Dèmoni 2... l'incubo ritorna

Die Party in einem Hochhaus eskaliert, als Dämonen aus dem Fernseher steigen. Für die Zuschauer eines Horrorfilms beginnt der Lauf ums eigene Leben, doch für den Zuschauer von Dèmoni 2 fängt der Spaß erst an.

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Der geneigte DMAX-Zuschauer wird sich vielleicht erinnern: In der Sendung um den Tattooshop Miami Ink wurde nicht einfach gezeigt, wie Farbe unter die Haut gestochen wurde, sondern die Bedeutung der Bilder wurde beständig menschelnd ausgeleuchtet. Geliebte Menschen, Einflüsse und Inspirationen wurden verewigt, und lebensverändernder Momente wurde gedacht. Kein Tattoo, das nicht emotional aufgeladen oder aber rationalisiert worden wäre. Bis in einer Folge ein Mädchen in den Shop kam und einfach nur einen Zombiearm tätowiert haben wollte. Comichaft stilisiert in Grün und mit heraushängendem Knochen. Selbst für den Tätowierer war das eine kleine Erlösung: Einfach nur mal Spaß gehabt.

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Einen ähnlichen Effekt hält Lamberto Bavas lose Fortsetzung seines Kinomassakers Dèmoni für uns bereit. Ohne groß Aufhebens darum zu machen, bringt Dèmoni 2 … l’incubo ritorna  alle davor elegant aufgebauten Metaebenen zum Einsturz und gibt sich grenzenlosem wie schleimigem Spaß hin. Denn spätestens wenn ein kleiner, arg an einen Gremlin erinnernder und aus einem Kind geschlüpfter Dämon mit dem spitzen Ende eines Regenschirms durch eine Wand gedroschen wird, sollte klar sein: Die Tagline des US-Filmplakats, „Let’s party“, ist sehr ernst zu nehmen.

Das schleichende Hochhaus des Metahorrors

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Den Zugang zu Dèmoni 2 baut Bava aber ganz barock. Sich anschleichende Hinkefüße, langgezogene, düstere Gänge, blinkende Messer. In einem Hamburger Hochhaus blüht das Leben. Eine Party beginnt. Ein Junge wartet auf die Rückkehr seiner Eltern. Eine Familie isst zu Abend. Einige Paare genießen auf diverse Arten die Dämmerstunden. In flüchtigen Sequenzen werden sie vorgestellt. Ständig wechseln die Etagen, die Orte, die sozialen Gegebenheiten, aber wohin unser Blick auch gelenkt wird, überall lauert der Tod. Die Motive, die Lamberto Bava nutzt, sind dabei alles andere als neu. Der steckenbleibende Fahrstuhl, die langen Schatten, die Personen einen Flur entlang werfen oder die in allen Ecken lauern. Aber die Eleganz, mit der er die Atmosphäre des nahenden Grauens aufbaut, nimmt einen erst sanft und anschmiegsam in den Arm und packt dann immer wieder zu, ohne Erlösung zu bieten. Ganz beharrlich bringt Bava die Handlung an den Rand des Sturmausbruchs, aber genauso stetig macht er nur Späße mit dem Zuschauer. Lange Zeit sind wir die Beute und Dèmoni 2 die Katze, die höchst charmant mit uns spielt.

