Déjà Vu - Wettlauf gegen die Zeit

Ein Polizist ermittelt den Zusammenhang zwischen dem Tod einer jungen Frau und der Explosion einer Großraumfähre. Doch wieso den Fall nur aufklären, wenn man ihn doch in der Vergangenheit verhindern und so noch das Herz der Dame erobern kann?

Déjà Vu - Wettlauf gegen die Zeit

Eine gewaltige Schiffsexplosion. Wenig später kreisen Hubschrauber über Wrack und See, die Marine ist im Einsatz. Schließlich taucht Denzel Washington auf. Wieder ist er ein Cop in dieser Mischung aus Al Pacino und Sidney Poitier, mit einem Hauch Noir-Erfahrung bei Carl Franklin. Einige Szenen später sitzt dieser Polizist der Alkohol-, Tabak- und Feuer-Abteilung in einem ungewöhnlichen Arbeitsraum. Scheinbar improvisiert und doch futuristisch ist dieser Ort, an dem sich neben FBI-Ermittler Pryzwarra (Val Kilmer) noch eine Gruppe Elitestudenten aufhält. Zu diesem Zeitpunkt scheint die dramaturgische und genretechnische Ausrichtung des Films völlig offen.

Déjà Vu - Wettlauf gegen die Zeit

Doug Carlin (Washington) schaut auf eine Projektion und sieht Bilder der mittlerweile verstorbenen Claire (Paula Patton). Sein Blick und seine unumwundene Faszination erinnern an Otto Premingers Laura (1944). Auch dort verliebt sich ein Polizist in das Antlitz des Opfers eines Mordfalls. Regisseur Tony Scott zieht mit diesem Bezug die Option auf einen melodramatischen Neo-Noir. Parallel perspektiviert diese Sequenz den Themenkomplex Zentralüberwachung, womit Déjà Vu - Wettlauf gegen die Zeit (Déjà Vu) auf die Tradition des Paranoiathrillers verweist. Dessen letzter populärer Auswuchs stammt von Tony Scott: Staatsfeind Nummer Eins (Enemy of the State, 1998). Allerdings stellt sich bald heraus, dass es hier weniger um Videoüberwachung, als um einen Blick in die Vergangenheit geht. So soll es möglich sein, Verbrechen verhindern zu können, bevor sie geschehen. Verbunden mit der Inszenierung von Mischpult und Schirm liegt die Assoziation Minority Report (2002) nahe. Auch in Spielbergs Werk sollen Verbrechen vor der eigentlichen Tat verhindert werden, nur am anderen Ende der Zeitlinie: in der Zukunft. Dies ist der richtungsweisende Moment von Déjà Vu.

Déjà Vu - Wettlauf gegen die Zeit

Da man sich nun also mit Zeitebenen beschäftigt, deutet der Film schon bald den konsequenten nächsten Schritt an: Zeitreisen. In diesem Subgenre des Science Fiction Films entstehen häufig Werke mit Kultstatus, was vor allem auf etliche Beispiele aus den achtziger Jahren zutrifft. Sowohl Zurück in die Zukunft (Back to the Future) als auch die ungewöhnliche Themenvariation Highlander, beide aus dem Jahr 1985, zogen mehrere Fortsetzungen nach sich. Selbst so inszenatorisch schlichte Werke wie Das Philadelphia Experiment (1984) beziehen ihren Reiz unter anderem aus einem bestimmten Zeitkolorit. Sie können auf genauso eingefleischte Fangruppen wie Terry Gilliams skurriler Time Bandits (1981 verweisen. Den Klassiker des Subgenres stellt sicherlich Die Zeitmaschine (The Time Machine, 1960), basierend auf H. G. Wells’ kanonisiertem Science-Fiction-Werk aus dem Jahr 1895, dar.

In dieses Bezugsfeld setzt sich Jerry Bruckheimers Produktion letztlich, denn tatsächlich steht die Idee, Gegenstände oder gar Menschen in die Vergangenheit zu entsenden, im Zentrum der Handlung. Die besondere inszenatorische Herausforderung besteht darin, ein futuristisches Szenario im Jetzt zu verankern, denn auch der Sprung in die Vergangenheit bietet keine optische Abwechslung, handelt es sich doch nicht um eine vergangene Epoche, sondern nur eine zeitliche Rückdatierung von wenigen Tagen. Die klassische Zeitreisen-Frage „wie verändert sich eine bestimmte Zeitebene, wenn ich von einer anderen in sie eingreife?“ drängt sich auf. Die resultierenden Veränderungen werden in den Filmen häufig durchdekliniert, doch auch dies zeigt Scott nicht in ständigen Variationen, sondern nur einmal, im Finale. Eine entscheidende Akzentverschiebung gegenüber den literarischen und filmischen Klassikern liegt jedoch im Umgang mit dem moralischen Dilemma: Darf man die Vergangenheit überhaupt verändern, um auf die Gegenwart und Zukunft einzuwirken? Und wenn ja, zu welchem Preis? Diese Dimension existiert bei Déjà Vu kaum.

Déjà Vu - Wettlauf gegen die Zeit

Tony Scotts Filme sind vor allem als rhythmisierte Bilder, als Bewegung und Montage zu verstehen. An die Ursprünge in Malerei und Fotografie, wie sie auf unterschiedlichste Weise in den Bildkompositionen etwa Fritz Langs oder Stanley Kubricks allgegenwärtig sind, erinnern sie kaum. Wo sich die Themen und Motive beider Regisseure in den unterschiedlichsten Genres etablierten, muss sich bei Tony Scott das Genre dem Regisseur und dessen Erzählkonzept anpassen. Während er in Mann unter Feuer (Man on Fire, 2004) die Ikonografie der Exploitation-Rachegeschichte versatzstückhaft als Instrumentarium für eine reigenartige Aufblähung ins rauschhaft-übersteigert Epische nutzen konnte, schreit die Zeitreisegeschichte jedoch nach einer visuellen Idee, die sich auch in einzelnen Einstellungen niederschlägt. Im Gegensatz zu Kubrick, der jedes Genre nach dessen Grenzen auslotete, scheint sich Scott für Gattungen und ihr ureigenes optisches Repertoire nicht zu interessieren.

