Die Brautjungfer

Zwischen Philippe (Benoit Magimel) und Senta (Laura Smet) entsteht in kürzester Zeit eine intensive, gar mystische Liebesbeziehung. Claude Chabrol inszeniert sie in einem Spiel mit den Konventionen der Komödie und des Thrillers, schafft damit aber kaum mehr als ein Übergangswerk.

Die Brautjungfer

Das Aushängeschild eines Films sind seit der Erfindung des Star-Systems in Hollywood meist die, die man in Großaufnahme sieht: Die Schauspieler. Manche wenige Regisseure haben eine ähnliche Kraft, Zuschauer allein durch ihren Namen ins Kino zu locken. Handelt es sich bei einem solchen „Autor“ um einen zwar in der Erinnerung noch renommierten aber in der Gegenwart etwas weniger präsenten Regisseur, wie im Falle von Die Brautjungfer (La demoiselle d’honneur), dann sind zwar häufig mehr die Kritiker als das große Publikum auf das Ergebnis gespannt, doch auch Letzteres erwehrt sich nicht einer bestimmten Erwartungshaltung.

Claude Chabrols Die Brautjungfer zeigt den angepassten Philippe (Benoit Magimel) und die widerspenstige Senta (Laura Smet), die eine unglaubliche behauptete gezeigte und bewiesene aber fundamentlose Liebe verbindet. Sie bleibt ihr Geheimnis, weil sie nur sie beide etwas angeht. Sie ist so stark, dass alles möglich ist. Jemand muss sterben, sagt die Geschichten erfindende Senta, um dem anderen die Liebe zu beweisen. Der Beweis wird erbracht.

Die Brautjungfer

Chabrols Werk im Hinterkopf, kommt gleich zu Anfang ein Zweifel auf. Wo ist sein Gefühl dafür, wann eine Szene zu Ende ist, hat er verlernt von einem Ort zum anderen zu gelangen? In den unnötig erscheinenden Szenenüberleitungen fällt besonders auf, wie die stereotypen Figuren die Komödie in Die Brautjungfer unterstützen aber vor allem untergraben. Schnell wird zwar klar, dass sie zu Chabrols Spiel mit den Genrekonventionen genauso gehören, wie die ausgeworfenen - gar ausgestellten – Köder des Thrillers. Doch sein Spiel mit filmischen Elementen, für das der Einsatz einer Statue als Fetischobjekt beispielhaft ist, führt, wie letztlich der ganze Film, nirgends hin. An diesem Punkt angelangt - der Film vorüber – muss sich auch der aufmerksame Zuschauer eingestehen, Chabrol gelingt es mit unserer Erwartungshaltung zu spielen. Denn hinter der Leichtigkeit und Oberflächlichkeit des größtenteils vergnüglichen Filmes verbirgt sich nichts: Die Geschichte wird der Geschichte wegen wiedergegeben.

Die Brautjungfer

Chabrol gibt sich anscheinend einer Übung hin und setzt mit der Brautjungfer den - zugegeben äußerst interessanten - Basisplot von Ruth Rendells Roman The Bridesmaid (1990) in Verbindung mit dem für sie typischen Spiel mit den Konventionen um. Die Frage warum sich Chabrol nach Biester (La Cérémonie, 1995) zum zweiten Mal einem Roman von Rendell angenommen hat, stellt sich im Falle von Die Brautjungfer umso dringlicher, wenn man weiß, dass die Adaption von Pierre Leccia und Claude Chabrol in entscheidenden Punkten vom Roman abweicht. Sowohl die Art und Dauer der Beziehung von Senta und Philippe als auch die Funktion der zentral erscheinenden Statue haben sie deutlich verändert. In dem sich über ein Jahr erstreckenden Buch beschreibt Rendell die Liebesbeziehung als sehr sexuell. Der Film vermeidet absichtlich die starke Sexualisierung und erstreckt sich über eine viel kürzere Zeit. Die Funktion der Statue ist im Buch auch dramatischer Natur. Im Film nimmt sie eigentlich kaum mehr als die Rolle eines Fetischobjekts für das Muttersöhnchen Philippe ein. Die Straffung und Vereinfachung ist zwar dem Medium möglicherweise angemessen, doch ergibt sich durch sie auch das zentrale Problem, einer an einigen Stellen als unglaubwürdiges Konstrukt erscheinenden Beziehung und damit letztlich ein oberflächlicher Film.

In dem Rhythmus, in dem Chabrol Filme herstellt, kann nicht jeder Film ein vollendetes Kunstwerk werden, doch mit der Routine, die er nach über 60 Filmen hier an den Tag legt, würde ihm ein konventioneller Unterhaltungsfilm problemloser gelingen. Seine Schauspielerführung ist ihm im Gegenzug hoch anzurechnen, die großartige Leistung seiner Hauptdarsteller macht die Probleme des Drehbuchs mehr als wett. Selbst in der haarsträubenden Synchronfassung sind Laura Smet und Benoit Magimel noch so überzeugend, dass der Kinobesuch schon allein ihretwegen lohnt.

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