Die Frau des Zeitreisenden

Ambitioniert in der Erzählung, zahm in der Inszenierung – Die Frau des Zeitreisenden gaukelt einen Ausbruch aus den Konventionen vor.

Die Frau des Zeitreisenden

Henry (Eric Bana) leidet an einem ungewöhnlichen genetischen Defekt. Er springt in unregelmäßigen Abständen durch Zeit und Raum, ohne Kontrolle darüber ausüben zu können. Während er sich für kurze Zeit mal in diesem, mal in jenem Jahr der Weltgeschichte aufhält, altert er wie ein gewöhnlicher Mensch. Nur eben auf Umwegen. Eines Tages begegnet er Clare (Rachel McAdams), die ihn von früher zu kennen behauptet. Er besuchte sie als kleines Mädchen, aber er war älter. Also wird das irgendwann in seiner Zukunft, die ihre Vergangenheit ist, geschehen. Es folgt die große Liebe. So viel zur Geschichte von Die Frau des Zeitreisenden (The Time Traveler’s Wife, nach dem gleichnamigen Roman von Audrey Niffenegger).

Die Frau des Zeitreisenden

Es ist ein Privileg des künstlerischen Ausdrucks, mit nicht-realistischen Szenarien zu experimentieren, menschliches Verhalten in Auseinandersetzung mit dem Ungewöhnlichen oder schlichtweg Unmöglichen zu untersuchen. Doch erfordert solcherlei Spielerei auch adäquate Mittel, die der alternativen Wirklichkeit eine spannende Form verleihen. Filme wie Twelve Monkeys (1995) oder Vergiss mein nicht (Eternal Sunshine of the Spotless Mind, 2004) zeigen, dass komplexe Zeitstrukturen auch im Rahmen einer großen Hollywoodproduktion innovativ umgesetzt werden können. Leider scheut sich Regisseur Robert Schwentke jedoch, die Bahnen konventioneller Inszenierung zu verlassen.

Die Frau des Zeitreisenden

Denn abgesehen von der narrativen Ausgangssituation ist Die Frau des Zeitreisenden eine Romanze vertrauter Machart. Die Organisationsstruktur der Erzählung folgt den gewöhnlichen Stationen der Liebesgeschichte: Kennenlernen, Verlieben, Hochzeit, Krise, Versöhnung, Kind. Clares zeitliche Wahrnehmung der Ereignisse bildet dabei die Leitlinie der Zuschauererfahrung. Auch die Entscheidung, zu welchem Zeitpunkt das Drehbuch in die Episoden des Zusammentreffens zwischen ihr und Henry einsteigt, unterliegt der Ökonomie des Liebesfilmes. Kurz bevor es ernst wird, vor dem ersten Mal. Zu viele Knoten im Kopf lenken vom direkten Zugriff auf die Gefühle ab, weshalb Die Frau des Zeitreisenden auf Dialogebene viel Informationsvermittlung zu leisten gezwungen ist.

Warum, wann, wie oft: All die Fragen des zweifelnden Verstandes versucht Schwentke so restlos wie möglich auszumerzen. Dadurch raubt er der Vorlage jedoch einen guten Teil ihrer verwirrenden Untiefen und lässt im Umkehrschluss die logischen Brachstellen der Erzählung umso klarer hervortreten. So klafft ein großes narratives Loch zwischen Henrys erster Zeitreise als Sechsjähriger und dem Zusammentreffen mit Clare: Was trieb er all die Jahre? Wie kam er an seine Stelle als Bibliotheksgehilfe? Warum verzweifelte er nicht an seiner Einsamkeit? Und warum landet er immer in der gleichen Epoche und nie, na ja, im Pleistozän?

Die Frau des Zeitreisenden

Es ist den beiden Hauptdarstellern hoch anzurechnen, dass sie den Zuschauer immer wieder von solcher Kopfrechnenarbeit erlösen und mit weit aufgerissenen Augen und geflüsterten Liebesbekenntnissen für Momente doch an die unwahrscheinliche Liebe glauben lassen. Dann funktionieren auch Schwentkes Entscheidungen der klassischen Inszenierung, denn im Affektbild der Großaufnahme zerfließen logische Einwände im Augenblick des visuellen Genusses. Je näher die Kamera den Gesichtern der Figuren kommt, desto stärker gelingt dem Film der Zugriff auf die Gefühle seines Publikums.

