Cloud Atlas

Lana und Andy Wachowski haben gemeinsam mit Tom Tykwer einen Film gedreht, der mit Superlativen nicht geizt.

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Man braucht einen oder zwei Momente, bis einem klar wird, dass das da Tom Hanks ist auf der Leinwand: ein alter Mann am Lagerfeuer, ein Gesicht versteckt hinter der Geschicklichkeit von Maskenbildnern. Nachdem er ein paar Sätze gesprochen hat, dreht der Alte sein Antlitz und hält eine riesige Narbe, die quer über seine Wange läuft, in die Kamera.

So beginnt Cloud Atlas, die von den Wachowski-Geschwistern (Matrix Teil 1-3, 1999-2003, Speed Racer, 2008) und Tom Tykwer (Lola rennt, 1998, Das Parfum, 2006) gedrehte, zweidreiviertel Stunden lange Verfilmung des gleichnamigen Romans von David Mitchell. Beide Besonderheiten dieser Szene pflanzen sich über den ganzen Film fort: das eigene Bemühen, bekannte Schauspieler hinter ihren Masken zu erkennen, und das Bestreben des Films, sein Publikum mit visuellen Hinweisen bei der Stange zu halten: Seht her, das hier ist jetzt wichtig! Das alte Gesicht und die Narbe tauchen ganz am Schluss prominent wieder auf und schließen einen Kreis, der sechs Geschichten und fünfhundert Jahre sowie eine Unzahl an Figuren und Motiven umfasst. Damit all dies sich zusammenfügt, wird ein schier endloses Geflecht von Verweisen und Match Cuts gespannt, das in seinem Einfallsreichtum beeindruckend ist, dem Film aber auch etwas Bemühtes gibt; man sieht ihm die Anstrengung an, ohne die das Gerüst in einzelne Teile zerfallen würde. Cloud Atlas ist ein Film voller winkender Zaunpfähle.

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Die wichtigsten Zaunpfähle sind dabei die Schauspieler, die in jeder Geschichte neue Rollen übernehmen (bei Hanks und Halle Berry sind es sechs, ebenso bei Hugh Grant und dem als Agent Smith der Matrix-Filme bekannten Hugo Weaving. Andere, wie zum Beispiel Susan Sarandon, tauchen nur in einigen, nicht in allen Episoden auf). In der ersten Episode, die im 19. Jahrhundert spielt, reist der amerikanische Anwalt Adam Ewing (Jim Sturgess) auf einem Schiff durch den Pazifik, freundet sich mit einem Sklaven an, wird von einem bösartigen Arzt (Hanks) vergiftet und im letzten Moment gerettet. Die zweite handelt von einem jungen bisexuellen Komponisten in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts namens Robert Frobisher (Ben Wishaw). In den 70er Jahren recherchiert Halle Berry als Journalistin Luisa Rey über die Machenschaften der Atomindustrie. Heute, 2012, gerät der Verleger Timothy Cavendish (Jim Broadbent) in eine groteske Geschichte aus dem Kriminellenmilieu und landet in einem teuflischen Altersheim. Dann geht es in die Zukunft: Im dystopischen Neo-Seoul des Jahres 2144 wird eine geklonte Kellnerin (Doona Bae) zur Freiheitskämpferin, und in der postapokalyptischen Welt von 2346 geht es um einen Ziegenhirten (der Tom Hanks vom Anfang) sowie um nichts weniger als einen Neuanfang für die Menschheit. Im Buch ist die Abfolge dieser Geschichten einer strengen, gespiegelten Ordnung unterworfen. Im Film werden sie wild durcheinander erzählt, in sich zwar chronologisch, als Ganzes jedoch hin- und herwechselnd zwischen Zeiten und Orten, manchmal schon nach sehr kurzen Szenen, wie in einem Kaleidoskop, das sich unaufhörlich dreht und einzelne Stücke ineinander fallen lässt.

