Kroetz, Lisa Maria Potthoff, Peter Ketnath, Sebastian Bezzel, Gerald Alexander Held, Herbert Knaup, Jörg Hube

 

Kinostart: 16.10.2008

 

DVD-Angaben

Titel: Die Geschichte vom Brandner Kaspar

Vertrieb: Concorde Home Entertainment

Bild: 2,35:1, 16:9

Sprache(n): Deutsch (DD 5.1, DTS 5.1)

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Altersfreigabe: ab 6 Jahren

Spieldauer: 96 Minuten

 

Extras: Interviews mit Darstellern und Regisseur; Blick hinter die Kulissen; Bully in der Maske; Fotoshooting fürs Filmplakat; Audiokommentar von Miachel Bully Herbig und Lisa Maria Potthoff [exklusiv auf der Kauf-DVD]

 

Verleih ab: 17.04.2009

Verkauf ab: 06.05.2009

 

Weitere Filme

... von Joseph Vilsmaier

Nanga Parbat
Deutschland 2009
Mit Florian Stetter, Andreas Tobias

Der letzte Zug
Deutschland 2006
Mit Gedeon Burkhard, Lale Yavas

... mit Michael Herbig

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Deutschland 2011
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Spanien, Deutschland, Frankreich 2008
Von Frédéric Forestier, Thomas Langmann

 

Copyright Die Geschichte vom Brandner Kaspar

Foto: © Concorde

 

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