Der Date Profi
Billy Bob Thornton und Jon Heder liefern sich hier eine als Komödie inszenierte Schlacht unter Männern, die vielleicht eine zynische Bestandsaufnahme moderner Männlichkeit ist. Komisch ist sie jedenfalls nicht.

Wecke den Löwen in dir! Ganz zu Anfang fragt Dr. P. (Billy Bob Thornton) seine neuen „Schüler“, ob sie ein Selbsthilfebuch besäßen. Natürlich melden sich alle, und dürfen sich sogleich eine Beschimpfung anhören: Ihr Selbst sollten sie besser ignorieren, dem sei nicht zu helfen: „Your self sucks!“
Das ist in etwa das Maß an Menschenfreundlichkeit, das man von Dr. P. erwarten kann, und seine Schüler möchte er gerne zu ähnlich unangenehmen Wesen erziehen. School for Scoundrels heißt Der Date Profi im Original: „Schule für Schurken“. Selbsthilfe durch Demütigung, darum geht es in diesem Film, denn natürlich ist Dr. P.s Spezialklasse, die nur ausgewählten Losern zugänglich ist, doch irgendwie Hilfe zur Selbsthilfe. Nur sollte man besser nicht zu genau aufpassen: Als der ziemlich ungelenke und peinliche Roger (Jon Heder) sich unversehens zum Klassenprimus mausert, der nicht nur die Demütigungen nicht mehr hinnehmen mag, denen er als männliche Politesse ausgesetzt ist, sondern auch noch Erfolg bei seiner großen Liebe Amanda (Jacinda Barrett) hat, stachelt das Dr. P.s Kampfgeist an. Der smarte Zyniker ertrickst sich ein Date mit Amanda, und fortan kämpfen P. und Roger mit harten Bandagen.

Der Film inszeniert die beiden Kombattanten als zunächst unvereinbare Gegensätze: hier der elegante P., mit kantigen Gesichtszügen, Kurzhaarfrisur und schicken Anzügen, dort der schlaksige, unbeholfene Roger in seinen kurzen Hosen und wenig geschmackvollen Hemden. Natürlich ist vor allem Heders Physiognomie für diese Rolle nahezu perfekt, mit seinen weichen Gesichtszügen und dem scheinbar immer leicht offen stehenden Mund. Schon als Titelfigur des wunderbaren Napoleon Dynamite (2004) spielte er ein wenig auf dieser Schiene, nur gehen seinem Roger all die Eigenschaften ab, die Napoleon zu einer sympathischen Figur machten.
In der Auseinandersetzung zwischen Roger und P. geht es, und das ist symptomatisch für den ganzen Film, nie wirklich um Amanda – sie ist nur ein MacGuffin, ihre Position im Film könnte genauso gut von einem hässlichen Stoffelefanten eingenommen werden. Allein um Amandas Mitbewohnerin wäre es dabei schade, die grandios gemein von der hierzulande eher unbekannten Komikerin Sarah Silverman gespielt wird. Sie ist die einzige Figur, die von etwas wie Selbstbewusstsein angehaucht wurde.

Die beiden Hauptfiguren von Der Date Profi hingegen sind nichts als Paradebeispiele für dysfunktionale Männlichkeit, von Arroganz und Alphatierverhalten ohne jede Substanz. Das soll komisch sein, ist es aber leider nur äußerst selten. Wenn sich die beiden auf dem Tennisplatz gegenseitig die Bälle und Schläger um die Ohren und in die Weichteile dreschen, wenn P. Amandas Wohnung verwüstet und das Roger in die Schuhe schiebt, dann ist das vor allem deshalb nicht komisch, weil es so unglaublich armselig ist.
Nun hat es in den letzten Jahren einige Komödien gegeben, die sich mit den Schwierigkeiten wenig selbstbewusster Männer vor allem im Umgang mit dem weiblichen Geschlecht beschäftigt haben. Jungfrau (40), männlich, sucht … (The 40 Year Old Virgin, 2005) etwa, oder Hitch – Der Date-Doktor (Hitch, 2005), dem sich der Film mit seinem deutschen Verleihtitel als verwandt andient. Diese Filme zeichnen sich dadurch aus, dass sie Figuren zeigen, die trotz ihrer offensichtlichen Schwächen noch sympathisch und liebenswert sind: Ihr größter Fehler ist zumeist das fehlende Selbstwertgefühl.

