Der perfekte Ex

Detektivarbeit in Zeiten von Facebook und Twitter: Um nicht mit mehr als 20 Männern zu schlafen, sucht Ally unter ihren Ex-Freunden den Mann fürs Leben.

 

Der perfekte Ex 01

Glaubt man dem Film Der perfekte Ex (What’s Your Number), haben Frauenzeitschriften einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf ihre Leserinnen. Die frisch gefeuerte Ally (Anna Faris) liest in so einer Zeitschrift einen Artikel, der sie in eine tiefe Krise stürzt. Es geht darin um eine Studie, die besagt, dass jede Frau in ihrem Leben durchschnittlich mit zehn Männern schläft. Da Ally genau doppelt so viele Männer hatte, fragt sie bei ihren Freundinnen nach. Doch die haben gleich die nächste Weisheit aus einem ähnlichen Blatt parat: 96 Prozent der Frauen, die mit mehr als 20 Männern geschlafen haben, finden keinen Ehemann.

Da wir uns in einer Romantic Comedy befinden, ist Allys dramatisches Ziel naheliegend. Um auf keinen Fall die Zahl 20 zu überschreiten, versucht sie unter ihren Ex-Lovern den Mann fürs Leben zu finden. Unnötig zu erwähnen, dass diese Aufgabe zum Scheitern verurteilt ist und die ehemaligen Liebhaber entweder bereits vergeben oder totale Freaks sind. Wenn der Film Ally dabei folgt, wie sie versucht, mit ihren alten Freunden anzubandeln, scheitert sie mitunter auf komische Weise. In einer Szene trifft die tollpatschige Protagonistin auf einen Briten, der sie für eine Landsmännin hält. Sie spielt ihm das Klischee einer Engländerin so lange vor, bis es ihr mit zunehmendem Alkoholkonsum immer schwerer fällt, was schließlich in einem grotesken Fantasieakzent resultiert.

Der perfekte Ex 02

Seinen allzu konstruiert wirkenden Plot hat Der perfekte Ex aus dem Buch Twenty Times a Lady von Karyn Bosnak. Das persönliche Glück scheint darin weniger wichtig zu sein als die Erfüllung gesellschaftlicher Wertvorstellungen. Der Film lässt keinen Zweifel daran, dass eine Frau, die mit vielen Männern schläft, nicht ihre sexuelle Freiheit auslebt, sondern eine Schlampe ist. Mit dieser konservativen und prüden Ideologie unterscheidet er sich nicht wesentlich von den meisten romantischen Komödien.

Allerdings pflegt Der perfekte Ex für sein Genre zumindest teilweise einen verhältnismäßig offenen und detaillierten Umgang mit Sexualität. Ally verkehrt in einem mit der TV-Serie Sex and the City (1998–2004) etablierten Frauenstammtisch, bei dem die Teilnehmerinnen streng in Typen unterteilt sind, enge Designerkleider tragen und Prosecco trinken. Einmal unterhalten sich die Freundinnen etwa darüber, wie weit ein Mann in sie eindringen muss, damit es als „wirklicher“ Sex zählt.

Der perfekte Ex 03

Doch letztlich läuft auch Der perfekte Ex wieder nur darauf hinaus, seine Protagonistin unter die Haube zu bekommen. Während der gut aussehende und meist eher spärlich bekleidete Nachbar und Schürzenjäger Colin (Chris Evans) Ally bei ihrer Suche helfen soll, ist schnell klar, worin seine eigentliche Funktion besteht. Ganz nebenbei demonstriert der Film hier die Möglichkeiten von Amateurdetektiven in der heutigen Zeit. Neueste Informationen werden getwittert, Namen von Ex-Freunden gegoogelt und anschließend Nachrichten auf Facebook gepostet. Doch obwohl die gemeinsame Recherche das potenzielle Paar näher zusammen bringt, darf Ally mit Colin schon deshalb nicht schlafen, weil er Nummer 21 wäre.

Gegen Ende scheint sie dann zur Vernunft zu kommen und will einen Freund, der sie so akzeptiert, wie sie ist oder, wie sie selbst sagt: „Sometimes you can’t live life after numbers“. Aber schon im nächsten Augenblick schüttelt der Film eine Wendung aus dem Ärmel, die genau das widerlegt und letztlich doch die konservative Moral der Frauenzeitschriften siegen lässt. 

Trailer zu „Der perfekte Ex“


Trailer ansehen (1)

Kommentare

Es gibt bisher noch keine Kommentare.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.