Der rosarote Panther 2

Clouseaus Maske und nichts dahinter. Der rosarote Panther 2 fleddert sich wie schon sein Vorgänger quer durch Blake Edwards Filmideen.

Der rosarote Panther 2

Der rosarote Panther 2 (The Pink Panther 2) will nicht als Remake der Originale von Blake Edwards (1963-1993) gelten. Angesichts der Übernahme der Figuren, der Gags, der Ideen bis hin zu Textstellen der frühen Vorgänger entpuppt sich diese Distanzierung allerdings als schlecht verhohlener Versuch, sich einem Vergleich zu entziehen, der für den neuesten Beitrag fatal ausgeht.
Bemüht sich Shawn Levys Der rosarote Panther (The Pink Panther, 2006), der zwar häufig in pubertären Humor abgleitet, noch um ein Mindestmaß an dramaturgischer Nachvollziehbarkeit und um die Entwicklung der Motivation seiner Hauptfiguren, vernachlässigt Harald Zwarts Fortsetzung dieses Bestreben völlig und pflegt dafür den Infantilhumor bis zum Äußersten.

Der rosarote Panther 2

Zunächst ist Steve Martins Clouseau der vollkommene Idiot, dem jeder Schritt misslingt. Mittels Rückblende erfährt der Zuschauer erst ganz am Ende von der anderen Seite Clouseaus. Im Hintergrund ist es ihm gelungen erfolgreich polizeiliche Aktionen durchzuführen, ohne ein Desaster anzurichten. Das Interessante an der von Edwards und seinem genialen Schauspieler Peter Sellers angelegten Figur des Clouseau ist die Vereinigung von Genie und Idiotie. In ihrer Untrennbarkeit führte sie auf anarchische Weise zum Erfolg. Dabei behält der Inspektor immer seine Würde. Er steht so völlig über allem, dass ihn kein Rückschlag trifft. Erfrischenderweise fehlt dem Technokraten jegliche Selbstreflexion.

Der rosarote Panther 2

Zwarts Film hat die Figur Clouseau aus dem Paradies verjagt. Jetzt zweifelt der Gesetzeshüter, guckt zerknirscht, wenn er im Unrecht ist, reflektiert sein Liebesleben und lässt sich von einer Gleichstellungsbeauftragten über Sexismus und Rassismus belehren. Das Bemühen einer politisch korrekten Instanz wirkt allerdings wie ein billiges Alibi, um die sexistischen und rassistischen Witzchen, die schon in den 60er Jahren mäßig komisch waren, noch einmal einbauen zu können. Die Zeile „mein gelber Freund“ aus Ein Schuß im Dunkeln (A Shot in the Dark, 1964), die Clouseaus Assistenten Kato bezeichnet, war nur im zeitlichen Kontext eines erwachenden Bewusstseins für die gesellschaftlich existenten Rassismen zu verstehen. Die Zeiten, in denen das als Gag genügte, sind glücklicherweise vorbei. Wenn dieselbe Zeile 2009 den japanischen Detektiv meint, ist das anachronistisch und stumpf wie die ganze Figur des Martin-Clouseau.

Der rosarote Panther 2

Wie wenig Der rosarote Panther 2 das komische Moment bei Sellers versteht, zeigt sich darin, dass die Manierismen von Peter Sellers oberflächlich imitiert werden, ohne das gedrosselte Tempo, das der Komik der Figur ihren Entfaltungsspielraum gibt, zu übernehmen. Inmitten Zwarts schneller Schnitte und seiner Brachialkomik nach Art eines vom Balkon fallenden, zappelnden Martin, die im Kontrast zu Edwards frühen subtileren Inszenierungen steht, findet ein eventuelles Schauspiel keinen Raum.

Der rosarote Panther 2

Dabei werden die vermeintlichen Gags auch durch ihre sinnfreie Wiederholung im Abstand von ein paar Szenen nicht lustiger; so etwa die Ankündigung des englischen Detektivs, sich in ein Tutu zu kleiden, falls sein Rivale Clouseau den Fall lösen sollte. Ob dies einer Nachlässigkeit beim Schnitt, oder der Geringschätzung des Zuschauers geschuldet ist, ist schwer zu sagen - zur Qualität des Films würde beides passen. 

Der rosarote Panther 2

Der rosarote Panther 2 ist weder ein eigenständig interpretierter Beitrag, noch ein Remake, das die Figur des Inspektor Clouseau stimmig in die Jetztzeit übersetzt. Versuchte Levys Film noch eine schlüssige Handlung zu erzählen, vermag die zweiminütige Nacherzählung der Handlungszusammenhänge bei Zwart kurz vor Filmende die innere Logik des dürftigen Handlungsgerüsts auch nicht mehr zu retten. Das nur aus Marketingsicht wohlüberlegte Starvehikel verzichtet ansonsten auf eine nachvollziehbare Figurenkonstellation zugunsten einer Überzeichnung der Hauptfigur. Die Sequenzen sind meist episodenhaft aneinandergereiht und suggerieren, dass es dem Film mehr auf krude Situationskomik denn auf nachvollziehbare Dramaturgie ankommt. Er hat der Pink-Panther-Reihe nichts Neues hinzuzufügen, außer ein neues Tief zu setzen, das sogar die späten Clouseau-Filme von Edwards noch unterschreitet. Oder, um es mit Steve Martins Clouseau zu sagen: „Smutschi-Wutschi“.

Trailer zu „Der rosarote Panther 2“


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