Die Geisha

Rob Marshall inszeniert Arthur Goldens Bestseller Die Geisha als überlangen Kostümfilm des Leidens- und Erfolgswegs einer Japanerin. In den Hauptrollen zu sehen sind die chinesischen Stars Zhang Ziyi und Gong Li.

Die Geisha

Düster ist der Anfang von Rob Marshalls neuestem Film Die Geisha (Memoirs of a Geisha): Irgendwo an der Küste Japans steht ein kleines Fischerhaus. Die Umgebung ist in der Dunkelheit kaum zu erkennen, vereinzelt erhellen flackernde Lampen die schwarze Nacht, die Kamera wackelt unsicher. Im Haus lauschen zwei Mädchen versteckt, wie ihr Vater mit einem fremden Mann redet. Die Mutter liegt sterbenskrank im Bett. Dann werden die Mädchen gepackt und unter lautem Protest in den Pferdewagen des Fremden geladen.

Was folgt ist die Erzählung der wechselvollen Geschichte einer der beiden Schwestern, Chiyo (als Kind gespielt von Suzuka Ohgo), die als Dienstmädchen im Haushalt der berühmten Geisha Hatsumomo (Gong Li) landet. Fortan hat sie unter den Launen der intriganten Dame zu leiden, bis die Begegnung mit einem Firmendirektor (Ken Watanabe) ihr Leben ändert. Den Weg Chiyos vom mittellosen Dienstmädchen zur gefeierten Geisha Sayuri erzählt nun der Amerikaner Marshall, der zuletzt das Stargespickte Musical Chicago (2002) auf Zelluloid bannte.

Die Geisha

Berühmte Schauspieler dominieren auch Die Geisha, allerdings ausnahmslos asiatische, darunter vor allem die beiden Chinesinnen Zhang Ziyi, die Suzuka Ohgos Rolle ab der Pubertät übernimmt, und Gong Li, der Hauptdarstellerin aus Zhang Yimous gefeiertem historischem Drama Die rote Laterne (Da hong deng long gao gao gua, 1991). Beide haben sich im Ausland einen Namen gemacht, im letzten Jahr spielten sie gemeinsam in Wong Kar Wais viel beachtetem 2046, einem Film der unter anderem mit der Tatsache spielte, dass seine weiblichen Darstellerinnen allesamt chinesische Superstars waren. Ihnen zur Seite steht als Sayuris Mentorin Mameha die Malaiin Michelle Yeoh, asiatische Kampfkünstlerin und ehemaliges Bond Girl, die bereits in Ang Lees Tiger and Dragon (Wo hu cang long, 2000) mit Zhang zusammenarbeitete. Der einzige japanische Hauptdarsteller in diesem Film über japanische Kultur ist Ken Watanabe, der sein Hollywooddebüt jüngst neben Tom Cruise in The Last Samurai (Last Samurai, 2004) gab. Vielleicht hat Marshall sich gedacht, Asiaten sehen für das westliche Auge sowieso alle gleich aus, vielleicht wollte man das Risiko nicht eingehen, unbekannte Schauspieler zu engagieren, die nicht in ähnlicher Weise als massentaugliches Zugpferd dienen könnten wie Zhang Ziyi und Michelle Yeoh – vor allem da ein komplett asiatisches Ensemble generell ein Wagnis darstellen dürfte am heimischen Markt.

Einmal mehr beweist Zhang hier allerdings, dass sie eine sehr gute Schauspielerin ist, die fein und nuanciert arbeitet und die inneren Kämpfe und Entwicklungen ihrer Figur deutlich macht. Auch Gong Li spielt die böse Hatsumomo nicht nur als hinterhältiges Luder, sondern gewährt ihr ebenfalls eine weichere, emotionalere Seite. Aber alleine gutes Schauspiel macht noch keinen guten Film. Die Akteure kämpfen an gegen ein detailreiches, visuell atemberaubendes Setdesign, das den Zuschauern die exotische, neue Welt vor Augen führen soll: der Blick über die unzähligem Dächer der alten japanischen Stadt, schummrige, kaum erleuchtete Gassen im Rotlichtmilieu, im Frühling Kirschblütenbäume, perfekte Gartenanlagen mit fremdländischen Pflanzen – und mittendrin die Geishas in kostbaren Kimonos. Es scheint allerdings, als hätte Regisseur Marshall sich zu sehr in dieser wiederauferstehenden japanischen Vorkriegswelt verloren. Vor dieser beeindruckenden Kulisse geraten die Charaktere und ihre Geschichte in den Hintergrund. Sie wirken wie nettes Beiwerk in einer eindrucksvollen Demonstration des Produktionsdesigners John Myrhe und der für die Kostüme verantwortlichen Colleen Atwood.