In Der Date Profi kann davon keine Rede sein; Roger und P. übererfüllen, das ist die Crux des Films, das Männlichkeitsbild, das P. in seinem „Unterricht“ predigt. Sei cool und negativ und aggressiv, das ist ihr selbst auferlegtes Verhaltenscredo, das aber nie wirklich zu Ende gedacht oder durchgehalten wird: Fight Club (1999) für Arme. Und dann, das ist natürlich im Vergleich zu Komödien wie Hitch das entscheidende Problem, ist das Ganze nicht einmal komisch.
Denn nicht nur gibt das Drehbuch nichts her und ist die Inszenierung allzu konventionell – anders als etwa bei Starsky & Hutch (2004), dem vorherigen Film von Regisseur Todd Phillips. Frauen kommen in Der Date Profi auch nur als reines Objekt der Begierde vor, die allerdings groß und nur auf sie gerichtet ist – Männlichkeit ist hier rein heterosexuell gedacht. Dazu passt, dass es einige sehr fragwürdige „Scherze“ über Homosexualität gibt, die P.s breitschultrigen, schwarzen Gehilfen (Michael Clarke Duncan) betreffen.

Wenn Roger sich dann zum Schluss hin zu einer jüngeren, weniger eleganten Variation auf Dr. P. entwickelt hat – ganz der Musterschüler, der noch nachtritt, wenn der Gegner bereits am Boden liegt – dann geht auch die letzte Identifikationsfigur flöten, die der Film vielleicht noch geboten hätte.
Aber womöglich ist der Film dann doch noch subversiver angelegt und betreibt gezielt die Destruktion der Männlichkeitsvorstellungen, die er nur vermeintlich im Rahmen einer Komödie darbietet: Dann wäre das ganze Theater, bei dem am Ende all die Lügner und Betrüger, selbstbewusst oder verklemmt, herzlich abstoßend wirken, eine gut getarnte, zynische Bestandsaufnahme des modernen Mannes in der Krise. Der Löwe, vor dem sich P. und Roger ganz zuletzt noch einmal treffen, ist schließlich ausgestopft und steht im Museum.
Nur eine Alternative, die müssen andere Filme liefern.
Filmkritik von Rochus Wolff
Veröffentlicht am 02.08.2007
Kommentare zu Der Date Profi
Michael 02.08.2007 13:51
Der deutsche Titel ist nicht wirklich toll. Warum versucht man den Film durch den Titel als einen zweiten "Hitch" zu verkaufen?
Martin Z. 11.04.2010 12:49
Der Originaltitel ist etwas aussagekräftiger: ’Eine Schule für Schurken’, denn das Ziel der Ausbildung ist es, ein rücksichtsloser, egoistischer Macho zu werden, dem in Zukunft alles gelingt, weil er sich alles einfach nimmt. Dass es dazu etwas fragwürdiger Methoden bedarf, ist klar und manche Episoden sind auch etwas an den Haaren herbeigezogen. Man ahnt den Fake schon bald (erinnert sich an ähnliche Spielchen aus anderen Filmen), auch das Ende der Love Story. Trotzdem ist es mittelprächtige Unterhaltung, die im Abspann noch zur Höchstform aufläuft und schmunzelnd den ironischen Zeigefinger hebt.
Hinterlassen Sie hier Ihre Meinung oder Anmerkungen zu Der Date Profi. Kommentare werden in der Regel innerhalb eines Tages freigeschaltet.
Kommentar schreiben
Blog: Berlinale im Dialog

