Dick und Jane – Zu allem bereit, zu nichts zu gebrauchen

Jim Carrey und Téa Leoni spielen ein Ehepaar, das, plötzlich arbeitslos geworden, die Widrigkeiten der kapitalistischen Gesellschaft zu spüren bekommt. Mit Witz und guten Schauspielern inszeniert Dean Parisot dieses Remake aus den 70er Jahren.

Dick und Jane

Dick (Jim Carrey) und Jane (Téa Leoni) haben ein nettes Reihenhaus, in dem sie mit ihrem Sohn Billy und der mexikanischen Haushälterin Blanca leben. Jane arbeitet in einem Reisebüro, Dick bei der Firma Globodyne. Als er dort zum Vizepräsidenten ernannt wird, kündigt Jane, um mehr Zeit mit Billy verbringen zu können. Doch dann muss Dick im Fernsehen ein Live-Interview geben, indem er damit konfrontiert wird, dass Firmenchef Jack McCallister (Alec Baldwin) sämtliche Globodyne-Anteile verkauft hat und das Unternehmen ruiniert ist. Dick fehlen die Worte, Globodyne bricht zusammen, alle Mitarbeiter verlieren ihre Jobs. Einzig McCallister macht sich mit 400 Millionen aus dem Staub. Was folgt ist Dick und Janes finanzieller und sozialer Abstieg und ihr nicht immer ganz legaler Wiederaufstieg.

Regisseur Dean Parisot, der 1999 äußerst erfolgreich die Science-Fiction-Satire Galaxy Quest – Planlos durchs Weltall inszenierte, gelingt mit Dick und Jane – Zu allem bereit, zu nichts zu gebrauchen (Fun with Dick and Jane) eine teilweise treffende Neuauflage der Komödie aus dem Jahr 1977. Ted Kotcheff schickte in Das Geld liegt auf der Straße (Fun with Dick and Jane) Jane Fonda und George Segal in den Kampf um Existenz und Ruf. Ihre Rollen übernehmen nun der vielgesichtige Jim Carrey und die dem Maskenschneider absolut ebenbürtige Téa Leoni, die zuletzt in Spanglish (2004) ihr komödiantisches Talent bewies.

Dick und Jane

Die politische und soziale Landschaft der siebziger Jahre unterscheidet sich natürlich von der konservativen, auf persönlichen Erfolg abzielenden Atmosphäre des Bush-Amerikas. Bei Parisot wohnen Dick und Jane in einem perfekten Reihenhaus der oberen Mittelklasse, für die Nachbarn ist das nächstbeste Objekt der Begierde ein deutsches Luxusklassenauto, das auf Sprachbefehle reagiert. Der Vorgartenrasen wird millimetergenau ausgelegt, ein Plasmafernseher ziert das Wohnzimmer. Der Verlust dieser Statussymbole ist schmerzhaft, deren Wiedererlangung das einzige Ziel des Paares. Um sozialistischen Klassenkampf gegen die kapitalistischen Ausbeuter geht es den beiden zunächst eher weniger. So werden Dick und Jane also aus Angst vor Verlust der gesellschaftlichen Stellung zu Dieben und Bankräubern. Wollten ihre Vorgänger aus den Siebzigern damit noch auf die ungerechte einseitige Verteilung der finanziellen Lasten des Zusammenbruchs der Firma aufmerksam machen, so werden die Beutezüge bei Parisot nur noch zu lustigen Happenings degradiert: Mal mit Skimaske, mal als Sonny und Cher, immer freundlich erleichtern Dick und Jane Geschäfte um ihr Geld und manchmal auch um zwei Milchkaffees und einen Halbfett-Muffin.

Rasant inszeniert Dean Parisot den ersten Teil von Dick und Jane, der vor allem von der Übertreibung lebt – zum Beispiel wenn Dick, um seine Frau aufzumuntern, Quadrate aus den Rasenflächen der anderen Vorgärten schneidet, um sie im eigenen als eine Art Flickenteppich auszulegen. In seiner Mischung aus Slapstick, Farce und der exzentrischen Überzeichnung der Charaktere erinnert Dick und Jane an die Screwballkomödien der 30er Jahre, sei es Leoparden küsst man nicht (Bringing Up Baby, 1938) oder Mein Mann Godfried (My man Godfrey, 1936), auch wenn diese thematisch andere Lebensbereiche betrafen und die Hauptperson – im Gegensatz zu dem ständig umher springenden Carrey – häufig der Ruhepol der Erzählung war. Meist ging es in ihnen um die Bestätigung der Institution Ehe und klassischer Rollenmodelle. Auch Parisot spielt damit, lässt er doch die erfolgreiche Jane, nicht zuletzt auf sanften Druck ihres Mannes, den Job aufgeben und fortan unablässig an seiner Seite sein. Allerdings macht Parisot auch klar: ohne Jane würde der Wiederaufstieg gar nicht funktionieren, denn selbst zum Ausrauben eines dubiosen neonfarben beleuchteten Geschäfts mit offensichtlich Drogen konsumierendem Inhaber ist Dick nicht taff genug.

Dick und Jane

Als Dick und Jane sich dann mühsam den alten Lebensstandard wiedererarbeitet haben, entwickeln die beiden schließlich doch ein politisch-soziales Bewusstsein und treten aus ihrer heimeligen Nachbarschaftswelt hinaus, um gegen den bösen McCallister anzutreten. Parisot peppt den Schluss mit Krimielementen auf, Dick darf über McCallister triumphieren und alle sind glücklich. Leider wirkt das Ende, verglichen mit den durchaus provokanten Kommentaren zur sozialen Situation Amerikas, etwas zu nett. Eben noch wird Dick fälschlicherweise mit illegalen Bauarbeitern nach Mexiko abgeschoben, doch schon wenig später sehen wir die Kleinfamilie im Mittelklassewagen friedlich an der Strandpromenade vorbeifahren. Dort in der Mittelklasse, im privaten Glück, suggeriert Dean Parisot, liegt die Lösung.

Dies scheint allerdings ein wenig zu versöhnlich und nett, angesichts der Tatsache, dass die Dicks und Janes dieser Welt, deren Existenzen aufgrund der Zusammenbrüche von Großkonzerten ruiniert wurden, wohl selten die Chance haben, der korrupten Konzernchefs in solch ausgleichender Weise habhaft zu werden. Dennoch ist Parisots Film eine sehenswerte, über weite Strecken intelligente und treffende Komödie mit guten Darstellern, die unterhält und deren sozialpolitische Kritik durchaus aktuell ist.

Trailer zu „Dick und Jane – Zu allem bereit, zu nichts zu gebrauchen“


Trailer ansehen (1)

Kommentare

Es gibt bisher noch keine Kommentare.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.