Die Geisha

Die Geisha basiert auf dem Debütroman des amerikanischen Schriftstellers Arthur Golden, ein Buch, das sich zwei Jahre lang auf der Bestsellerliste der „New York Times“ hielt und in mehrere Sprachen übersetzt wurde. Golden lebte und arbeitete einige Zeit in Tokio und machte seinen Master of Arts in japanischer Geschichte. Den Film allerdings ein Historiendrama zu nennen, wäre irreführend. Marshall geht es primär um die emotionalen Befindlichkeiten seiner Protagonistinnen: ihr Liebesschmerz, ihre Rivalität untereinander, Sayuris Ehrgeiz, die Beste zu sein. Die eigentliche Geschichte, nämlich Sayuris wechselvolles Leben in einer streng patriarchalischen Kultur, tritt ebenso in den Hintergrund wie die Darstellung der sozialen Umstände, in denen sie lebt. Was übrig bleibt ist die einfach gestrickte Erzählung über ein kleines japanisches Mädchen, die unbedingt Geisha werden möchte – ein Beruf den man durchaus als Prostitution bezeichnen kann – um den Mann zu beeindrucken, den sie als ihre große Liebe betrachtet. Absolut unkritisch erzählt Marshall Sayuris Leben als „Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär“-Märchen einer einfachen Fischerstochter. Ihre Ängste und die Schattenseiten dieser Profession zeigt er kaum, auch die Tatsache, dass Frauen in dieser von Männern dominierten Gesellschaft keine andere Möglichkeit gegeben wurde als über den Verkauf ihres Körpers Einfluss zu nehmen, wird nicht verhandelt. Im Gegenteil, je weiter Sayuri in der Geisha-Hierarchie, sprich in der Fähigkeit, Männer für sich einzunehmen, nach oben steigt, desto schöner und prunkvoller werden die Kulissen. So erweist sich Die Geisha als zwar visuell beeindruckender, im Umgang mit der Thematik jedoch unbedarfter Kostümfilm.

Kommentare


himizu

Ich möchte mich deutlich über die bezeichnung "PROSTITUTION" aussprechen.
Eine Geisha ist eine Unterhaltungsdame. Sie gibt kleine Konzerte, singt oder tanzt dabei. Eine Geisha beherrscht die Kunst des aufmerksamen Zuhörens, sie ist eine Gesellschaftsdame die sich mit ihren Kunden unterhaltet.
Keine Billige hure die ihren Körper verkauft !


ich

Geishas haben in der Geschichte aber auch sexuelle Dienste angeboten. Heute mag das in der Tat anders sein.


Yuu

Eben, früher war Sex nicht das problem in Japan und dem Spaß nach haben auch Geishas sich hingegeben. Deshalb sind sie auch keine billigen Huren gewesen und das wurde in der Kritik auch kein mal so dargestellt.


fan

Eben doch: "ein Beruf den man durchaus als Prostitution bezeichnen kann"

Was auch zu diesem schluss führen kann ist vielleicht einer der vielen fehler in dem Film.
Die Mizuage (teetrinken mit dem mizuage partner - an den man ein leben lang gebunden ist ! - und anschließende nacht mit eben diesem mann -entjungferung), wurde so nah an das ereignis "jetzt bist du vollwertige Geisha" geknüpft. Dadurch entstand der eindruck, mann müsse die mizuage "erleben" um danach Geisha zu sein.
Wobei das eine mit dem anderen nichts zu tun hat. Tatsächlich war sie noch Jahre nach der Mizuage eine Lerngeisha. Den weißen Kragen bekam sie erst, als sie bereit dazu war ;)

