Der Mongole

Sergei Bodrow startet seine Trilogie über Dschingis Khan mit einem aufwändig produzierten Historienfilm. Erzählt wird von der Jugendzeit und dem abenteuerlichen Aufstieg des Mongolenherrschers.

Der Mongole

Mit Filmen wie Freiheit ist ein Paradies (S.E.R. – Svoboda eto rai, 1989), Ich wollte Engel sehen (Ya khotela uvidet angelov, 1992) und Gefangen im Kaukasus (Kavkazskiy plennik, 1996) etablierte sich Sergei Bodrow in den neunziger Jahren als einer der spannendsten russischen Gegenwartsregisseure. Inmitten eines von Kriegen, Korruption und Kriminalität beherrschten Landes suchen Bodrows Figuren nach Menschlichkeit und persönlicher Freiheit. In seinen späteren Filmen wendete sich der Regisseur zunehmend von einem dezidiert russischen und sozialkritischen Kino ab und widmete sich internationalen und weitaus höher budgetierten Produktionen. Seinen letzten Film, das Historienepos Nomad (2005) über den kasachischen Volkshelden Ablai Khan, machte Bodrow zum opulenten Leinwandspektakel. Auch mit Der Mongole (Mongol), seinem neuesten Film, bleibt er dieser Tendenz treu und beschäftigt sich mit dem berühmt-berüchtigten Dschingis Khan.

Bis heute gehen die Meinungen über den Mongolenführer stark auseinander. Während ihn die einen zum Helden stilisieren, der die zersplitterten und miteinander verfeindeten mongolischen Stämme zu einem Volk vereinte, zählt er für andere zu den größten Massenmördern der Geschichte. In seiner Verfilmung stützt sich Bodrow auf die erste Lesart und inszeniert seinen Helden als Jesus-ähnliche Erlöserfigur, deren Schicksal bereits als Kind vorherbestimmt ist. Dabei konzentriert sich Bodrow auf die frühen Jahre des damals noch Temudzhin genannten Kriegers und endet mit dessen Ernennung zum Großkhan.

Der Mongole

Über weite Strecken basiert der Film auf historisch abgesicherten Fakten. So beginnt Der Mongole mit der überlieferten Brautschau, auf die Temudzhin mit seinem Vater geht und dabei die ein Jahr ältere Borte auswählt. Als sein Vater bei der Heimreise von den verfeindeten Tartaren vergiftet wird, erkennen dessen Gefolgsleute den Neunjährigen nicht als Nachfolger an. In den folgenden Jahren lebt Temudzhin (Tadanobu Asano) verarmt und zeitweise versklavt ein Nomadenleben, jedoch mit der Gewissheit, eines Tages Herrscher des mongolischen Reiches zu werden.

Bodrow macht aus dieser Geschichte einen Abenteuerfilm mit blutigen Massenkampfszenen und erhabenen Aufnahmen der mongolischen Landschaft. Seinen inhaltlichen Schwerpunkt legt er auf Temudzhins Beziehung zu zwei zentralen Personen in seinem Leben: seiner Frau Borte (Khulan Chuluun), von der Temudzhin die meiste Zeit getrennt ist, und Jamukha (Honglei Sun), seinem Blutsbruder aus Kindstagen, der später zu seinem erbitterten Erzfeind werden wird.

Dafür, dass der Film sich so ausgiebig zwischenmenschlichen Beziehungen widmet, mangelt es dem Protagonisten an Komplexität und einer differenzierten Charakterzeichnung. Mit dem ausdruckslosen Gesicht eines archaischen Kriegers hält sich der japanische Jungstar Tadanobu Asano den gesamten Film über mit Gefühlsregungen bedeckt und den Zuschauer auf Distanz. Selbst wenn an einigen Stellen im Film seine Stimme aus dem Off ertönt, dient das keiner Introspektion, sondern funktioniert vielmehr als objektive Erzählstimme.

Der Mongole

Wenn man das Leben einer historischen Persönlichkeit verfilmt, muss man damit rechnen, dass einige Zuschauer den Verlauf der Handlung bereits kennen. Da sich der Regisseur auf den Werdegang des Protagonisten konzentriert, ist er umso mehr gefordert, diesen spannend zu erzählen. Doch so wie Bodrow seinen Helden in Szene setzt, lässt er von Anfang an keinen Zweifel daran, dass Temudzhin sein Ziel, mächtiger Herrscher der Mongolen zu werden, erreichen wird. An keiner Stelle muss der Zuschauer wirklich Angst um Temudzhins Unversehrtheit haben, er ist seinen Feinden derart überlegen, dass jeder Sieg und jede Befreiung aus der Gefangenschaft zum Kinderspiel wird.

Abgesehen von einem etwas zu eindimensional dargestellten Helden, will Bodrow auch zu viel erzählen, verliert sich in Zwischenstationen und bricht die Kontinuität der Erzählung immer wieder durch den massiven Einsatz von Zeitsprüngen. Wenn Temudzhin etwa in Ketten gelegt aus der Gefangenschaft flieht, macht der Film gerade an jenem Punkt einen mehrjährigen Zeitsprung nach vorne, an dem man sich als Zuschauer fragt, wie er es schafft, sich zu befreien. Dieser Effekt stört nicht nur den Fluss der Handlung, sondern wirkt mitunter so, als wolle sich der Film um plausible Erklärungen drücken. Besonders für einen Film mit einer Laufzeit von über zwei Stunden gönnt Bodrow seinem Publikum wenig Augenblicke der Ruhe, um in die Geschichte hineinzufinden, und hechelt die Handlung stattdessen im Eiltempo herunter. Solche dramaturgischen Schwachstellen lassen sich dann auch nicht damit rechtfertigen, dass es sich hier um den ersten Teil einer Trilogie handelt, die erst nach zwei weiteren Filmen ihre wahre Vollendung erfährt.

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Kommentare


türk_mongole

Die Mongolen sind eine Abstammung der Türkvölker.


Snickerman

Was der Herr über mir meinte, sind Turkvölker, nicht Türkvölker...
Und die Mongolen bilden eine eigene ethnische und sprachliche Gruppe, die Turkvölker stammen nur aus der Gegend, bevor sie nach Westen aufbrachen.
Bestenfalls haben beide Gruppen gemeinsame Vorfahren, das wird noch in der Forschung diskutiert.
Unter den Nachfahren des berühmten Dschingis Khan zogen die Mongolen bis nach Europa und Vorderasien, wo sie auch die Rum-Seldschuken besiegten, so dass sich ein kleines Bayazit unter einem gewissen Osman I. später zu einem mächtigen Reich entwickeln konnte...






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