Die Frau des Zeitreisenden

In einer Szene immerhin findet Schwenkte eine interessante Lösung der Darstellung zeitlicher Paradoxie. Während einer langen, ununterbrochenen Kamerafahrt durch das Haus Clares und Henrys sehen wir Stationen aus dem Heranwachsen ihrer kleinen Tochter Alba (Tatum McCann): Geburtstage, Geigenstunden mit dem Großvater (Arliss Howard), Spielereien mit den Eltern. Als wären all diese Momente wirklich nebeneinander in diesen Zimmern, als trennten sie nicht Jahre voneinander. Raum und Zeit werden relativ auf der Fläche der Leinwand, vier Dimensionen treffen sich in zweien.

Als experimentelle Versuchsanordnung verstanden, ermöglicht der Film durchaus einige Denkarbeit über die Ursachen und Wirkungen menschlichen Handelns und dessen zeitliche Form. Wenn man nie weiß, was vor dem Jetzt geschah, noch, was darauf folgen mag, bleibt als alleiniger Motivationsgrund für irgendein Handeln nur die emotionale Intensität. Hinzu kommt, dass Clare und Henry durch ihre unterschiedlichen Lebenslinien immer wieder einander ausgeliefert sind. Seine Vergangenheit ist ihre Zukunft, und umgekehrt. Oft entstehen dadurch Ungleichgewichte des Wissens und verwirrende moralische Dilemmata. Wie soll ich mich verhalten, wenn ich weiß, was mit dir geschehen wird? Und wie soll ich jetzt lieben, wenn du mich bald hassen wirst? Den Liebenden bleibt nichts als eine Folge von Jetzt-Augenblicken, doch keine Kontinuität des Lebens. Die Seligsprechung des Moments ist es, auf die sich Schwentke konzentriert.

Die Frau des Zeitreisenden

Und doch verlässt man zuletzt den Film zweifelnd und unzufrieden. Denn auf die Frage, welches emotionale Bindemittel die Fragmente aus Zeit und Leben und damit die beiden Personen Clare und Henry aneinanderfügen mag, fällt dem Skeptiker als Antwort doch nur ein fundamentaler Schicksalsglaube ein. Es gibt den Auserwählten, dort draußen im Sturm aus Zeit und Welt. Es kommt zusammen, was zusammengehört. Wer seine andere Hälfte gefunden hat, trotzt kraft der Liebe allen Widrigkeiten des Lebens. Das mag im Rahmen einer Liebesgeschichte legitim und vertretbar sein, für einen Film mit den Prämissen von Die Frau des Zeitreisenden ist das aber reichlich fad.

Trailer zu „Die Frau des Zeitreisenden“


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Kommentare


Gerry

Dieser Film ist bestimmt nicht genial aber dennoch sehenswert und sehr spannend. Man möchte bis zum Schluss nicht abschalten und das ist schon mal ein großer Pluspunkt. Das Buch ist bestimmt besser aber das ist ja nix neues.


Maggi

Dieser Film ist der tollste Liebesfilm den ich je gesehn habe...Schon alleine die Idee ist...hammer...ich kann den Film nur weiter empfehlen und euch raten eine Packung Taschentücher dabei zu haben.SOOOO schön und doch SOOOO Traurig


JW 777

wer diesen film anschaut und logik anwendet sollte es besser nach 5 minuten lassen.

ich bin 38 und männlich, schaue den film fast schon monatlich immer wieder und ab und zu szenen daraus.

es ist eine flucht in eine andere welt und dafür wurde er gedreht. es kommt auch keiner auf die idee die sprechenden und laufende bäume in der herr der ringe zu kritisieren.

ich habe und ich werde immer in tränen ausbrechen an immer den gleichen stellen im film weil es schicksal ist wen wir wann treffen und wie oft wir uns treffen im leben.

jeder der richtig liebt oder geliebt hat kennt dieses gefühl und ich schicke meiner frau 777 küsse egal wo oder in welcher zeit sie gerade ist.......


Bücherwurm

Der Film ist wirklich sehr flach.
Leute die das Buch gelesen haben werden einige Szenen vermissen. Henrys Ex-Freundin Ingrid und ihre lesbische freundin Cecile kommen garnicht drinn vor. Ebenso wird Kim die Vermieterin des Vater in keiner Silbe erwähnt.
Auch wichtige Schlüsselszenen wie Clair als Teeni leiden musste weil sie nie mit anderen Jungs ausgeht. Die Fehlgeburten waren nicht dramatisch genug. Und auch das Clair kurz vorm Selbstmord ist hätte sie henrysbrief nicht gefunden wo drinn steht das sie sich noch mal sehen wenn sie 80 ist.

Fazit: Das Buch hätte genug zu bieten gehabt um daraus einen packenden Liebesfilm zu machen. Im Ende ist er aber leider nur ein flacher Liebesfilm für zwischendurch geworden.






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