Dialog mit meinem Gärtner

In seinem ehemaligen Elternhaus auf dem Land freundet sich ein Pariser Künstler mit seinem Gärtner an. Jean Becker zeichnet in der Konfrontation zweier ungleicher Männer ein gefühlsseliges Drama mit komischen Untertönen.

Dialog mit meinem Gärtner

Die Konfrontation zwischen dem intellektuellen Künstler und dem gutherzigen Proletarier ist ein sehr fruchtbares Thema und hat die Geschichte zu so wunderbaren Filmen ergeben wie Der Postmann (Il Postino, 1995) und nicht zuletzt Alexis Sorbas (Zorba, The Greek, 1964). In ersterem entdeckt ein einfacher Mann aus dem Volk im Umgang mit dem exilierten chilenischen Dichter Pablo Neruda seine Sensibilität für Poesie, in letzterem stellt ein gerissener und lebenshungriger Bergwerksarbeiter die rationalistische Weltordnung eines jungen Schriftstellers auf den Kopf.

Jean Beckers Dialog mit meinem Gärtner (Dialogue avec mon jardinier, 2007) dekliniert das Thema zu einem komisch-rührseligen Melodrama. Ein Pariser Maler und Kunstdozent (Daniel Auteuil) kehrt in sein Heimatdorf zurück, um das Elternhaus zu renovieren. Weil auch der Gemüsegarten neu angelegt werden soll, engagiert er einen pensionierten Eisenbahner und Hobbygärtner (Jean-Pierre Darroussin) - der zufällig sein alter Volksschulkamerad ist. Gegensätzlicher können die beiden Mittfünfziger kaum sein: kosmopolitisch, eloquent und gebildet der eine, ländlich, bescheiden und bodenständig der andere. Was zu Beginn ein höflich-freundlicher Umgangston zwischen zwei entfernt Bekannten ist, entwickelt sich schnell zu einer intimen Männerfreundschaft, in der über das Wachstum der Kürbisse und andere Banalitäten gefachsimpelt, sowie über große Themen wie Liebe und Tod philosophiert wird.

Dialog mit meinem Gärtner

Der Maler hadert mit seinem Leben und seinem Metier, das er mit mäßigem künstlerischen Talent betreibt. Vielleicht deshalb ist er so schnell von der Lebensphilosophie seines Gesprächspartners fasziniert. Natürlich versteht dieser nichts von der Arbeit seines Schulfreundes, dafür weiß er im Voraus, ob es regnen wird und was eine gute Sense ausmacht. Der Gärtner verkörpert das ländliche, einfache Frankreich, das in guten alten Traditionen und vorgefertigten Weltanschauungen lebt. Geradezu karikaturhaft überspitzt ist die Konfrontation zwischen dem gesunden Menschenverstand des Proletariers und dem intellektuellen – im Grunde leeren – Alltagsgeschäft des Pariser Künstler. Den stereotypen Gegensatz der Figuren fächert die Geschichte in eine Abfolge entsprechend klischeehafter Peripetien auf. Der Film lässt keinen Zweifel, welcher der beiden Schulkameraden das „richtige“ Leben gelebt hat.

Stilistisch verkörpert Becker, was man eine moderne Form der „Tradition der Qualität“ nennen könnte, dieser das französische Nachkriegskino prägenden Erzählform, die das Visuelle ganz in den Dienst literarisch geschliffener Dialoge stellte. Die technisch sauber gefilmten Bilder hinterlassen keinen bleibenden Eindruck – weder im Positiven wie im Negativen. Nur manch farbenprächtige Einstellung des Gemüsegartens wirkt, als hätte sie als Vorlage gedient für ein Stilleben des Malers. In Beckers Film steckt die eigentliche Arbeit in den Dialogen, an denen auch der Regisseur mitwirkte. Zugegeben, wenn der Gärtner bisweilen in leeren Formeln philosophiert, wirken manche Bonmots einfach geistlos. Alles in allem sind die Dialoge aber amüsant und kurzweilig. Das liegt nicht zuletzt an dem überzeugenden Schauspielerduo. Insbesondere Jean-Pierre Darroussin fasziniert einmal mehr durch die umwerfende Natürlichkeit und Intensität seines Spiels. Die Rolle des Gärtners ist ihm, dem meisterlichen Interpreten treuherziger und leicht melancholischer Figuren, geradezu auf den Leib geschrieben.

Dialog mit meinem Gärtner

Dialog mit meinem Gärtner führt eine Reihe nostalgisch verklärter und humanistisch genährter Melodramen fort, die Jean Becker seit Ein Sommer auf dem Lande (Les Enfants du Marais, 1999) geschaffen hat. Aufgrund seiner grandiosen Schauspieler und überwiegend treffenden Dialoge ist er vielleicht auch das gelungenste. Die französische Filmkritik hat den Sohn des großen Jacques Becker meistens mit Missgunst gestraft. Bei Beckers Publikum kam die volkstümelnde Wohligkeit seiner Filme dafür immer schon sehr gut an - in Frankreich steht sein Name für den garantierten Box-Office-Erfolg. Auch bei Dialog mit meinem Gärtner kann der Kritiker hadern, die allzu karikaturhafte Konfrontation der Figuren bemängeln, sich an der impliziten reaktionären Ideologie und der undifferenzierten Überhöhung des „einfachen Lebens“ stören. Wenn man das alles beiseite legt und sich von den Gesprächen der Figuren gefangen nehmen lässt, kann man jedoch mit zwei der besten französischen Darsteller unserer Zeit einen unterhaltsamen Moment verbringen.

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Kommentare


Martin Z.

Der Titel ist Inhaltsangabe. Viel mehr passiert auch nicht in der Männerfreundschaft zweier älterer Herren. Der eine (Daniel Auteuil) ist Künstler, genannt ’Pinselhuber’, der andere(Jean-Pierre Durrousin) pensionierter Bahnangestellter und Hobbygärtner, genannt ’Gartenbauer’. Schön anzuschauen, aber auf die Dauer etwas langatmig. (100 Minuten!). Es sollen wohl die gegensätzlichen Charaktere sein, die den Film tragen: ein schlichter, pragmatischer Arbeiter und der Intellektuelle, der um Form und Farbe ringt. Die beiden Hauptdarsteller überzeugen zwar schon, aber so recht unterhaltsam wird es nicht. Selbst der Abstecher in Amors Reich oder die plötzlich auftauchende Tochter sind nicht wirklich der Bringer. Es ist nicht ärgerlich den Film anzuschauen, man darf nur nichts erwarten.






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