Die Brücke nach Terabithia

Fälschlicherweise als actionlastiges Fantasy-Abenteuer für ein junges Kinopublikum vermarktet, überzeugt Die Brücke nach Terabithia mit seiner ernsthaften Annäherung an die kindliche Gefühlswelt.

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Welche stilgebende und wirtschaftliche Bedeutung von Peter Jacksons Saga Der Herr der Ringe (The Lord of the Rings, 2001-2003) für das moderne Kino ausgeht, zeigt ein Blick auf einige der Verfilmungen berühmter Kinder- und Jugendbücher in den vergangenen Jahren. Erst der Erfolg der Tolkien-Adaption ließ einst als unverfilmbar geltende Projekte wie Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia (The Chronicles of Narnia: The Lion, the Witch and the Wardrobe, 2005) und Eragon - Das Vermächtnis der Drachenreiter (Eragon, 2006) Realität werden. Die Studios erkannten, dass mit dieser Art von epischer Familienunterhaltung das immense Budget in dreistelliger Millionenhöhe auch tatsächlich wieder mehr als eingespielt werden kann. Darüber hinaus eröffneten Jacksons Trick-Spezialisten von Weta Workshop in technischer Hinsicht das Tor zu einem neuen, reichhaltigeren Fundus an inszenatorischen Möglichkeiten.

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Die auf einem Roman der amerikanischen Schriftstellerin Katherine Paterson basierende Jugendbuch-Verfilmung Die Brücke nach Terabithia (Bridge to Terabithia) ist gleich auf mehrere Arten mit dem Universum der Narnia- und Ringe-Filme verbunden. Für die Produktion zeichnete wie schon bei Narnia die Mannschaft von Walden Media verantwortlich, die Effekte stammen aus dem Hause Weta. Der Name Terabithia verweist zudem auf eine ähnlich klingende Insel namens Terabinthia, die in zwei Narnia-Bänden kurz erwähnt wird.

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In Die Brücke nach Terabithia wird die Geschichte des von seinen Mitschülern verspotteten Jess (Josh Hutcherson) erzählt, der sich nur im Schulsport so etwas wie Selbstbewusstsein antrainieren kann. Doch das hat ein Ende, als Leslie (Anna Sophia Robb) in sein Leben tritt. Sie rennt nicht nur schneller, sie zeigt auch den Mut und die Stärke, die ihm bislang immer fehlte. Die beiden Außenseiter freunden sich schnell an. Jess ist besonders fasziniert von Leslies Ideenreichtum und überschäumender Phantasie. Gemeinsam erschaffen sie während ihrer Ausflüge in den angrenzenden Wald die Idee eines eigenen Königreiches, welches sie auf den Namen Terabithia taufen. Dort leben nicht nur seltsame Kreaturen und Fabelwesen, es ist zugleich auch der Ort, an dem sie Zuflucht suchen, wenn die Konflikte zuhause oder in der Schule drohen, wieder einmal Überhand zu nehmen.

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Jess’ und Leslies Terabithia wird einerseits als Ausdruck eines naiven Eskapismus wahrgenommen, andererseits aber nicht strikt von der übrigen Welt abgeschnitten, wie es in Narnia über den in einem Schrank versteckten Zugang geschieht. Eher beiläufig schleichen sich phantastische Elemente in die Handlung ein. Erst sind es Jess’ Zeichnungen, später dann sollen mittels Tricktechnik die Illusionen des titelgebenden Übergangs in das Surreale und Märchenhafte entstehen. Allerdings fällt den Kreativen offenkundig nicht mehr ein, als das Königreich Terabithia in ein verkitschtes Postkartenlicht zu tauchen, das der aseptischen Disneyland-Romantik recht nahe kommt und das bereits im actionlastigen Trailer zur Genüge Verwendung fand. Die Filmvorschau suggeriert ein weiteres Fantasy-Abenteuer im Narnia-Stil, doch tatsächlich stellen die Fantasy-Elemente nur einen – eigentlich sogar untergeordneten – Aspekt der Geschichte dar. Die Gemeinsamkeiten mit Die Chroniken von Narnia finden sich eher auf der eingangs beschriebenen produktionstechnischen Seite.

