Der Krieg des Charlie Wilson

Mike Nichols erzählt in seinem neuen Film die wahre Geschichte eines texanischen Kongressabgeordneten, der eine der größten verdeckten Operationen des CIA in die Wege leitete.

Der Krieg des Charlie Wilson

 Anders als in seiner amerikanischen Heimat ist Charlie Wilson hierzulande weitgehend unbekannt. Der texanische Kongressabgeordnete initiierte 1980 die finanzielle und militärische Stärkung Afghanistans, um das Land von der Besatzungsmacht der verfeindeten Sowjetunion zu befreien. In den folgenden Jahren erhöhte das Verteidigungsministerium auf Wilsons Initiative hin das Jahresbudget für die Unterstützung Afghanistans von fünf Millionen auf eine Milliarde Dollar. Letztendlich führte die Hartnäckigkeit dieses zuvor eher unbedeutenden Politikers zum Abzug der sowjetischen Besatzungsmacht.

Da gerade das amerikanische Kino ein großes Bedürfnis nach Heldengeschichten hat, war es nur eine Frage der Zeit, bis dieser Stoff seinen Weg auf die Leinwand finden würde. Es ist bestimmt kein Zufall, dass Der Krieg des Charlie Wilson (Charlie Wilson’s War) gerade jetzt verfilmt wurde, da sich die Aufregung um den jüngsten Afghanistankrieg wieder ein wenig gelegt hat. Basierend auf dem gleichnamigen Buch von George Crile, adaptiert von Aaron Sorkin (The West Wing, 1999-2003) und unter der Regie von Mike Nichols (Hautnah, Closer, 2004) spannt der Film seinen Erzählbogen von Wilsons erster Konfrontation mit dem Krieg, von dem er zufällig durch die Nachrichten erfährt, bis zu seiner Ehrung für besondere Verdienste am Ende seiner Karriere.

Der Krieg des Charlie Wilson

 In Nichols’ Inszenierung entspricht der von Tom Hanks gespielte Charlie Wilson nur bedingt einem klassischen Helden. Zwar betont der Film immer wieder, wie verdienstvoll seine Leistung war, gleichzeitig wird Wilson aber als ein von Lastern und Schwächen beherrschter Mann dargestellt. Seine Vorliebe für Alkohol, Drogen und Prostituierte brachte ihn mehrmals in die Schlagzeilen. Bei Nichols tragen diese Laster maßgeblich zur Stilisierung der Figur bei und werden als sympathische und amüsante Wesenszüge inszeniert: Wilsons Arbeitsplatz etwa wirkt wie ein völlig irrealer Ort, an dem ausschließlich Frauen arbeiten, die wie Playmates aussehen, und der erste Scotch schon einmal um zehn Uhr morgens getrunken wird.

Doch diese Form der übertriebenen Stilisierung beschränkt sich nicht nur auf Wilson, sondern findet sich bei fast allen Rollen. Besonders Philip Seymour Hoffman als cholerischer CIA-Agent Gust Avrakotos sowie Julia Roberts als konservative und stets etwas grotesk gekleidete Wohltäterin Joanne Herrin wirken wie Figuren aus einem Kuriositätenkabinett. Nichols bedient sich zweifellos einer satirisch gefärbten Betrachtungsweise, die sich nicht nur in der Figurenzeichnung bemerkbar macht, sondern auch dadurch, dass ohnehin skurrile Situationen wie das Treffen zwischen Wilson und dem pakistanischen Diktator Zia ul-Haq durch subtile Situationskomik in ihrer Absurdität zusätzlich betont werden.

Der Krieg des Charlie Wilson

 Damit ist nur kurze Zeit nach Hunting Party – Wenn der Jäger zum Gejagten wird (Hunting Party, 2007) erneut ein amerikanischer Film in den Kinos, der reale, weltpolitische Ereignisse direkt aufgreift und mit komödiantischen Elementen inszeniert. Gerade in Hollywood, wo man auf reales Elend in der Regel mit einem Übermaß an Betroffenheit reagiert, ist so eine Vorgehensweise eher unüblich. Selbst die beißende Satire M*A*S*H (MASH, 1970) bezog sich zwar eindeutig auf den Vietnamkrieg, spielte aber in Korea. Nichols zeigt dagegen ganz unverblümt die Ironie, die in der Geschichte steckt, dass Amerika genau jenes Land unterstützt, das zu ihrem zukünftigen Feind werden soll. Der Krieg des Charlie Wilson bringt seinem Publikum aber auch politische und historische Zusammenhänge näher, ohne es durch eine lehrhafte Grundhaltung zu verprellen. Stattdessen integriert Nichols die Fakten in einen unterhaltsamen und leicht verdaulichen Film.

Es ist ein ambitioniertes Unterfangen zehn politisch sehr bewegte Jahre in einem 97minütigen Film unterzubringen und sich dann auch noch Zeit für Szenen zu nehmen, in denen sich das komödiantische Potential der Schauspieler entfalten kann, wie bei der ersten Begegnung zwischen Wilson und Avrokotos. Es wirkt allerdings nicht wirklich konsequent, dass der Film einerseits als überdrehte Satire mit karikaturhaften Figuren inszeniert ist, gleichzeitig aber durch Textinserts auf die Authentizität des Gezeigten verweist. Mit der Realität verbindet man das Gesehene wohl kaum. Selbst die einzige direkte Konfrontation Wilsons mit den Auswirkungen des Krieges in einem afghanischen Flüchtlingslager ist nichts weiter als eine esoterische Erleuchtungsszene.

Am Schluss des Films werden Wilson sogar noch seherische Kräfte unterstellt. Nicht nur, dass er die spätere Machtergreifung der Taliban geahnt hätte, mit seiner Hilfe hätte man sie auch verhindern können. Mit dieser plumpen Polemik versucht der Film ein weiteres Mal, die Aktualität und Brisanz seiner Geschichte zu beweisen.

Trailer zu „Der Krieg des Charlie Wilson“


Trailer ansehen (1)

Kommentare

Es gibt bisher noch keine Kommentare.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.