Ansonsten pflichte ich bei, ein herrliches Farbenspiel, wirklich eindrucksvolle Kulissen. Auch das beschwipste Haus am Meer das wir in der Anfangszene gesehen haben hat Eindruck hinterlassen.
Das Buch, das eine Lebensgeschichte erzählt, und der Film (ich hab im vorspann nichts gelesen vonwegen - lebensgeschichte??) weichen in den Details sehr voneinander ab.
Was mich auch gestört hat: wir konnten zwar sehen das die kleine Sayuri beim Frisör leidet. Das ihr aber heißes wachs in die Haare gekämmt wurde kam nicht herraus. Ebenso hatte Hatsumomo ständig offenes sträniges Haar wobei das ein Ding der Unmöglichkeit war, dieses Haarewaschen, Wachsen und neue Frisur formen konnten sich eine gute Geisha vielleicht zwei mal die Woche leisten... also war das warscheinlich nur der Versuch einen hauch westlicher erotik in den Film zu stopfen.


ggjvbtf

reden wir hier nich über den film??also lasst mal dieses dumme angeberische gequatsche von wegen "die ham das falsch dargestellt schließlich bin ich dr. dr. dr. japan und prof. china"!is ja nervig!ich fand den film gut.also lasst jetzt dieses angeben und XXX


isa

dieser film ist einer der schönsten, die ich jemals gesehen habe! eine mischung aus drama und liebesgeschichte und zwar so inszeniert, wie man es sich vorstellt.....
auch von den kostümen und den örtlichkeiten ( die japanische wohnkunst) sehr authentisch dargestellt.

das buch habe ich vorher nicht gelesen , es ist aber logisch, dass dieses buch nicht 100 prozentig umgesetzt werden kann, sonst wäre der film noch länger geworden..
man erahnt viele dinge, beispielsweise die tatsache, das eine geisha ein ehrenswerter beruf war , eine unterhaltungskünstlerin wie schon beschrieben, die in einer perfektionierten art den herren verpflichtet war, diese niveuvoll zu unterhalten. allerdings war sie eine dienstleistern höchsten gerades und musste ihre eigenen bedürfnisse hinter die gesellschaftlichen stellen.. und nur eine besonders schöne und begabte frau wurde dieser ehre zuteil...

also denke ich, dass es keine art von prostitution war, sonst wäre jede kellnerin oder jede schaupielerin ebenfalls prostituierte..


begeisterter fan

Also ich find das is der beste film den es gibt ich bin richtig fasziniert von den geishas. es sind starke frauen. alle aus meine schule und so halten sie für nutten uns huren. das ist doch gar nicht war. meine mutter hat mir letztes Jahr das buch gegeben das sie vor 5 jahren gekauft hatte. es war einfach cool. und als ich hörte das der film ins kino kommt bin ich gleich bei der ersten vorstellung hin.


laura(12)

ich finde das is der beste film aller zeiten ich liebe die schauspieler und denn look und die musik ich hab mich sooooooo gefreut als ich denn film (die geisha)im schlecker für nur 15 euro sah ich nervte meine mutter so mit dem film das sie ihn mir sofort kaufte sie war auch wie meine freunde überrascht wie schön und triaurig der film ist also ein sehr großes lob an den regesör und an zhang ziyi die die rolle soooo super spielte und natürlich an die anderen bye bye


Jule

also ich fand den film zwar nicht schlecht ,muss aber sagen, dass er nicht im geringsten an das buch herankommt!!!!
außerdem war der film nicht so leicht zu verstehen wenn man das buch vorher nicht gelesen hat. ich musste meiner Freundin, die das buch nicht gelesen hatte, vieles erklären.
ich rate also jedem das buch unbedingt zu lesen, denn es ist viel, viel besser!!!! ciao


El_Loco

Ich finde den Film visuell beeindruckend! Die Kameraführung ist extremst genial, daran heranzukommen ist schier unmöglich!
Auch die Geschichte und das Dekor und was dazugehört ist umwerfend, mir hat der Film sehr sehr gut gefallen, und die Kritik kann ich so nicht nachvollziehen, und halte sie für falsch!


Kleiner Finger

Ich sehe das genauso wie himizu (lorelore@kombo.de).