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Die Andeutung von Reinkarnation („Unser Leben gehört nicht uns. Wir sind mit anderen verbunden“, lautet einer der zentralen Sätze) durch dieselben Schauspieler in unterschiedlichen Rollen über die Zeiten hinweg darzustellen, ist natürlich eine naheliegende Idee. Da die Figuren nicht nur Frisur und Alter wechseln, sondern auch Hautfarbe und Geschlecht, taugen sie ohne weiteres als Allegorie auf alles Mögliche, irgendwo zwischen Esoterik und Antifa. Der vorteilhafte Nebeneffekt dieser Konstellation ist, dass man so sehr damit beschäftigt ist, Tom Hanks oder Halle Berry wiederzuerkennen, dass die lange Spielzeit des Films schneller vergeht, als man bei einem dermaßen mit Ambition überladenen Projekt denken würde.

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Die Wachowskis und Tykwer, die gemeinsam auch das Drehbuch verfasst haben, ziehen in jeder Hinsicht alle Register. Cloud Atlas sucht stets nach dem überwältigenden Bild, immer nach dem dramatischen Moment, der großen Emotion: der Kameraflug über die Art von Landschaft, die man gemeinhin „majestätisch“ nennt, der langsame Zoom auf zwei Augenpaare im Gegenschnitt, die Kamera, die sich zur Zimmerdecke aufschwingt, um aus der Gottesperspektive den toten Selbstmörder in der Badewanne und seinen verzweifelten Geliebten zeigen zu können. Die gelungensten Episoden sind die um Halle Berrys Journalistin Luisa Rey und die Komödie um den von der Halbwelt verfolgten Verleger im Altersheim (beide übrigens von Tom Tykwer inszeniert, der außerdem die Geschichte um den Komponisten Frobisher übernommen hat.).

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Diese beiden Stränge schaffen es am besten, einen eigenen, genrespezifischen Tonfall anzuschlagen und damit der sprachlichen Vielfalt der Romanvorlage zu entsprechen: Einerseits der 70er-Jahre Konspirationsthriller in der Tradition von Die drei Tage des Condor (Three Days oft he Condor, 1975) oder Shaft (1971), andererseits die überdrehte Komödie, wie sie heutzutage üblich ist. In der Wohnung Luisa Reys gibt es eine kurze, atmosphärisch dichte Szene, in der sie und ihr schwarzer Mitstreiter schweigend in ihrer Wohnung sitzen und rauchen – eine Gelassenheit, die das Kino inzwischen längst verloren hat. Ebenso gelungen, aber im Gegensatz dazu mit den Stilmitteln Geschwindigkeit und Lautstärke, wird Timothy Cavendish auf einer Verlagsparty Zeuge eines grotesken Schriftsteller-Auftritts (schon wieder Tom Hanks!) mit Todesfall und schaut fortan stets dermaßen verwirrt und zerzaust in die Welt, dass die Wendung zum dann folgenden tragikomischen Geriatrieklamauk fast schon zwingend ist.

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Die anderen Stücke sind da weniger konsequent und bebildern schlicht die Texte unterschiedlicher literarischer Genres: Die zynisch-eleganten Briefe Robert Frobishers, der nüchterne Stil von Ewings Pazifik-Reisebericht, die Verhörsituation in Neo-Seoul und vor allem die regressive Sprache, die Romanautor Mitchell für die mündlich übermittelte Geschichte der postapokalyptischen Welt erfunden hat. Das ist eine Art Prekariatsidiom mit vielen substantivierten Adjektiven und Verben, „nee“ statt „nein“ und übersimpler Syntax. Im Buch sind all diese literarischen Formen mit großer Könnerschaft imitiert und persifliert. Ihre Umsetzungen auf der Leinwand schaffen es nur teilweise, eine originelle filmische Form dafür zu finden. Die archaische Gewalt in der sehr fernen Zukunft mutet ein wenig an wie in Mel Gibsons Apocalypto (2006), die industrialisierte Gewalt in der nicht ganz so fernen Zukunft der Science-Fiction-Episode ist eingebettet in eine Welt, für die die Wachowskis in Sachen Set Design von ihren eigenen Matrix-Filmen und von Blade Runner (1982) geborgt haben. Die unterkühlte Sprache der Neo-Seoul-Bewohner kontrastiert mit schnell geschnittenen Kämpfen und einer großen computergenerierten Verfolgungsjagd, Merkmale des Actionthrillers und somit immerhin ein deutliches Distinktionsmerkmal.

