Die etwas anderen Cops

Immer noch viel zu lachen: Nur ein wenig gezähmt erscheinen Will Ferrell und sein Hausregisseur Adam McKay in ihrem neuen Streich.

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Die etwas anderen Cops heißt der Film in Deutschland, im Original deutlich präziser The Other Guys. Das „etwas“ im hiesigen Verleihtitel schwächt ab und verlegt ins bloß Kauzige, was zunächst eigentlich ein eindeutiges Statement ist: Allen Gamble (Will Ferrell) und Terry Hoitz (Mark Wahlberg) sind die personifizierten anderen Jungs, nämlich diejenigen, die stets „auch noch da“ sind, im Hintergrund herumsitzen, wenn die Supercops der NYPD ihre Show abziehen. Und die erst zum Zug kommen, wenn diese Supercops einen ungesicherten Sprung von einem zwanzigstöckigen Hochhaus wider Erwarten nicht überleben.

Wobei eigentlich nur einer der beiden Ersatzcops das Versprechen des amerikanischen Titels ganz einlöst. Über den von den Autoren eher unglücklich angelegten Terry Hoitz, der einen Haifisch als Bildschirmhintergrund nutzt und mit einem chronischen Minderwertigkeitskomplex belastet durch sein Leben taumelt, muss man nicht viele Worte verlieren – genauso wenig wie zu dem generischen Plot, der auf eine Rehabilitierung des etwas Anderen hinausläuft, aber konsequent Nebensache bleibt. Wirklich viel weiß weder der Film mit Mark Wahlberg noch dieser mit einer Rolle, die sich allzu eng an den Buddy-Movie-Klischees der 1980er orientiert, anzufangen. Man kommt nicht umhin, John C. Reilly zu vermissen, Will Ferrells deutlich eigensinnigeren Partner in Stiefbrüder (Step Brothers, 2008) und Ricky Bobby – König der Rennfahrer (Talladega Nights: The Ballad of Ricky Bobby, 2006).

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Mark Wahlberg ist selbst in seinen wenigen gelungenen Szenen kaum mehr als eine – und dafür eignet sich sein offenes, naives Gesicht dann doch sehr gut – Projektionsfläche für Will Ferrells Wahnwitz. Und ein Stichwortgeber für die anderen Akteure, unter denen vor allem Steve Coogan hervorzuheben ist, der sein großkapitalistisches Arschloch erfreulich unsouverän anlegt und sich selbst zu glauben scheint, wenn er millionenschwere Bestechungsangebote mit dem Zusatz „it’s not a bribe“ anpreist. Zumindest eine kleine Entdeckung ist außerdem Brett Gelman, ein junger Komiker, der aus dem Nichts auftaucht und in einer kurzen Szene jede Menge sonderbar sexualisierten Unfug veranstaltet.

Aber natürlich ist Die etwas anderen Cops zuerst ein Ferrell-Film. Der großgewachsene Komiker macht sich seine Rolle wieder einmal ganz zu eigen. Allen Gamble ist ein Polizeibürokrat, der am liebsten ewig in der Abteilung für Wirtschaftskriminalität verblieben wäre. Allerdings vor allem deswegen, weil er, das erfährt man später im Film, mit einer dunklen Vergangenheit als Collegezuhälter (unter dem Namen „Gator“) zu kämpfen hat. Zum Spott seiner Kollegen macht ihn außerdem sein roter Toyota Prius, ein Running Gag ist seine Anziehungskraft auf Frauen, die eindeutig „out of his league“ zu sein scheinen. Die Vehemenz, mit der sich Ferrell in derartige, weniger verschroben als verschoben, absichtsvoll und nach einem unbekannten Plan konstruiert anmutenden Figuren hineinsteigert, ist nach wie vor einmalig.

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Die etwas anderen Cops ist bereits die vierte Zusammenarbeit Ferrells mit dem Komödien-Avantgardisten Adam McKay. Vielleicht ist das derjenige Regisseur, der die Logik des Internets, vor allem die der neuen Video-Plattformen wie YouTube oder seiner eigenen Kreation „Funny or Die“, am konsequentesten ins Kino übertragen hat. McKay ist ein Meister in der Kunst, einerseits Pointen so lange konsequent überzuinszenieren, bis sie jede handlungslogische Funktionalität eingebüßt haben und sich nur noch nach den Gesetzen ihrer eigenen Logik entfalten. Und andererseits auch darin, scheinbar beliebige, völlig heterogene Materialien wie unbehauen nebeneinander zu stellen und doch gleichzeitig in einen rhythmischen, assoziativen Flow zu integrieren, der freilich nicht mehr im engeren Sinne ein narrativer ist.