Geishas sind keine Huren!!
Da smuss festgehalten werden


Kleiner Finger

Die Geisha ist mit abstand mein Liblingsfilm.Der Film ist gefühlsreich, mitreissend- einfach nur toll.

Ich habe mir letztens das buch zum film gekauft. leider nachdem ich den Film gesehn habe... ich freue mich auf das Buch und hoffe es ist noch besser als der Film (wie das meistens so ist).


kool-i-noor

Ich habe diesen Film mehr oder weniger zufällig gesehen und ich war begeistert. Die Bilder sind einfach umwerfend und das Schicksal der kleinen Chiyo war sehr einfühlsam dargestellt. Man bekam auch einen kleinen Einblick in die Geishawelt. Bei Recherchen im Internet musste ich allerdings feststellen, dass in Sachen Haarfrisuren, Kostüme usw. offensichtlich viele Fehler gemacht wurden. Das ist natürlich sehr Schade, besonders wenn diese das Verständnis des Films beeinträchtigen. Ich habe das Buch nicht gelesen, den Film aber trotzdem verstanden. Wer man also über die Fehler hinwegsehen kann, wird ein wunderschönes Märchen erleben, toll gespielt und toll gefilmt. Mit der Ausstattung enthielt viele Details. Das wirkliche Juwel- neben den tollen Bildern- ist aber die Filmmusik, die wirklich passend ist. Manch einer mag den Film als schnulzig und voraussehbar bezeichnen, aber meiner Meinung nach hat der Film mehr Qualität als eine gewöhnlicher Liebesfilm. Da mich der Film also in seinen Bann gezogen hat, kann ich die diversen Auszeichnungen gut nachvollziehen.


Jerry

Habe ihn gestern abend zum ersten mal gesehen. Super schöne Musik von John Williams, der hier ein paar ähnliche Kompositionen wie bei "Schindlers Liste" reinbringt. Angucken.


Martin Z.

Die Bilder sind wie aus dem Hochglanzprospekt der Tourismusbranche und auch der ruhige Kommentar aus dem Off hat seine Wirkung. Und wer dann die erste Hälfte überstanden hat und nicht eingeschlafen ist, erlebt noch wie der 2. Weltkrieg vorübergehend etwas Schwung in die dröge Handlung bringt. Das passt zwar zum bisher Gesehenen wie der Fisch zum Fahrrad, aber man ist für die Abwechslung dankbar. Selbst die fernöstliche Filmikone Gong Li - hier mal als Bitch - kann nichts reißen oder retten. Sie versucht wenigstens ansatzweise etwas Schauspielkunst einzubringen. Die süße Schönheit aus House of Flying Daggers (Zhang Ziyi) dagegen wird hier reduziert aufs schöne Mandelaugen machen. So verharrt sie in ihrer Schönheit bis zum vorhersehbaren Happy End. Alles in allem etwas ermüdend.


Annika

@ggjvbtf: Nein, nervig ist nicht das "Gequatsche" von Leuten, die sich mit etwas auskennen - sondern anmaßende, ignorante Kommentare wie Deiner!
Nur, weil man den Film augrund seiner Erfüllung irgendwelcher exotisierenden Vorstellungen oder was auch immer als schön anzusehen empfinden mag, gibt das einem nicht das Recht, ein ganzes kulturelles Phänomen oberflächlich wiederzugeben. Klar, Hollywood ist Hollywood - darf aber deshalb trotzdem nicht alles!

Wenn jemand einen Film macht, in dem etwas über Dein Land falsch dargestellt wird, würdest Du sicher auch nicht sagen: "Egal, solang es den Zuschauern gefällt." Hier werden Menschen repräsentiert, wie sie nicht repräsentiert werden wollen, und DAS gilt es zu respektieren, egal, wie gut man den Film selber findet.

Die Geisha, die der Buchautor als Quelle herangezogen hatte, hat ihn übrigens verklagt, weil er manches eben nicht korrekt dargestellt hat, z. B. die Mizuage. Es geht hier nicht darum, dass irgendwo ein falsches Kimonomuster gebraucht wird, sondern um ein falsches Bild dessen, was eine Geisha ist/tut, wie man ja an dieser Rezension hier schon erkennt.






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