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Andererseits: Was hätte man anders machen sollen, um der kunstvollen Mimikry des Romans zu entsprechen? Die Frobisher-Geschichte aus den dreißiger Jahren in Schwarzweiß drehen? Wohl kaum. Cloud Atlas galt nicht umsonst gleich nach seinem Erscheinen als unverfilmbar. Nun ist doch ein Film daraus geworden, einer, der zugleich über- wie unterfordert, ein Hochglanzprodukt, das es auf Überwältigung anlegt, für eine übertrieben prononcierte, dennoch schwer zu greifende humanistische Botschaft.

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Es handelt sich, das sollte deutlich geworden sein, um alles andere als ein gelungenes Werk. Man langweilt sich im Kino dennoch nicht: Wegen mancher schauspielerischer Kabinettstückchen, vor allem aber, weil das über den Film gespannte Beziehungs- und Verweisnetz bei aller Aufdringlichkeit voller entdeckenswerter Details steckt. Dass Hugo Weaving stets als Vertreter der alten Ordnung erscheint, ganz so wie einst als Agent Smith – hier nun als Sklavenhalter-Patriarch, opportunistischer Komponist in Nazi-Deutschland, Auftragskiller,  als furchteinflößendes Mannweib von Krankenschwester, Bürokrat in einem totalitären System und als Teufelsgestalt, die strukturkonservative Einflüsterungen von sich gibt. Dazu gehören auch die einfallsreich gesuchten Übergänge: Hier laufen Füße über die Rah des Segelschiffs, mit dem Adam Ewing unterwegs ist, dort laufen, einen Schnitt später, andere Füße über einen als Fluchtweg genutzten Steg zwischen zwei futuristischen Hochhäusern. All das ist, wie gesagt, Zaunpfahlwink-Kino. Aber es kann durchaus Spaß machen. Und um das Spiel des Schauspieler-Erkennens zum glücklichen Abschluss zu bringen, lohnt es sich ohnehin, beim Nachspann sitzenzubleiben. Da gibt es dann nämlich die große Auflösung.

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Kommentare


Seraphina

Es ist etwas schwer den Film „Cloud Atlas“ richtig zu beschreiben. Sicherlich ist es ein Episodenfilm. Wobei die einzelnen Episoden, ineinander verschachtelt und parallel erzählt werden (d.h. die Handlung springt alle paar Minuten von einer Episode zur anderen) statt chronologisch hintereinander.

Grob gesagt geht es um verschiedene Charaktere aus verschiedenen Zeitaltern und ihren lebensverändernden (wenn nicht gar gesellschaftsverändernden) Erfahrungen.
Ein weißer Anwalt nach Abschluss eines Sklaven-Handelsvertrages auf ’nem Schiff Mitte des 19.Jahrhunderts. Ein vielversprechender, junger und schwuler Komponist bei einem ausgebrannten alten Meister kurz vor dem 2.Weltkrieg. Eine afro-amerikanische Journalistin beim Aufdecken von verbrecherischen Plänen eines Energiekonzerns in den 70-ern. Ein alternder Buchverleger in einem missständigen Pflegeheim der Gegenwart. Eine asiatische, geklonte Kellnerin in einem futuristischen Fastfood-Restaurant des 22.Jahrhunderts. Ein einfacher Ziegenhirte im postapokalyptischen, verwilderten Land hunderte Jahre in der Zukunft.
Dies klingt zwar danach, als hätten diese Personen rein gar nichts miteinander zu tun, doch das täuscht. Mal abgesehen davon, dass die Charaktere und Nebencharaktere immer wieder von den gleichen Schauspielern (in verschiedenen Kostümen und Masken) dargestellt werden, so gibt es auch Bindeglieder zwischen den einzelnen Episoden, die zwar klein sind, doch große Folgen nach sich ziehen (das kann ich jetzt nicht genauer beschreiben ohne zu spoilern).