Doch was hat es eigentlich mit dem Titel auf sich? Im Trailer setzte eine Stimme zur Erklärung des Phänomens an. Von einer Weiterführung im Film kann, abgesehen vom wiederholt erscheinenden Logo, nicht die Rede sein, erst in der letzten Szene lässt sich ein Bezug erahnen. Setzt man Trailer und Film allerdings in ein Verhältnis, erhält man die Definition: Déjà Vu ist eine Täuschung.

Kommentare


Reini Urban

Typischer Tony Scott Film. Reisserisch, reaktionär, visuell, schlechte Hauptdarsteller, aber diesmal ganz ok.

Aber das moralische Dilemma, ob man eingreifen darf, und die physikalischen Implikationen werden sehr wohl durchdekliniert und sind das eigentliche Hauptthema des Filmes.

=> Man hat die moralische Pflicht einzugreifen, auch wenn die Folgen auch sich selbst in der anderen Parallelwelt betreffen.
Die Auflösung ist simpel und betrifft nur die geänderte Welt, nicht aber die ursprüngliche.


Claudia

Als ich Deja vu sah war ich von Anfang gefesselt. Habe mitgefiebert. Ich fand ihn sehr kurzweilig. Nur wer auf solche Filme steht findet ihn auch gut, andere bestimmt nicht. Ich kann nur sagen, der Film hat mich sehr berührt und würde jederzeit wieder anschauen. Meine Empfehlung: ANSCHAUEN.


robert

ich fand den film schwer übertrieben... wiedermal mit hilfe eines wurmlochs in die verganenheit zu reisen... ein alter hut der wirlich neimanden mehr beeindruchen kann! wer auf sowas steht sollte sich ihn angucken dar die geschichte (abgesehen von dem zeit reise müll) garnichtmal sooo schlecht ist... ist aber eher was für nen freitag abend im tv als auf der grossen leinwand für 7€


dennis

Ich Finde den Film von anfang bis zum Ende Einfach nur Klasse,wer anders denkt soll sich zuhause Sissi im TV angucken.Und an alle anderen zieht euch den film im kino an!!!


Fredo

Der Film IST absolut übertrieben und eher mit einem modernen Märchen zu vergleichen. Unrealistische Handlung(selbst für SciFi), Held, Prinzessin, Bösewicht ist alles vorhanden.
Empfehlenswert für irrationale Sentimentalisten. Echt was fürn mittwoch abend im TV.


KeyJ

Ich habe den Film gestern gesehen und bin eigentlich recht angetan davon. Es gibt zwar Kritikpunkte (kein nennensweter Bezug zum Titel; unklare Motive des Bösewichts; nicht ganz konsistente Zeitreisetheorie), aber die gute, schnell fortschreitende Story entschädigt dafür. Die Vorwürfe der Überdramatisierung und Vorhersagbarkeit greifen m.E. nur an einigen wenigen Stellen.


leonie

ich hab dein film auch gesehn und ich fand den nur klasse gibt vielleicht bessere filme aber der ist wirklich super


paul

Also, ich hatte mich auf einen unterhaltsamen abend gefreut. Daraus ist nichts geworden. Langweilig und fehlerhaft.
Wer sich so wie ich über unlogische Elemente in Filmen ärgert, der sollte diesen Film meiden.
Grausam!


päde

hammer film!!! selten so was gesehn..einfach unglaublich diese story..=))


MoeDaHool

Ich kann nicht nachvollziehen, mit welcher Selbstgefälligkeit hier vereinzelte Provinz"medienwissenschaftler" beurteilen.
Manmanman Sascha, erde Dich mal^^


mainhattan

Es gibt zwar ein paar Sachen, die nicht geklärt werden aber das kann man ignorieren.
Außerdem gibt es einen Bezug zum Titel: Am Ende als er mit ihr im Auto sitzt (nachdem er eigentlich gestorben ist) schaltet er das Radio an und erinnert sich an den die Musik, die auch am Anfang vorkam (ich weiß nicht mehr genau wann) aber er denkt es ist so ein typisches déjà vu wie wir es kennen und schüttelt den Kopf und dann ist der Film zu Ende.

Aber auf jeden Fall ein guter Fil. Ein absolutes Muss


mosiii

es ist ein gueter film, ein bisschen kompliziert aber guuut


Déjà vu ?!

sehr guter SciFi Film bei dem des weiteren auch an vielen Stellen ein guter Bezug zum Titel hergestellt wird (wer dem widerspricht erscheint in erster linie ignorant). Find ich absolut sehenswert und vor allem mit Denzel Washinton ein guter Unterhaltungsfaktor.

@Fredo : Genre: SciFi, Titel + Bericht über den Film bieten gute Informationen über die Handlung und und groben Inhalt. Unrealistische Handlung, Bösewicht, Prinzessin. Diese Kritik spiegelt eindeutig die Qualität des Beitrags wider.


Blub :S

keyJ, lern französisch, versuch dir Allgemeinbildung zuzulegen, lerne logisches Denken... Sehr starker Bezug zum Titel, die Ignoranz scheint der schlimmste Feind des Menschen zu sein; darüber nachzudenken sollte dich der vermeintliche 'Patriot' in dem Film gelehrt haben, da auch dieser unter anderem von Ignoranz getrieben wurde ;)






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.