Die Farbe des Ozeans

Maggie Peren erzählt eine Geschichte vom Rande der Festung Europa.

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Einen größeren Kontrast als den zwischen Urlaubsfreuden und Flüchtlingsschicksal gibt es kaum. Maggie Peren fasst ihn ein Bild: Nathalie (Sabine Timoteo) steht schockiert im knappen Bikini zwischen einem Dutzend gestrandeter Menschen auf einer kanarischen Insel. Sie will helfen, holt Wasser für Zola (Hubert Koundé)und seinen Sohn Mamadou (Dami Adeeri); als sie zurückkehrt, ist längst die Polizei eingetroffen, die die Szene mit kühler Effektivität unter Kontrolle bringt. Wie viele Leichen? Sind sie schon nummeriert? Die mitfühlende Touristin wird abgewimmelt.

Die Farbe des Ozeans  2

Nathalie hilft dann später doch und löst damit ein tragisches Ereignis aus. Denn Die Farbe des Ozeans ist trotz des poetischen Titels keine erbauliche Geschichte von völkerverbindender Humanität, sondern ein harsch realistisches Abbild unausweichlicher Schlechtigkeit. Da ist der Polizist José (Alex Gonzalez), der nichts von dem Flüchtlingselend an sich herankommen lässt und für den jeder Schwarze am Strand ein Lügner ist. Da ist Zola, der alles tut, um seinen Sohn und sich durchzubringen und vor der Abschiebung zu bewahren. Dazu gehört, wie von José vermutet, zu lügen, wenn nötig, und auch, den anderen auf dem Boot nichts von seinem Wasser abzugeben. Da ist der Freund der urlaubenden Nathalie (Friedrich Mücke), der als Vernunftmensch mit ihrem Engagement nichts anfangen kann.

Die Farbe des Ozeans  3

Regisseurin und Drehbuchautorin Maggie Peren war zuletzt mit der harmlosen Beziehungskomödie Stellungswechsel (2007) im Kino. Ihr neuer Film, ihr zweiter als Regisseurin, schlägt eine völlig andere Richtung ein. Die Kamera von Armin Franzen verstärkt durch Nahaufnahmen und tastende Bewegungen den Eindruck ausgestellter Ernsthaftigkeit. Stellenweise wird die Geschichte dann doch etwas schematisch, wir haben es schließlich klar mit einem Werk zu tun, das sich im Kosmos des Unterhaltungskino bewegt. 

Aber die Figuren sind ambivalent genug, um nicht als Träger gesellschaftspolitischer Thesen herhalten zu müssen. Die Farbe des Ozeans zeigt eindringlich, wie instinktive Hilfsbereitschaft auf übermächtige soziale und politische Strukturen prallt.

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