Der Kaufhaus Cop
Eine Komödie über Beweglichkeit und zugleich deren genaues Gegenteil. In der Titelrolle rast Kevin James durch ein Einkaufszentrum und eine Reihe lahmer Gags.
Eigentlich wäre Paul Blart (Kevin James) gerne Polizeibeamter geworden. Anders als in Police Academy (1984), den Steve Carr am Anfang seines Films zitiert, wird hier für diesen Beruf aber nicht jeder zugelassen. Denn körperlich bringt es der beleibte Paul Blart nicht und fristet daher seit dem versiebten Aufnahmetest sein Dasein als Sicherheitswachmann in einem Einkaufszentrum. Doch Paul Blart lässt sich nicht unterkriegen, den täglichen Erniedrigungen zum Trotze lebt er ganz nach einem emsig verinnerlichten Ehrenkodex und geht im Kaufhaus auf Streife. Zu schnell fahrenden Greisen auf elektrischen Rollstühlen droht dabei gerne mal der Strafzettel. Als eine Gaunertruppe mit allerlei Hi-Tech-Firlefanz die Mall besetzt und Geiseln nimmt, darunter Blarts Tochter (Raini Rodriguez) und seine Traumfrau (Jayma Mays), kann er sich endlich bewähren.
Entfernt angelehnt ist das Szenario an einen weiteren 80er-Evergreen, Stirb langsam (Die Hard, 1988), und Der Kaufhaus Cop versucht eine Menge Humor aus der Tatsache zu ziehen, dass Kevin James Bruce Willis nicht im Geringsten ähnelt. Überhaupt kreisen so einige Gags um Fehltritte und vermeintliche Frustrationen vollschlanker Menschen, die in der Mall ständig mit dem dünnen Schönheitsideal konfrontiert werden. Man mag den Willen von James bewundern, sich hier immer wieder als Zielscheibe anzubieten. Leider aber wiederholen sich Szenen übers Essen als Liebesersatz und die körperlichen Limitationen Blarts einfach zu oft. Und auch der Slapstick verliert schnell seinen Reiz, besteht dieser hier doch überwiegend darin, ihn umfallen oder gegen räumliche Widerstände laufen zu sehen.
Anders als es der Kinozuschauer vielleicht gewöhnt ist, sind es keine Zombies, die in das Kaufhaus einfallen, sondern größtenteils nicht minder herzlose Akrobatiker mit einer gewissen Vorliebe für den Parkour-Sport. Ihnen entkommen kann Blart nur auf seinem Segway-Elektroroller, ein absurdes Gefährt, das es als Gimmick durchaus verdient hat, ins Zentrum einer Komödie gerückt zu werden. Dennoch fehlt dem Film auf weiten Strecken die visuelle Dynamik, die man sich für ein solches Kaufhaus-Katz-und-Mausspiel erhofft hätte. Einmal fährt Blart in Zeitlupe auf seinem Roller – und jederzeit erwartet man auch eine gleichermaßen verlangsamte Trainings- oder Aufrüstungsmontage, wie man sie aus dem Actionkino der 80er Jahre kennt. Die kommt nicht, wohl aber Survivor und ähnliche 80er-Musik auf dem Soundtrack. Wer weiß, vielleicht hätte Der Kaufhaus Cop besser funktioniert, wenn er sich an einer konsequenteren Pastiche der Filme dieser Ära versucht hätte.
Darsteller und Co-Drehbuchautor Kevin James, der vielen bekannt ist aus der Serie King of Queens (1998-2007) und hier erstmals allein ein Cast anführt, darf hier nicht mehr als den freundlichen Loser geben, der es mit unbändigem Willen schafft, die Gauner in die Flucht zu schlagen. Man hätte ihm eine Rolle gewünscht, die im positiven, weniger offensichtlichen Sinne „fleischig“ ist. Ein paar durchaus witzigen Momenten zum Trotz weiß Der Kaufhaus Cop im Ganzen nur bedingt zu beglücken. Mit Komödien dieser Art wird Adam Sandlers Produktionsfirma Happy Madison wohl weiterhin die zweite Geige spielen müssen neben Judd Apatow und Co., die Maßlosigkeit und schlechten Geschmack oftmals mit mehr Einfallsreichtum zelebrieren.
Filmkritik von Katharina Stumm
Veröffentlicht am 16.03.2009
Kommentare zu Der Kaufhaus Cop
Alv_8 09.04.2009 00:48
Also ich fand den Film teils witzig und
originell. Doch eines hat mich einfach
ganze zeit gestört, und zwar wie die Arbeit der Polizei dargestellt wird: Ein kleines Mädchen spaziert einfach ins angeblich umringte Gebäude ein und wird dadurch in Gefahr gebracht und auch der Geiselnehmer selbst kann ohne Probleme mit einem Truck entkommen. Und auch das verhalten der Polizei war oft nicht richtig, so kam kein Helikopter zum Einsatz... Naja trotzdem hat dieser Film viel in sich gehabt und war keine verschwendung!
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Film-Angaben
Titel: Der Kaufhaus Cop
Originaltitel: Paul Blart: Mall Cop
USA 2009
Laufzeit: 91 Minuten
Altersfreigabe: ab 6 Jahren
Regie: Steve Carr
Drehbuch: Kevin James, Nick Bakay
Produktion: Kevin James, Adam Sandler, Jack Giarraputo, Todd Garner, Barry Bernardi
Bildgestaltung: Russ T. Alsobrook
Montage: Jeff Freeman
Musik: Waddy Wachtel
Darsteller: Kevin James, Jayma Mays, Keir O’Donnell, Bobby Cannavale, Stephen Rannazzisi, Shirley Knight
Kinostart: 26.03.2009
DVD-Angaben
Titel: Der Kaufhaus Cop
Vertrieb: Sony Pictures
Bild: 1,85:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Altersfreigabe: ab 6 Jahren
Spieldauer: 86 Minuten
Extras: [Leih-DVD]: Audiokommentar mit Kevin James und Produzent Todd Garner; Entfallene Szenen; Featurettes; Trailer; [Kauf-DVD]: Audiokommentar mit Kevin James und Produzent Todd Garner; Entfallene Szenen; Featurettes (Kevin James: Kein Durchschnitts-Kaufhaus Cop, Stunts, Aufnahmen im Einkaufszentrum, Am Set mit Mike „Rooftop“ Escamilla, Spaß am Set, Mike V. vs. Kaufhaus Cop, Mike V. vs. Kaufhaus Cop - die Antwort, Free Running vs. Parkour, Einige Gedanken von Kevin James, Zucker!, Action-Sports-Junkies); Trailer
Verleih ab: 06.08.2009
Verkauf ab: 03.09.2009
Copyright Der Kaufhaus Cop
Fotos: © Sony Pictures
BERLINALE 2012

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