Die Handlung ist – v.a. dank der Sprünge in der Erzählung – ziemlich komplex und etwas kompliziert. Wenn der Zuschauer den Film jedoch aufmerksam anguckt (d.h. nicht zwischendurch quatscht, aufs Klo geht oder was zu Futtern holt) und sich die Namen der Personen, Orte oder Dinge – welche mehrmals erwähnt werden – so gut wie möglich einprägt, dann dürfte es nicht allzu schwer fallen, der Handlung bzw. den Handlungsabschnitten zu folgen. Notfalls kann man sich den Film nochmal anschauen. Oder die jeweiligen Kapitel anwählen, welcher zu einer bestimmten Episode gehören und sie nacheinander angucken (wenn die DVD draußen ist). Zusätzlich kann man sich auch noch die Romanvorlage besorgen.

Anspruchsvolle Filme versuchen eine Botschaft zu vermitteln. Um welche handelt es sich hierbei? Eigentlich recht simpel. Der Kampf gegen Unterdrückung und um die (persönliche) Freiheit und das Recht auf eine Zukunft. In verschiedener Art und Weise.
Natürlich schimmert da auch ein wenig Esoterik durch, wenn von Reinkarnation und Seelenwanderung die Rede ist (auch wunderbar dargestellt durch die Mehrfachrollen der Darsteller), prophetische Träume über ferne Zukunft bzw. Vergangenheit vorkommen oder die schicksalhafte Verbundenheit der Charaktere miteinander an sich. Doch dies fügt sich letzten Endes sehr dezent in die Story ein.
Außerdem wird der jeweiligen Gesellschaft gnadenlos der Spiegel vorgehalten (z.B. in der Gegenwarts-Episode tötet ein erfolgloser Autor brutal seinen größten Kritiker in der Öffentlichkeit und plötzlich verkauft sich dessen Werk wie verrückt, was zuvor kein Schwein kaufen wollte ><).
Interessant (aber auch etwas schwer verständlich) finde ich auch die Art zu sprechen in der postapokalyptischen Zukunft. Diese besteht aus einfachen abgehackten Sätzen mit vielen umgangssprachlichen Worten (passt sehr gut, denn wenn die Zivilisation zugrunde geht, tut es auch die vielfältige Sprache und wird genauso karg wie die neue Lebensweise der, zurück in die Steinzeit beförderten, Menschen).
Ach und ganz besonders interessant (und entlarvend) finde ich auch, wenn hier dargestellt wird, wie eine Gottheit (mitsamt Verehrung und Anrufung) zustande kommt. Wer will kann da eine Allegorie zur Gegenwart ziehen.