Natürlich hat diese Form Vorläufer; Jerry Lewis war vielleicht ihr wichtigster. Aber gerade dieser näherte sich in seinen radikalsten Dekonstruktionen der klassischen Spielfilmform (zum Beispiel in Ich bin noch zu haben,  The Ladies Man, 1961) einer Art organisch konzipiertem Gesamtkunstwerk, die den synthetischen, unprätentiös irrlichternden Komödien der YouTube-Zeit zutiefst fremd ist. Will Ferrells Sturheit setzt schon fast durch ihre bloße körperliche Präsenz – die starren Gesichtszüge, der massige, durchgestreckte Oberkörper – vor der Kamera eine eigene Welt, die mit ihrem Außen nur auf Umwegen zu kommunizieren vermag, und ist das ideale Vehikel für die neue Form. Es gelingt Ferrell mühelos, ein einfaches Streitgespräch mit Mark Wahlberg in Sekundenschnelle in einen Diskurs über mögliche evolutionäre Veränderungen der Gattung Tintenfisch zu verwandeln. Und ein späteres, versöhnlicheres Kneipengespräch unterbricht er mit tieftraurigem Gesang im Kreise seiner Saufbrüder: „and the children all got pink-eyed, while their Harry Potter books were burned ...“

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Ganz durchhalten kann McKay sein System diesmal, anders als in den Vorgängerfilmen, nicht. Auch die Actionszenen, die gegen Ende immer häufiger werden, sind zwar tongue-in-cheek: Da wird ein Hubschrauber schon einmal mit Golfbällen vom Himmel geholt. Dennoch erscheint das Korsett, das das Genre dem Film gerade in dessen letztem Drittel schmiedet, doch etwas zu eng. Schmerzhaft vermisst man nicht nur hier die entspannte Atmosphäre, die Judd Apatow, Produzent aller vorherigen McKay-Streifen, allen Filmen, an denen er beteiligt ist, als eine Art Autorensignatur aufdrückt. Apatow hatte McKay den Rücken frei gehalten und Entfaltungsspielräume geschaffen, die in einer durchgestylten Großproduktion wie Die etwas anderen Cops zwangsläufig enger bemessen sind.

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Aber McKay versteht es, auch kleine Spielräume zu nutzen. Und der Abspann ist dann sowieso wieder toll und wird, das gibt es auch nicht in jedem x-beliebigen Blockbuster zu sehen, begleitet von ganz unironisch aufbereiteten, kapitalismuskritischen Infografiken.

Trailer zu „Die etwas anderen Cops“


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Kommentare


Katja

Ich bin immer noch überrascht, was für eine Schauspielkarriere Mark Wahlberg hingelegt. Und so freue ich mich auch auf diesen Film!


Patrick

Die erste halbe Std. war wirklich ausgezeichnet, denn sie bot ALLES, was der Filmfan braucht: Humor (sowohl verbaler als auch Situations-), Action, Spannung, eine ganz spezielle Atmosphäre, einfach ausnahmslos alles...
Doch ab dem 1. Besuch der beiden Hauptprotagonisten bei Allan zu hause nimmt das Niveau leider gewaltig ab und im Mittelteil herrscht streckenweise sogar einiges an Langweile =(. Dennoch sehenswert.


Cobra

Für mich einer der schlechtesten Filme die ich in letzten Zeit gesehen habe.
Der Trailer sah so gut aus, einige gute Schauspieler dabei und dann kommt sowas dabei heraus. Gerade von Mark Wahlberg hätte ich mehr erwartet.
Der Film wird auch mit der Zeit dann immer schlechter, von Action ist hier auch nicht viel zu sehen und witzig fand ich den Film auch nicht. Was bleibt übrig na nichts was den Film positiv machen könnte.
Samuel L Jackson und The Rock sind auch nur am anfang dabei für paar minuten also nicht denken sie spielen im ganzen Film mit. Dieser schlechte Film wird hier von einem schlechten Mark Wahlberg und einem noch schlechtern Will Ferell angeführt.
Ich konnte den Film nur bis zum ende anschauen da ich ihn gekauft hatte, hätte ich ihn ausgeliehen hätte ich ihn nach 20 min. ausgemacht und zur Videothek zurück gebracht. Geschmäcker sind verschieden also spreche ich nur für mich. Der Film war der letzte Schrott muss jetzt zusehen wie ich den Film wieder verkaufe.

Anderen empfehle ich vor einem Kauf sich den Film erstmal auszuleihen.






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