Verfolgen Sie das Festivalgeschehen der Berlinale auch im deutsch-französischen Berlinale-Blog des DFJW auf critic.de/berlinale-im-dialog
Film-Angaben
Titel: Der Date Profi
Originaltitel: School for Scoundrels
USA 2007
Laufzeit: 97 Minuten
Regie: Todd Phillips
Drehbuch: Todd Phillips, Scot Armstrong
Produktion: J. Geyer Kosinski, Daniel Goldberg
Darsteller: Jon Heder, Billy Bob Thornton, Jacinda Barrett, Michael Clarke Duncan
Kinostart: 02.08.2007
DVD-Angaben
Titel: Der Date Profi
Vertrieb: Universum Film
Bild: 2,35:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Englisch
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Spieldauer: 97 Minuten
Extras: Making Of You Didn´t See On TV; Gag Reel; Alternatives Ende
Verleih ab: 05.12.2007
Verkauf ab: 07.01.2008
Copyright Der Date Profi
Fotos: © Senator
BERLINALE 2012

Unser Special zur Berlinale 2012 - mit Kritiken, Empfehlungen und Trailern. www.critic.de/berlinale/
Berlinale 2012: Empfehlungen
Filmempfehlungen für Forum, Forum Expanded und Panorama der 62. Internationalen Filmfestspiele Berlin. weiter
Christoph Terhechte: abhängig, ohne Verpflichtungen
Interview mit Christoph Terhechte. weiter
Aktuelle Filme
Aujourd'hui
R: Alain Gomis
Extrem laut und unglaublich nah
R: Stephen Daldry
Leb wohl, meine Königin!
R: Benoît Jacquot
Hugo Cabret
R: Martin Scorsese
Neu im Kino
09.02.2012
Die Unsichtbare
R: Christian Schwochow
Der Junge mit dem Fahrrad
R: Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne
Hugo Cabret
R: Martin Scorsese
In Darkness - Eine wahre Geschichte
R: Agnieszka Holland
Black Gold
R: Jean-Jacques Annaud
02.02.2012
Moneyball
R: Bennett Miller
Die Summe meiner einzelnen Teile
R: Hans Weingartner
Underworld Awakening
R: Måns Mårlind, Björn Stein
Dame, König, As, Spion
R: Tomas Alfredson
Demnächst im Kino
Gefährten
R: Steven Spielberg
Extrem laut und unglaublich nah
R: Stephen Daldry
Don 2
R: Farhan Akhtar
Take Shelter - Ein Sturm zieht auf
R: Jeff Nichols
Shame
R: Steve McQueen
Beauty
R: Oliver Hermanus
Das Turiner Pferd
R: Béla Tarr
Der Schnee am Kilimandscharo
R: Robert Guédiguian
Viva Riva
R: Djo Munga
Kaddisch für einen Freund
R: Leo Khasin
Der Preis
R: Elke Hauck
Young Adult
R: Jason Reitman
Der perfekte Ex
R: Mark Mylod
Der König von Bastøy
R: Marius Holst
Kill Me Please
R: Olias Barco
Martha Marcy May Marlene
R: Sean Durkin
Das Leben gehört uns
R: Valérie Donzelli
UFO in Her Eyes
R: Xiaolu Guo
Beloved
R: Christophe Honoré
The Yellow Sea
R: Na Hong-jin
Leb wohl, meine Königin!
R: Benoît Jacquot
Neu auf DVD
Crazy, Stupid, Love.
R: Glenn Ficarra, John Requa
Sieben Tage Sonntag
R: Niels Laupert
Boardwalk Empire Season 1
R: Timothy Van Patten, Allen Coulter ...
Aktuell im TV
Mulholland Drive
Sa 11.02, 21:45 Uhr, EinsExtra (ARD digital)
Waltz with Bashir
Nacht von Sa auf So, 11.02-12.02., 02:35 Uhr, arte
Cincinnati Kid
So 12.02, 20:15 Uhr, arte
Neandertal
So 12.02, 20:15 Uhr, kultur (ZDF digital)
L.A. Confidential
Nacht von Mo auf Di, 13.02-14.02., 02:00 Uhr, arte
















2 Kommentare