Die Erde von oben

Renaud Delourme setzt die berühmten Fotografien Yann Arthus-Bertrands in Bewegung und unterlegt sie akustisch mit dem Gespräch eines Vaters mit seinem wissbegierigen Sohn sowie Zitaten aus dem Kleinen Prinzen.

Die Erde von oben

Jeder kennt dieses Photo, denn es schmückt unter anderem den Einband des Print-Bestsellers Die Erde von oben (La Terre vue du ciel, 1999): Eine herzförmige, in schönsten Grüntönen leuchtende Insel, das Herz von Voh in einem Mangrovengebiet in Neukaledonien. Bei diesem Buch handelt es sich um einen Fotoband, der unseren Heimatplaneten aus der Vogelperspektive präsentiert. 365 Farbfotografien, mit dem Untertitel versehen: 365 Tage, um die Schönheit unserer Erde zu betrachten, 365 Tage, um über unsere Welt nachzudenken. Denn Yann Arthus-Bertrand geht es in seiner Arbeit nicht nur um den beeindruckenden Schauwert seiner Bilder, sondern vor allem um eine zukunftsorientierte Auseinandersetzung mit der Zerstörung unseres wunderschönen Planeten. Dass dies ankommt, zeigen die Verkaufszahlen. Mit über 3.500.000 verkauften Exemplaren und der mittlerweile 12. Auflage ist Die Erde von oben der meist verkaufte Bildband Europas.

Die Erde von oben

Der gleichnamige Film von Renaud Delourme animiert nun dieses Bildmaterial. Das bedeutet konkret, dass die aufzeichnende Kamera über die einzelnen Fotografien fährt, hinein- und hinauszoomt und ihnen derart Leben einzuhauchen versucht. Auf diese Bildebene beschränkt sich sodann auch der gesamte Film, was die Frage aufwirft, ob hierbei überhaupt noch von einem solchen die Rede sein kann oder es sich nicht eher um eine animierte Diashow handelt. Das Arrangement der Fotografien ist, angelehnt an die biblische Schöpfungsgeschichte, in sieben Kapitel gegliedert. Beginnend mit der Genesis, über den Menschen und dessen Sinne, den Turmbau von Babel, weiter zu Chaos und Ordnung bis hin zur Zivilisation und der Terra Incognita begibt sich der Zuschauer den Blick starr gen unten gerichtet auf eine philosophisch-anthropologische Bilderreise über den Wolken. Begleitet wird er dabei von zwei Stimmen aus dem Off: Ein Vater erklärt seinem neugierig fragenden Sohn die Welt. Dieser will alles genau wissen und stellt Fragen, an deren Unerklärlichkeit wir uns schon seit langem gewöhnt haben. Und so verbleiben auch diesmal wieder etliche Fragen unbeantwortet und hallen im Dunkel des Kinosaals, an unser Grübeln weitergegeben, nach. Doch wie bemerkte der Kleine Prinz bereits: Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.

Die Erde von oben

So löblich der Versuch auch ist, dem Kinogänger die fortschreitende Zerstörung der Erde anhand anschaulicher Bilder in seiner Dringlichkeit wieder ins Bewusstsein zu rufen, stellt sich am Ende aber doch die Frage, warum dafür eine Bilderpräsentation auf großer Leinwand als notwendig erachtet wurde. Die Fotografien Arthus-Bertrands erhalten weder durch die Animation, noch den akustischen Zusatz eine ergreifendere Aussagekraft. Ganz im Gegenteil: Man ertappt sich gelegentlich bei dem Wunsch nach einem Moment der Stille, der einfach nur die Bilder zu Wort kommen lässt. Eine weitere Frage also, die nach dieser Stunde unbeantwortet bleibt.

 

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