Durch das Aufsplittern in Episoden vereint der Film mehrere Genren miteinander. Drama, Comedy, Romance, Action, Thriller, Dystopie, Science-Fiction. Der Film hat also nicht nur „langweilige“ ruhige Szenen zu bieten, sondern auch rasante und abwechslungsreiche.
Visuell ist „Cloud Atlas“ bombastisch. V.a. in den Zukunfts-Episoden. Die Special Effects, Kulissen, Requisiten, Masken, Kostüme … alles großartig anzuschauen ( obwohl die bekannten Schauspieler ein wenig befremdlich ausschauen, wenn ihre Augen auf „asiatisch“ getrimmt sind und die restlichen Gesichtszüge europäisch bleiben! ^^)
Die Leistungen der namhaften Schauspieler lassen sich sehen. Wie schon erwähnt spielt jeder Darsteller mehrere Rollen und das mit Bravour.
Ich muss zudem sagen, dass die Filmschnitte zwischen den zersplitterten, verschachtelten Episoden sehr gelungen sind. Trotz der Aufspaltung wirkt kein Schnitt willkürlich gesetzt und fügt sich gut in die Gesamthandlung ein.
Zur musikalischen Untermalung kann ich leider nichts sagen, da ich selber total unmusikalisch bin und mir der Soundtrack nur selten irgendwie auffällt. Ich achte da zu wenig drauf.
„Cloud Atlas“ ist sehr originell und lässt sich mit solchen Filmen wie „The Fountain“ oder „2001-Odyssee im Weltraum“ vergleichen. Manchmal hatte ich allerdings auch einige Déja-vu’s z.B. an „Roots“ oder „Blade Runner“.

Das Einzige was ich wirklich zu bemängeln hätte, hat eigentlich nichts mit dem Film selber zu tun. Es ist die seltsame Altersfreigabe der FSK. Ich weiß wirklich nicht, was sich diese Leute dabei gedacht haben, aber der Film ist definitiv KEINE (!) FSK 12, sondern eine FSK 16. Und nicht nur wegen der paar Gewaltszenen (welche allerdings recht deutlich und blutig sind), sondern allgemein wegen der Thematik, die kein Zwölfjähriger richtig begreifen kann. Die paar Sexszenen zähle ich mal nicht dazu (sind jetzt nicht SO drastisch).



FAZIT:
Ganz klar. Der anspruchsvolle Film ist absolut schwere Kost. Aber definitiv sehenswert für Diejenigen, die nicht bloß mit Mainstream-Movies abschalten wollen, sondern ein Filmkunstwerk erleben möchten. ^^


Fabian

Diesen Film in Worte zu fassen (und diese dann auch noch in begrenztem Rahmen zu Papier zu bringen) ist fast nicht möglich, trotzdem finde ich die Kritik sehr gelungen und deckt sich in vielen Belangen mit meinen Eindrücken und spiegelt viele Aspekte wieder die den Film ausmachen. Nur in einem Punkt bin ich anderer Meinung. Es ist vielleicht kein perfekter Film und vielleicht auch keine perfekte Umsetzung des Buches, vielleicht hätte man im Nachhinein etwas besser machen können, aber bereits so wie er ist ist er für mich der beste Film seit Jahren. Herausragend.


Frédéric

Für mich handelt es sich um eine Form des Kinos der Übermannung. Das heißt entweder lässt man sich davon tatsächlich davontragen und überwältigen oder man sitzt verwundert da, worum soviel Aufhebens eigentlich gemacht wird. Ich war einerseits positiv überrascht von dem Film und einzelne Sequenzen überzeugten mich, andererseits: davontragen ließ ich mich nie. Vielleicht bin ich ein zu nüchterner Kinozuschauer, um die Verbindungen zu sehen. Oder ich bin ein "Nörgler aus dem Internet", um eine Formulierung des Produzenten Stefan Arndt etwas zweckzuentfremden, der Schwierigkeiten hat, souverän mit Kritik umzugehen. Meines Erachtens war die singulär größte Fehlentscheidung jedenfalls die für Tom Hanks. Er kann keine Episode tragen und erst recht nicht mehrere, dafür ist sein Spiel viel zu sehr Fassade, bemühtes Acting. Ganz wettmachen können das dann die schönen Einzelmomente nicht, vor allem wenn der Wust an Bedeutungswirbel einen eher verdutzt zurücklässt wie mich. Zwiegespalten bin ich, weil ich die Regieleistung von Tom Tykwer und auch der Wachowskis im Einzelnen durchaus würdigen kann. Und den Schnitt finde ich ziemlich smart, selbst wenn er das grundlegende Problem des "zentrumlosen" Films nur zeitweilig verdecken kann.