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Zusammengehalten werden die verschiedenen Stränge durch einen parallel in einigen Wohnungen laufenden Horrorfilm im TV. Er wirft sein Licht unheilig auf den einsamen Jungen in dem dunklen Raum, ein Licht, das bedrohlicher ist als die Dunkelheit. Die Unschuld, auf die es zu treffen scheint, korrumpiert es. Das Kinderspielzeug wirkt unheilvoll verlassen und gleichzeitig diabolisch. Der Blick auf ein Medium mit einer solchen Wirkung ist, wie könnte es anders sein, vollauf gebannt. Die Augen der Figuren hängen unlösbar am Bildschirm, während die Geschehnisse in Film und in Film-im-Film interagieren. Mal sind die Schrecken in der Realität von Dèmoni 2 Echos der Schrecken auf der Mattscheibe. Oder gerade der Film bietet den Charakteren Erlösung von ihrer bitteren Lebenssituation. So sehr der Film-im-Film aber die Realität im Film in seinen Klauen zu haben scheint, so sehr ist dies auch nur Teil des Spiels, das Dèmoni 2 sehr offensichtlich mit uns treibt. An einer Stelle tropft eine rote Flüssigkeit auf die blitzende Klinge eines Messers. Ein Mörder scheint anwesend zu sein, bis die Kamera uns ein umgefallenes Marmeladenglas zeigt. Verfolgt der Film-im-Film seine Zuschauer, weil Dèmoni 2 ernsthaft den Einfluss von Filmen auf die Realität zeigen will, weil so die Distanz zwischen Gezeigtem und uns als Zuschauer verringert werden soll, oder ist es ironische Brechung? Gerade diese Unbestimmtheit lässt uns freie Hand, spielerisch mit den Bedeutungsebenen umzugehen.

Party on!

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Selbstverständlich werden die Dämonen, auf die die Film-im-Film-Figuren in der Nichtwelt einer Hochhausruine treffen, aus dem Fernseher ausbrechen und über die Leute im uns bekannten Hochhaus herfallen. Den Weg finden sie ebenso selbstverständlich über einen der Zuschauer. Einen, der vielleicht etwas zu viel bei der Gewalt grinst und diese vielleicht zu genussvoll auf eine bestimmte Person projiziert. Und damit endet dann (fast) jedes Zusammenspiel zwischen Film und Film-im-Film. Denn Etage auf Etage, Haushalt auf Haushalt wird in das sich ausbreitende Inferno eingeschlossen. Der Korken knallt, und die Säfte – Schleim und Blut – fließen.

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Die Bodybuilder und andere Fitnessstudioinsassen, mit denen Dèmoni 2 die erste Hälfte nichts anfangen konnte, werden nun tragende Figuren. Denn jetzt geht es um Körper und um Handeln, dem keine Überlegungen mehr bleiben. Eine wilde Hatz entsteht, in der Barrieren so kopflos gebaut wie überhastet wieder eingerissen werden. Die Fassade der Hausbewohner bröckelt. Ihre kleine Welt, in der sie sich sicher und als Herr über ihr Schicksal fühlten, zerfällt und lässt absurd hilflose Wesen zurück. Das Chaos übernimmt, und alles wird genussvoll zerstört … aber mit derselben Eleganz, mit der Lamberto Bava schon den Aufbau tätigte. Weshalb einem Dèmoni 2 im Grunde zwei Filme bietet. Der Teil, der eine wunderschöne Welt mit mehreren doppelten Böden aufbaut, der den Höhepunkt der losströmenden Dämonen/Zombies lustvoll zurückhält, und der Teil, der es einfach nur so sprudeln lässt, der jedes Gebot des guten Geschmacks fahren lässt … und sich damit eben auch jeden niederdrückenden Überbau von den Schultern wirft. Der es einem erlaubt, frei zu atmen.

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Als einer der letzten Achtungserfolge des italienischen Genrekinos steht Dèmoni 2 dabei in einer beispiellosen Tradition. Italienische Regisseure und Produzenten hingen sich in den 80ern  an jeden Erfolg Hollywoods und drehten singuläre Werke, die vom Ruhm von Rambo, Alien, Star Wars und so weiter profitieren wollten. Lamberto Bava und sein Produzent und Co-Drehbuchautor Dario Argento machten hier im Grunde nichts anderes und schufen ein eigenwilliges Remake von Cronenbergs Shivers, das sie mit etwas Videodrome- und Gremlins-Anleihen versahen. Aber einen entscheidenden Unterschied hat das Ganze: Wo Cronenbergs Film einem Unwohlsein in Glieder und ins Gedärm bescherte, da erleichtern Bava und Argento sich und den Zuschauer, sie lösen Krämpfe mit einer lebenswichtigen Portion Quatsch.

Trailer zu „Dèmoni 2... l'incubo ritorna“


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