Die drei Musketiere 3D

In der modernisierten Story bleibt von Alexandre Dumas’ Klassiker nicht viel übrig. Dafür gibts außer viel Action schöne Menschen in schönen Kostümen an noch schöneren Schauplätzen.

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Eine Landkarte von Europa im 17. Jahrhundert, der Off-Erzähler klärt uns kurz über die geschichtliche und politische Situation auf. Dann fliegt die Kamera aus der Vogelperspektive auf Frankreich zu, vorbei an reglosen Zinnsoldaten bis hin zu einem Modell vom Hof des französischen Königs. Im Verlauf des Films werden die verschiedenen Schauplätze – Venedig, Paris, London – immer wieder aus großer Höhe gezeigt: wie winzige, aber sehr detailgenaue Modelle der Welt. Diese Welt wird scheinbar zum Leben erweckt, wenn sich etwa winzige Schiffe plötzlich aus einem Standbild heraus in Bewegung setzen.

Nachdem Paul W.S. Anderson vor allem Computerspiele wie Mortal Combat (1995) und Resident Evil (2002) inklusive einiger Fortsetzungen auf der Leinwand zum Leben erweckte, wagt er sich jetzt an einen historischen Stoff. Kaum eine Geschichte ist so oft verfilmt worden wie Die drei Musketiere (Les Trois Mousquetaires, 1844) von Alexandre Dumas und Auguste Maquet, und es wäre sicher nicht nur für die Filmforschung spannend zu sehen, wie sich der Stoff im Laufe der Jahre verändert hat. Jetzt will Anderson den Stoff fit machen fürs 21. Jahrhundert, und wie zu erwarten, setzt er dabei auf spektakuläre Stunts, neueste 3D-Technik und eine modernisierte Story. Deren Botschaft an das junge Publikum, das nach Meinung von Produzent Kulzer zu viel zu Hause vorm Computer sitzt, soll lauten: „Geht raus! Die Welt wartet auf euch! Nehmt sie und findet euer Glück!“

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Jene modernisierte Story sieht dann so aus: D’Artagnan (Logan Lerman) bekommt beim Abschied vom Vater folgende Worte mit auf den Weg: „Geh raus, mach Fehler, lebe und liebe! Und vergiss nie, dass du aus der Auvergne stammst.“ In Paris trifft der junge Held auf die drei Musketiere Athos (Matthew Macfadyen), Pothos (Ray Stevenson), Aramis (Luke Evans), die sich zunächst als desillusionierte, abgehalfterte Trunkenbolde herausstellen. D’Artagnan bringt mit seinem jugendlichen Elan neue Kampfeslust in die Runde und macht sich sogar beim infantilen König Louis XIII. beliebt.

Nachdem alle Musketiere von dem sehr auf Chic bedachten König neu eingekleidet worden sind, ein Stilmix zwischen Musketier des 17. und Rockstar des 21. Jahrhunderts, gibt es auch eine neue Herausforderung: die Juwelen zurückzubringen, die die intrigante M’lady De Winter (Milla Jovovich) gestohlen hat. Zu den Bösen gehören außer M’lady der Kardinal Richelieu (Christoph Waltz), sein Handlanger Rochefort (Mads Mikkelsen) sowie der Herzog von Buckingham (Orlando Bloom). Spätestens wenn der mit einem Luftschiff in Paris landet und den König mit „Entzückender Aufzug! So retro!“ begrüßt, wird die Frage, wie viel Respekt Anderson vor der literarischen Vorlage hat, albern.

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Bleibt aber noch die Frage, wofür lohnt es sich zu kämpfen in der modernisierten Story? Die Antwort gibt Athos, als D’Artagnan sich zwischen seiner angebeteten Constance (Gabriella Wilde) und den Juwelen entscheiden muss: „Kämpfe für die Liebe. Frankreich sorgt für sich selbst!“ Oder geht es einfach um die pure Lust am Kämpfen? „Jungs bleiben eben Jungs“, wie Louis XIII. amüsiert beobachtet, nachdem die Musketiere gerade die Kardinalsgarde vermöbelt haben. Und so kämpfen sich die vier Jungs von Schlacht zu Schlacht, getragen von der dünnen Story und einem nie verstummenden bombastischen Soundtrack.

Anderson lässt seine Helden und Heldinnen in Zeitlupe durch die Lüfte schweben, während eine entfesselte Kamera um sie herumsaust. M’lady de Winter hat als moderne Frau keine Scheu, sich die sperrigen Kostüme vom Leib zu reißen, um sich in Strapsen vom Dach des Louvres abzuseilen. Die Actionspezialisten setzen nicht nur die Gesetze der Schwerkraft außer Kraft – Schiffe durch Luftschiffe zu ersetzen ist da nur konsequent –, sondern lassen Kanonenkugeln, Degenspitzen oder Kirchtürme bis kurz vor die Nase des Zuschauers fliegen. Zwar kann die 3D-Technik über fehlende psychologische Tiefe nicht hinwegtäuschen, lässt aber die Kostüme und Schauplätze, gedreht in echten Schlössern in Bayern und am Computer nachbearbeitet, so plastisch in den Vordergrund treten, dass die schablonenhaften Charaktere und die dünne Story zur Nebensache werden.

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„Weißt du, was dein Problem ist? Du hast zu viele Bücher gelesen: Mut, Helden, Tapferkeit … Aber Geschichte wird von Siegern geschrieben und nicht von Helden“, meint Rochefort zu D’Artagnan. Um den Platz von Andersons Version des Dumas-Stoffes in der Filmgeschichte scheint es demnach so oder so schlecht bestellt.

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Kommentare


Franzi

Große Enttäuschung! Schlechte Schauspieler (einzig und allein Orlando Bloom überzeugt), schlechte Story, Widersprüche und Unklarheiten noch und nöcher. Kein Charakter wird wirklich vorgestellt, man erfährt über diese nichts. Keine Ernsthaftigkeit, gleichzeitig nur flache Witze. Unglaublich vorhersehbar. Schade um die urspüngliche Geschichte!!


Chichi

Der Ansatz war nicht schlecht, aber einfach falsch umgesetzt. Die Idee einen Klassiker wie die drei Musketiere in die moderne zu versetzten ist gut, aber birgt einige Gefahren. Und dieser Filme ist genau in die Gefahr gelaufen. Das schlimmste an diesem Film war Milady! Wie konnte man nur aus ihr eine flache Actionheldin machen? Und Millas Schauspielerische Leistung war einfach voll kommen grauenhaft. Für mich die schlechteste Schauspielerin im ganzen Film!






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