Ingo

Bei mir kam einfach nichts an.
Die einzelnen Geschichten SOLLTEN eigentlich höchst dramatisch ein. Im ersten Viertel bis Drittel war bei mir auch noch Spannung da.
Der Schnitt - die Zerstückelung der einzelnen Handlungsstränge - wirft die Frage auf: Könnten die Geschichten zu einem gemeinsamen Punkt/ zu gemeinsamen Punkten zusammenführen? So wie etwa in "Pulp Ficition" oder (einem wirklich ausgezeichneten Film) "Magnolia".
Bei der Hälfte war ich bereits schwer gelangweilt. Und am Ende schwer enttäuscht.
Der Zusammenhang der Geschichten bleibt eigentlich völlig ungeklärt. Die Andeutungen a la "jeder bekommt im nächsten Leben, das was er -aufgrund seines Verhaltens im jetzt- verdient hat" sind so typisch amerikanische abgelutschte Wiedergeburts-Karma Sprüche.
In der Handlung spiegelt sich davon allerdings nichts wieder. Der Anwalt darf immer und immer wieder der "tragische" Kämpfer gegen das System sein. Halle Berry ist immer die "Forscherin"...
Interessant wäre doch die Metaphysik dahinter gewesen.
Oder jede der Geschichten hätte - alleine stehend - für sich überzeugt. Dann bräuchte es keine rationale Erklärung dahinter.
So fehlt mir beides.
CGI ist kein Ersatz für mangeldes Schauspiel und Fehlende Handlung.

Mein Fazit: Schauspiel und Handlung schwach. Die großen Bilder und Posen wirken dadurch nur effektheischend.


Evi

Ich bin selten so enttäuscht aus dem Kino gegangen.

Ich bin mit keiner Erwartung in den Film. Selbstverständlich bekam ich so dies und das über die Medien mit, u.a. das der Film wohl sehr gut wäre und ein Meisterwerk...aber ich war zu 80% der Zeit verwirrt.

Für einen Film mit einem Millionenschweren Budget gibt es meiner Meinung nach andere Standarts, die erfüllt werden müssen, als bei einer Low-Budget-Produktion. Dazu gehören nichteinmal unbedingt tolle Effekte, Masken, Kostüme und Animationen, auch keine atemberaubenden Landschaftsaufnahmen, sondern schlicht und ergreifend eine nachvollziehbare Story, die mich rührt oder emotional mitnimmt, mich überrascht oder auf meinem Kinosessel vor Spannung unruhig rumhampeln lässt. Nichts davon war der Fall! Ich hampelte lediglich rum, weil der Liter Cola nicht für einen beinahe 3 stündigen Streifen, der mich irgendwann nur noch nervte, geeignet war.

Es ist unmöglich sich in eine der Episoden hineinzuversetzen, mit den Protagonisten mitzufühlen oder in irgendeiner Form eine Verbindung zu dem Film aufzubauen. Man erkennt die Verbindungen zwischen den Charakteren der einzelnen Episoden (wenn sie denn überhaupt richtig existieren) nur nach etwa 2/3 des Films und selbst dann sind sie nicht griffig, es gibt keinen AHA-Moment, keinerlei stichhaltige Aussage. Selbstverständlich kann man viel hineininterpretieren, aber im Endeffekt läuft es darauf hinaus, dass man eine pseudointellektuelle Feststellung vermitteln möchte: dass der Mensch sich in seiner gesamten Existenz immer nur selbst zerstört, andere erniedrigt und sich letztendlich weiterentwickelt hat. Diese Aussage haben schon sehr viele andere Filme besser und auch verständlicher auf den Punkt gebracht.

Persönliches Fazit: Überbewerteter und pseudointelektueller Streifen, an dessen gescheiterter Umsetzung auch keine Star-Besetzung etwas ändern kann.


