Der Tag, an dem die Erde stillstand
Im Remake des Science-Fiction-Klassikers Der Tag, an dem die Erde stillstand soll Keanu Reeves als Außerirdischer Klaatu die Erde von der Last der Menschen befreien.
Eines Nachts stehen Regierungsbeamte vor der Wohnung der Biologin Dr. Helen Benson (Jennifer Connelly), um sie gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern für eine geheime Operation zu rekrutieren. Sie sollen dabei helfen, das Rätsel meteoritenähnlicher, leuchtender Kugeln, die an verschiedenen Orten auf der ganzen Welt erscheinen, zu lösen. Im Central Park steigt schließlich der Außerirdische Klaatu (Keanu Reeves) mit einem riesigen Roboter aus einer der Kugeln, um die heruntergewirtschaftete Erde von der Zerstörungswut der menschlichen Rasse zu befreien.
Nachdem sich das Horrorgenre aktuell immer noch an Remakes von asiatischen Gruselfilmen (Mirrors, 2008) und Klassikern des amerikanischen Horrorkinos (Friday the 13th, 2009) abarbeitet, gibt es mit Der Tag, an dem die Erde stillstand (The Day the Earth Stood Still) nun ein Genre-Remake aus der bisher von Neuverfilmungen weitgehend verschont gebliebenen Ära der fünfziger Jahre zu sehen. Robert Wise drehte seinen gleichnamigen Film damals als Reaktion auf den Zweiten Weltkrieg und die Entwicklung der Atomenergie. Dieser sozialkritischen Tendenz bleibt auch Scott Derrickson in seinem Remake treu.
Zunächst scheint es so, als handele es sich bei der düsteren Welt des Films um eine nicht näher bestimmte Zukunft. Doch Der Tag, an dem die Erde stillstand ist deutlich in unserer Gegenwart angesiedelt. So sind Fernsehreden von Politikern wie Angela Merkel und Wladimir Putin sowie Bilder von Plünderungen und Massenunruhen zu sehen, deren Bedeutung ganz der Handlung des Films untergeordnet ist. Abgesehen von solchen Aktualisierungen – der schwarze Sohn der verwitweten Wissenschaftlerin und die weibliche Verteidigungsministerin (Kathy Bates) sind weitere Auswirkungen dieser Modernisierungsmaßnahmen –, legt Derrickson in seiner Inszenierung andere Schwerpunkte.
Die pazifistische Botschaft des Originals behält das Remake bei und bereichert sie um eine ökologische Komponente, jedoch lässt Derrickson die genaue Ursache für das kosmische Chaos ebenso wie die Herkunft Klaatus im Unklaren. Da Der Tag, an dem die Erde stillstand an keiner Stelle ein konkretes Bild der menschlichen Zerstörungen bietet, fehlt der geplanten Auslöschung der Menschen gewissermaßen die Legitimation. Umso alberner wirkt es, wenn Helen den außerirdischen Besucher mehrmals anbettelt, die Menschheit zu verschonen, weil sie sich ändern können. Dass die Menschen schlecht sind, wird immer wieder behauptet, jedoch sieht man nie etwas davon.
Anstatt die Chance für einen aktuellen Bezug wahrzunehmen, lädt Derrickson die Handlung mit einer ähnlich bedeutungsschwangeren, religiösen Symbolik auf, wie man sie bereits aus seinem letzten Film, Der Exorzismus von Emily Rose (The Exorzism of Emily Rose, 2005), kennt. Klaatu, der durch seine übertriebene Ausdrucks- und Emotionslosigkeit eher wie ein Android wirkt als wie ein Außerirdischer, wird zu einer Art Jesusfigur stilisiert, die den Planeten zwar vor seiner Zerstörung bewahren will, deren Prophezeiungen aber nicht erhört werden. Dementsprechend biblisch wird es dann auch bei der geplanten Auslöschung der menschlichen Rasse und ihrer zivilisatorischen Errungenschaften: Ein digital animierter Schwarm Cyber-Heuschrecken macht sich auf, um alles in Schutt und Asche zu legen. Das ist zwar als Spezialeffekt durchaus schön anzusehen, im Hinblick auf die penetrante religiöse Symbolik des Films aber nur schwer zu ertragen.
Filmkritik von Michael Kienzl
Veröffentlicht am 09.12.2008
Kommentare zu Der Tag, an dem die Erde stillstand
Kamil 24.12.2008 11:05
Wenn ich Aussagen lese wie: "...an keiner Stelle ein konkretes Bild der menschlichen Zerstörungen bietet,..." und "Dass die Menschen schlecht sind, wird immer wieder behauptet, jedoch sieht man nie etwas davon." muss ich mich fragen ob der Autor den Film überhaupt gesehen hat? Diese Aussagen sind schlicht und weg einfach falsch. Mal abgesehen von den Agressionen die Klaatu seit seiner Landung entgegengebracht wurden, sollte klar werden, dass die Menschheit nicht nur nach dem Verhalten der letzten Tage bewertet wurde.
Shifty 27.12.2008 00:58
Kamil ich geb dir 100% recht
Shifty 27.12.2008 01:00
Hab was vergessen^^
Das muss man aber verstehen können
Walter 02.01.2009 13:35
Finde den Film trotz aller Nähe zum Kitsch sehr gut und berührend.
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Film-Angaben
Titel: Der Tag, an dem die Erde stillstand
Originaltitel: The Day The Earth Stood Still
USA 2008
Laufzeit: 103 Minuten
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Regie: Scott Derrickson
Drehbuch: David Scarpa
Basierend auf dem Drehbuch zu Der Tag, an dem die Erde stillstand (The Day The Earth Stood Still, 1951) von: Edmund H. North
Produktion: Gregory Goodman, Paul Harris Boardman, Erwin Stoff
Bildgestaltung: David Tattersall
Montage: Wayne Wahrman
Musik: Tyler Bates
Darsteller: Keanu Reeves, Jennifer Connelly
Kinostart: 11.12.2008
DVD-Angaben
Titel: Der Tag, an dem die Erde stillstand
Vertrieb: 20th Century Fox
Bild: 2,35:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Spieldauer: 98 Minuten
Extras: Audiokommentar von Autor David Scarpa; Original Kinotrailer [Leih- und Kauf-DVD]; Entfallene Szenen; Die Neuauflage eines Klassikers; Die Entstehung von Gort; Ein Blick in den Weltraum: Die Suche nach außerirdischem Leben; Der Tag, an dem die Erde "grün" war; Bildergalerie [exklusiv in der Special Edition]
Verleih ab: 08.05.2009
Verkauf ab: 08.05.2009
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