Der rosarote Panther

Steve Martin in den Fußstapfen von Peter Sellers: Als trotteliger Inspektor Clouseau macht er sich auf die Suche nach einem gestohlenen Riesendiamanten. An einer Wiederbelebung der erfolgreichen Franchise haben sich schon viele erfolglos versucht – allen voran der Erfinder der Serie selbst, Blake Edwards.

Der rosarote Panther

In diesem Film ist vieles anders als Fans der alten Filme mit Peter Sellers es erwarten dürften. Der rosarote Panther spielt zwar in der heutigen Zeit, erzählt aber die Vorgeschichte zum ersten Film von 1963. Inspektor Clouseau (Steve Martin) wird aus der Provinz nach Paris versetzt, um den Diebstahl des berühmten titelgebenden Diamanten aufzuklären. Dieses Mal wurde das Schmuckstück nicht, wie im ersten Film, vom Hals einer von Claudia Cardinale gespielten Prinzessin gestohlen, sondern vom Finger eines Fußballtrainers – was sicher der bevorstehenden Fußballweltmeisterschaft geschuldet ist. So gibt es zu Beginn eine längere Fußballsequenz, komplett mit Spielszenen, grölenden Fans und aufwändigen Kamerafahrten durch das Stadion. Das hat mit dem Rest des Films wenig zu tun und dient wohl der reinen Schaulust. Damit ist aber nur einer von vielen Aspekten beschrieben, die auf eine tief greifende Entfernung vom Original deuten.

Der Verdacht einer billigen Kopie liegt bei einem Remake immer nah. Eine solche Resteverwertung kann man dem Film von Shawn Levy aber guten Gewissens nicht vorwerfen - und wenn doch, dann hatte er dafür zumindest ein ehrenwertes Vorbild: Denn der Erfinder der Serie, Blake Edwards, zeigte in dieser Beziehung keine Hemmungen. Insgesamt acht Filme sind ab 1963 unter seiner Regie entstanden, in denen immer wieder dieselben Gags recycelt wurden. Sogar nach dem Tod von Sellers im Jahr 1980 drehte Edwards munter weiter. Der rosarote Panther wird gejagt (Trail of the Pink Panther, 1982) nutzte dazu schamlos alte, nicht verwendete Aufnahmen von Sellers aus früheren Filmen, so dass der Star gewissermaßen wie ein Geist durch die Handlung stolperte. Beim letzten Versuch, im Jahr 1993, schickte Edwards den Sohn des rosaroten Panthers auf Verbrecherjagd (The Son of the Pink Panther), aber auch Roberto Benigni konnte der Serie nicht zu alter Frische verhelfen.

Der rosarote Panther

Nun ist also Steve Martin an der Reihe. Levy und Martin haben schon bei Im Dutzend billiger (Cheaper by the Dozen, 2003) zusammengearbeitet, auch das war ein Remake, nämlich des gleichnamigen Klassikers von 1950. Ruft man sich diesen und auch Martins berühmteste Filme in Erinnerung – Tote tragen keine Karos (Dead Men Don’t Wear Plaid, 1982) und L.A. Story (1991) wären da zu nennen – wird klar, warum es nicht funktionieren kann, ausgerechnet ihn mit der Rolle zu betrauen, die so unverrückbar mit Peter Sellers verbunden ist. Dessen Komik bestand darin, das größte Chaos anzurichten, ohne eine Miene zu verziehen, ja sogar ohne überhaupt zuzugeben, dass er Chaos angerichtet hat. Sein Gesicht war stets ausdruckslos bis zur Versteinerung und die Körpersprache seines Clouseau von dem Wunsch beseelt, Haltung zu bewahren.

Martins Humor ist viel emotionaler. Ganz im Gegensatz zu Sellers ist er ein Meister darin, aus sich herauszugehen. Das führt zu Problemen, wenn er dem stoischen Inspektor ein neues Gesicht geben soll. Wo Sellers mit nichts alles ausdrücken konnte, schürzt Martin ständig die Lippen, was bald zu einem bloßen Manierismus verkommt. Ähnlich wie übrigens die Musik, die zum größten Teil aus mit ein bisschen Drum & Bass aufgepoppten Spielereien mit der unvergesslichen Melodie von Henry Mancini besteht. Die Titelsequenz mit der im Fernsehen ebenfalls zu Ruhm gekommenen Trickfilmfigur ist in gleicher Weise nur eine müde Kopie der in den sechziger Jahren Aufsehen erregenden Vorspanne.

Der rosarote Panther

Die Scherze selbst sind deutlich deftiger als in den alten Filmen, was jedoch nicht unbedingt heißt, dass sie schlechter sind. Clouseaus Zerstörungswerk in einem Badezimmer auf der Suche nach einer verloren gegangenen Viagra-Tablette ist großartig - und eine Hommage an Sellers und Blake Edwards’ Der Partyschreck (The Party, 1967) - ebenso das Spiel mit dem französischen Dialekt und die endlosen Versuche, das amerikanische Wort „Hamburger“ korrekt auszusprechen. Martin und Regisseur Levy versäumen auch nicht, eine angemessene Verbeugung gegenüber dem Original zu vollführen: Der große Globus in Clouseaus Büro sorgt wieder für einen der ersten echten Lacher. Der gegen den Strich besetzte Actionstar Jean Reno als Clouseaus Assistent entschädigt ein wenig für das ansonsten zu wenig vorhandene Understatement. Kevin Kline als Vorgesetzter Dreyfus macht seine Sache erwartungsgemäß gut. Erwähnenswert ist auch noch ein Kurzauftritt von Clive Owen, der als neuer James-Bond-Darsteller im Gespräch war, schließlich jedoch abgelehnt wurde. Hier darf er den Super-Agenten 006 geben.

Das Problem des Films bleibt die Art, wie Steve Martin seine Rolle angelegt hat. Am Schluss erkennt man den guten alten Clouseau gar nicht wieder. Plötzlich begreift er die eigene Unzulänglichkeit, wird sogar traurig und, was noch viel gewöhnungsbedürftiger und dramaturgisch nicht nachvollziehbar ist, plötzlich durchschaut er nach ein wenig Internetrecherche den Fall und löst ihn mit Bravour und Intelligenz. Peter Sellers wäre das nicht passiert. Der Film funktioniert als unterhaltsamer Klamauk mit einigen wirklich brüllend komischen Szenen, wenn man das Original vergessen kann. Aber wer kann das schon? Und, vor allem: Wer würde das wollen?

 

Kommentare


Maren

Das ist der lustigste Film, den ich je gesehen habe!!! Ich kann ihn allerdings nur Leuten empfehlen, die auf alberen Scherze stehen =)






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