R.L.

Habe schon lange nicht mehr so einen schlechten Film im Kino gesehen.
Absolute Frechheit für so einen Film Eintritt zu nehmen .
Schlecht, schlecht ,schlecht. Note 6


Lu-na

Leider trieft der Film einfach vor Pathos.
Über drei Stunden fragt man sich, was der Film aussagen mochte: Die komplexe Erzählweise und namenhafte Schauspieler bauen eine große Erwartung auf. Leider wird diese am Ende enttäuscht, denn der Zuschauer bekommt eine humanistische Botschaft präsentiert, die so plump inszeniert wird, dass diese zu einer Banalität verkommt.
Die Charaktere haben keinen Raum für Entwicklung, wer gut und wer böse ist, steht von Anfang an klar. Eine moralische Wahl, der innere Kampf von Gut und Böse kommt nicht zustande (da hilft auch kein grüner Teufel, der Tom Hanks in der postapokalyptischen Welt zuspricht). Man wird einfach nicht emotional mitgenommen. Und das Happyend nach bester Hollywood-Manier hilft dabei auch nicht.
Außerdem hat der Film auch zu viele logische Schwächen. Es wird z.B. nie aufgeklärt, warum ausgerechnet Sunli für den Widerstand so wichtig sei? Warum muss sie überzeugt werden, warum nicht ein anderer Klon?
Groß, pompös, überschwänglich und doch sehr schwach inszenierter Film. Trotz verschachtelter Erzählweise, einfach zu geradlinig.


Peter

Filmkritik gut hin oder her, egal : die FSK 12 Einstufung ist eine Frechheit! Wie bekloppt sind wir denn eigentlich in Deutschland? Mehrere Sexzenen, Kehlschnitte, Kopfschuesse etc. sind ja wohl nichts fuer Zwölfjährige!


Ralf

Meiner Meinung nach "muss" man den Film mehrmals sehen. Mich sprach er stark an. Liegt wohl auch daran, dass ich versuche, die Sinnhaftigkeit bzw. die Aussage eines Filmes für mich zu extrahieren. Das ist mir mit einem Mal sehen nicht gelungen.

Man verstrickt sich meiner Meinung nach zu sehr in die Betrachtungen der einzelnen Episoden und urteilt dann über diese bzw. über den fehlenden/vorhandenen Zusammenhang. Ich denke bzw. habe schon das Gefühl, dass diese Episoden einen "Schirm" haben.

Das schöpferische Prinzip, das diesem Film zugrunde liegt, ist nicht ohne Weiteres erkennbar, daher sollte man ihn mehrmals sehen (meine Vermutung).

Ich jedenfalls habe ihn mir gekauft und werde ihn mir in stillen, einzelnen Stunden in Ruhe zu Gemüte führen. Ich denke darüber hinaus, dass dieser Film im Kino lange nicht so gut rüberkommt wie er es tut, wenn man ihn ALLEINE und IN RUHE sehen kann. Der Film bedarf mehr Konzentrationsphasen als die unzähligen "ich lasse mich berieseln"-Filme. In sich gehen und den Film ansehen. Im Kino, so meine Meinung, wäre der nix für mich gewesen.

Zum Kommentar vom 28.11.2012: Warum nicht Sonmi-451? Irgendeine Schauspielerin/Rolle hätten sie ja nehmen müssen. Sonmi ist auch nahe dem Wort "somnium", und 451?

"Und indem er hinabging, begegneten ihm seine Knechte, verkündigten ihm und sprachen: Dein Kind lebt." Johannes 4:51

Da fällt mir eine ganz gute Szene ein, als Sonmi die Heerscharen der Klone sieht, als sie hinabblickte und erkannte, dass sie nicht frei ist (Knechte, siehe oben).

Das ist aber nur meine Interpretation und erhebt keinen Wahrheitsanspruch im Sinne der Filmemacher.






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