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Stattdessen konzentrieren sich Regisseur Gabor Csupo und seine Drehbuchautoren weniger auf die Schauwerte sondern auf die sehr detailliert ausgearbeiteten Charaktere. Jess und Leslie entwickeln nicht nur eine sehr intensive und innige Beziehung zueinander, auch der Zuschauer kann sich mit den Schicksalen der beiden leicht identifizieren. Dabei hilft, dass sie zwar Außenseiter sind, aber keine sonderbaren Freaks. Beide beschäftigen dieselben Probleme, die auch andere Jugendliche in ihrem Alter sehr gut kennen und nachempfinden können. Jess’ ambivalentes Verhältnis zu seinem Vater (Robert Patrick) zeichnet Csupo mit unausgesprochenen Andeutungen und subtilen Blicken nach, Leslie muss sich wiederum mit einer tyrannischen Mitschülerin auseinandersetzen. Auch ein Konflikt, der anders ausgehen wird, als zunächst vermutet. Insgesamt gilt: Wer die Vorlage nicht kennt, dürfte ohnehin von dem Fortgang der Geschichte eiskalt erwischt werden. So führt der Film die einzelnen Handlungsfäden mitsamt der Phantasie-Welt Terabithia in eine Auflösung, die in ihrer Ernsthaftigkeit und emotionalen Komplexität überrascht. Terabithia beschäftigt sich mit unbequemen Themen wie dem Verlust eines Familienmitglieds, die ansonsten aus vergleichbaren Produktionen nur zu gerne ausgeklammert werden. Der Film nimmt sich ausreichend Zeit, um die Gefühlswelt seiner jungen Protagonisten zu erkunden, in Momenten eines scheinbar unzerstörbaren Glücks ebenso wie in den für sie bislang schwersten Stunden.

Csupo unternimmt dabei zu keiner Zeit den Versuch, sich über seine Charaktere und deren innere Konflikte zu erheben. Es ist nicht die Perspektive eines allwissenden Erwachsenen, die er und die Kamera einnehmen. Ähnlich wie Rob Reiners superbes Coming-of-Age-Drama Stand by Me (1986) punktet Terabithia damit, dass er sich Jess und Leslie auf Augenhöhe nähert. Auch dank seiner hervorragenden Jung-Darsteller, die mit ihrer Natürlichkeit zu überzeugen wissen, haucht Csupos Werk dem oftmals von Wertkonservatismus und Heile-Welt-Idylle durchzogenen Genre des Familienfilms neue Vitalität ein. Eine Frischzellenkur für Herz und Hirn und alle Altersklassen.

Kommentare


Julia

ich finde den film cool und die
schauspieler überzeugend.Die szene, in der es um "Himmel oder Hölle" geht, hätte vertieft werden müssen.
Der Kinobesuch hat sich für mich voll gelohnt und ich empfehle den film auf jeden fall weiter


Kratos

Ich habe den Film eigentlich nur durch zufall gesehen. Oder vielmehr den Trailer dazu. nämlich auf dem PC eines Freundes. und danach nie wieder. Aufgrund dieses Trailers habe ich mich spontan entschieden den Film noch am selben Tag zu gucken. Mekwürdigerweiße wurden meine Erwartungen in gleichem Maße enttäuscht wie übertroffen. Da der Trailer wie schon in der Kritik erwähnt eher an Narnia erinnert, ging ich auch mit dem Galuben daran genau solch einen Film zu sehen. In diesem Punkt wurden meiner Erwartungen zurück geworfen. Doch in einem anderen Punkt wurden sie weit übertroffen. Die emotionale Entwicklung der Characktere war einfach süperb. Das Problem ist nur leider die einordnung des Films. Legt man ihn nun eher Menschen ans Herz die auf Filme a la Harry Potter usw aus sind, oder doch lieber Menschen die einen Film sehen möchten in dem reale Probleme dargestellt werden. In beiden Fällen würde ich beführchten die Personen denen ich den Film empfolen hab würden mir hinterher eine schallende Ohrfeige verpassen und meinen bisher doch recht gefragten Rat nicht mehr für zukünftige Filme einholen. Daher möchte ich jedem der dies ließt raten: Freut euch auf einen spanenden Film,erwartet nicht zu viel Fantasy, und seid auf eine gewisse Portion realitätsnaher Probleme gefasst.


Lisii

Ich habe das Buch gelesen und fand es soo toLL =) Der Film muss echt gut sein =)


daniel soto

ja das film ist sehr cool und auch sehr traurig


Sabrina

Ich fand den Anfang schön aber dann musste ich nur noch weinen.






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