Der seltsame Fall des Benjamin Button

In seiner opulent ausgestatteten Literaturverfilmung widmet sich David Fincher dem ebenso bewegten wie ungewöhnlichen Leben des Findelkinds Benjamin.

Der seltsame Fall des Benjamin Button

Als Benjamin auf die Welt kommt, hat er zwar die Größe eines Säuglings, ansonsten erinnert sein verschrumpelter Körper aber eher an den eines Greises. Sein Vater, der Knopffabrikbesitzer Thomas Button (Jason Flemyng), ist von diesem Anblick derart entsetzt, dass er den Kleinen aussetzt und ihn in die Obhut eines Seniorenpflegeheims gibt. So sitzt der siebenjährige Benjamin, ohne weiter aufzufallen, zwischen den übrigen Bewohnern des Heimes und realisiert erst Jahre später, dass sich sein Körper mit jedem Lebensjahr zunehmend verjüngt. Was seine Sandkastenliebe Daisy (Cate Blanchett) angeht, besteht für Benjamin so zumindest die Hoffnung, eines Tages nicht nur geistig sondern auch optisch dem Alter seiner Angebeteten zu entsprechen.

Der seltsame Fall des Benjamin Button

In seinem Film Der seltsame Fall des Benjamin Button (The Curious Case of Benjamin Button) nimmt David Fincher F. Scott Fitzgeralds gleichnamige, 1921 erschienene Kurzgeschichte als Ausgangslage für eine recht freie Adaption. Über die epische Länge von drei Stunden erzählt der Film das Leben seines Protagonisten vom Greis bis zum Säugling und umspannt dabei einen zeitlichen Rahmen, der von den 20er Jahren bis in die Gegenwart reicht. Hier liegt in einer Rahmenhandlung Daisy auf dem Sterbebett, während sich der Hurrikan Katrina nähert und ihre Tochter (Julia Ormond) aus dem Tagebuch Benjamins liest.

Der seltsame Fall des Benjamin Button

In chronologischer Reihenfolge streift der Film die verschiedenen Stationen im Leben Benjamins und zeigt ihn etwa, wie er auf einem Schiff arbeitet, eine geheime Affäre mit der Gattin eines Spions (Tilda Swinton) hat oder im Zweiten Weltkrieg kämpft. Das Zentrum des Films bleibt dabei aber die Liebesgeschichte zwischen Benjamin und Daisy, die sich immer wieder aus den Augen verlieren und erneut treffen. Spätestens wenn die altersschwache Daisy ihren sterbenden Geliebten als Säugling in den Armen wiegt, stellt sich die Frage, ob Fitzgeralds Geschichte in ihrer literarischen Ursprungsform nicht besser aufgehoben ist. Denn gerade die konkreten Bilder dieser übernatürlichen Geschichte sorgen häufig für unfreiwillige Komik.

Der seltsame Fall des Benjamin Button

Da Fincher versucht, die verschiedenen Jahrzehnte und Lebensabschnitte Benjamins glaubhaft darzustellen, nehmen Ausstattung, Maske und digitale Effekte unweigerlich eine sehr dominante Rolle ein. Von Hauptdarsteller Brad Pitt bekommt man dabei bis auf wenige Szenen nur wenig zu sehen. Vielmehr sind es die Effekte, die im Vordergrund stehen und dem Film eine Künstlichkeit verleihen, die dem Zuschauer einen emotionalen Zugang, auf den die tragische Liebesgeschichte eindeutig abzielt, erschweren. Wie stark diese Mittel als Verfremdungseffekt funktionieren, zeigt sich besonders in einigen späteren Szenen während der sechziger Jahre, in denen beide Hauptdarsteller ungefähr ihr wirkliches Alter darstellen und Maske sowie historische Ausstattung für kurze Zeit in den Hintergrund treten. Hier gelingt es dem Film noch am ehesten, mit seiner Geschichte zu berühren.

Der seltsame Fall des Benjamin Button

Das Problem von Der seltsame Fall des Benjamin Button ist jedoch nicht, dass er überwiegend in der Vergangenheit angesiedelt ist, sondern wie leblos diese inszeniert wird. Fincher geht mit ihr um wie mit einem staubigen Ausstellungsstück, in dessen Betrachtung man voller Nostalgie versinken kann. Schon die sterbende Daisy mit ihrer krächzenden Erzählstimme ist eine Märchentante, die sich von der Welt längst verabschiedet hat. Viele Nebenfiguren scheinen dagegen in ihrer betonten Kauzigkeit wie einem Kuriositätenkabinett entsprungen. Ähnlich museal wirken auch Finchers Reminiszenzen an die Anfangstage des Kinos: Der Running Gag des Films ist etwa die wiederholte Erzählung eines Altenheimbewohners, der schon sieben Mal vom Blitz getroffen wurde. Jede Erzählung wird von einer in Stummfilmästhetik gehaltenen, kurzen Rückblende isoliert und ist im Gesamtkontext des Film nicht mehr als eine nostalgische Spielerei.

Der seltsame Fall des Benjamin Button

Das alles könnte man noch verzeihen, würde Finchers Erzählweise ein wenig Dynamik entwickeln. Doch die Geradlinigkeit der Handlung, der Verzicht auf einen kontinuierlichen Spannungsaufbau und auf deutliche Wendepunkte machen die drei Stunden Laufzeit von Benjamin Button überwiegend zu einer zähen und langatmigen Angelegenheit.

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Kommentare


zaphod

seh ich ganz anders.

der film ist großartig.


Lisa

Hat mir persönlich nicht gefallen...
Der Film zieht sich wie Kaugummi und ist einfach langweilig...


Alessia

Ich bin der Meinung das dieser Film alle 13 Oskars, für den er nominiert ist, verdient hätte. Die Schauspieler sind grandios und die Geschichte des umgekehrten falles(des Lebens) hat doch schon jeder einmal im Hinterkopf gehabt. Zum Schluss wird es sehr emotional, wobei im Film das Sterben als Normalität gut dargestellt wird, und doch in jedem Fall etwas besonderes ist.Ich finde diesen Film ausgesprochen gut getroffen und somit werde ich ihn mir wohl auch nochmal im Kino anschaun.


Marcus Schmidt

Ein Film, den man sich nur einmal ansehen kann. Dies sollte man aber auch unbedingt tun. Der Film ist sehr bewegend und die Geschichte regt an, sich auf das Leben zu besinnen.


Martin

Ich habe selten einen derart langweiligen Film gesehen. Drei Stunden mit Szenen, eine länger gezogen als die andere. Die Idee der Geschichte ist bestimmt sehr interessant und diskussionswürdig, die Umsetzung durch diesen Film aber nichts für das breite Kino-Publikum - das hat nichts mit anspruchsvoll oder Niveau zu tun, sondern der mangelnden Unterhaltung durch den Fall.
Brad Pitt hat, dort, wo er wirklich gespielt hat, die Rolle gut rübergebracht und den Film teilweise gerettet.
Die Bilder waren oft sehr beeindruckend, die musikalische Untermalung passend.
Eine Verkürzung des Films auf 1 1/2 Stunden hätte ihm gut getan.

Letztendlich eine Enttäuschung und eine Verschwendung von Zeit und Geld. Die hohe Anzahl der Oscar-Nominierung ist mir schleierhaft.


Benjamin

Wie wäre denn die Option eines dualen Kartenverkaufs? So könnten Kurzfilminteressierte die durchaus glaubhafte Mittelsequenz des Filmes buchen und eine Liebesgeshichte mit der Würze der Kürze genießen... Sozusagen das Gelbe vom Ei


Ich

Die Filmkritik scheint von einem wenig lebensfrohen Menschen geschrieben worden sein, der sich damit abgefunden zu haben scheint, nicht unbedingt positiv denken zu können.

Man sollte den Film mehr loben, als ihn zu kritisieren. Schließlich handelt es sich hierbei um einen der wenigen Filme, die liebevoll gemacht worden sind. Die Ideen und die Detailverliebtheit sind schlichtweg überwältigend. Die Schauspieler wirken außerdem durchweg professionell.

Den Film muss man unbedingt gesehen haben. Wenn man sich durch solch sperrigen Kritiken davon abhalten lässt, dem Film eine Chance zu geben, verpasst man ein Stück Kultur.


Andreas

In meinen Augen eine unprofessionelle, da sehr eindimensionale Filmkritik. Anders könnte ich mir den Film nicht vorstellen.

Der Film dauert ca. 3 Stunden und ist wahrscheinlich nur für Jene genießbar, die nicht im Action- und 08/15-Film Sumpf stecken geblieben sind.

Alle Anderen freuen sich über einen unvergesslichen Film, der positiv zum Denken anregt.


Al Pacino

guter film


Bruce Lee

Die schlechte Kritik an diesen Film kann ich nicht verstehen. Der film bringt einen zum nach denken und ist halt kein 08/15 Film. Klasse Story und die Idee sehr gut Umgesetzt. Was erwartet das heutige Publikum viel Action dumme Story. Hauptsache es wird geballert. Schaue mann sich nur die Hysterie für den Dummen Batman the dark Knight an. deshalb wird auch zu viel Schrott produziert. Bei diesem Film muss mann auch mit denken und auch drüber nach denken. Ist wohl den meisten zu Anstrengend. Nicht denken zu müssen ist ja einfachen.
Ein Tip der film Idiocrazy schaut ihn euch so ergeht es unserer Gesellschaft die Langsam immer mehr Verblödet. Und wenns weiter so geht ist Paris Hilton oder Britney Spears Präsidenten der Vereinigten Staaten.
der Film war sehr gut. Hat mich zum Nachdenken gebracht. und ich bin kein gefühlsduselnder Mensch. Hiermit schliesse ich ab. An die die denn Film schlecht bewerten guckt euch 08/15 Filme weiter an. Vielleicht seid ihr Langweilig aber bestimmt nicht dieser Film.


LN

Der Film hat mich gar nicht zum Nachdenken gebracht. Ich empfand ihn unlogisch und inkonsequent. Die Aussage des Films habe ich überhaupt nicht verstanden. Hier wurde die Chance verpasst, eine philosophische Aussage zu treffen. Der Säugling hätte entweder die psychische Reife eines alten Greises haben müssen, oder der neugeborene Säugling im Greisenzustand hätte auch die pychische Reife eines Greises haben müssen. So aber entwickelte sich der Säugling psychisch wie ein normales Kind, nur physisch wurde er immer jünger, bis er dann plötzlich sich sowohl psychisch wie auch physisch zurückentwickelte zum Säugling. Sowohl die Aussage: Auf die Äußerlichkeiten kommt es nicht an, da nur der innere Alterungsprozess zählt, als auch die Aussage: selbst wenn man zusammen reift, können die Äußerlichkeiten nicht überwunden werden, hätte ich verstanden, aber so war alles nur an - aber nicht zu Ende gedacht.


Button

LN:"Hier wurde die Chance verpasst, eine philosophische Aussage zu treffen."

Ist das so? Oder liegt das vielleicht eher daran:

--> "Die Aussage des Films habe ich überhaupt nicht verstanden."


Großartiger Film, wie ich finde. Einfach ist er allerdings nicht. Es verlangt wohl einiges an abstraktem Denkvermögen, um diesen Film zu reflektieren und zu verstehen.






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