Death Race

Tollkühne Männer in ihren stinkenden Kisten: Death Race ist, wie sein Vorbild Death Race 2000 (1975), pseudopolitischer Trash mit hohem Oktangehalt, zudem aber ehrliches, geradliniges Actionkino mit heißen Schlitten, scharfen Frauen und reichlich Blut.

Death Race

Da ist er endlich, der Spielfilm zur Bankenkrise. Death Race, der sich mit nichts weniger aufhalten mag als den komplexen Verschränkungen der Weltwirtschaft, spielt in einem hoffentlich fiktiven Jahr 2012: Die USA stehen am Abgrund, Arbeitslosigkeit und Kriminalität haben ein Höchstniveau erreicht. Jensen Ames (Jason Statham) verliert seinen Job, weil seine Stahlfabrik dicht macht; am selben Tag stirbt seine Frau, und er landet, des Mordes an ihr beschuldigt, im Gefängnis.

Der Strafvollzug ist, die Regierung hat ja kein Geld mehr, ebenfalls privatisiert (wie es in der Tat jetzt schon in den realen Vereinigten Staaten vielfach üblich ist) – und soll entsprechend für seine Betreiber Gewinne abwerfen. Gefängnisdirektorin Hennessy (Joan Allen) hatte die grandiose Idee, ein Autorennen für Strafgefangene zu organisieren, bei dem mit harten Bandagen und scharfen Waffen gekämpft wird; wer fünf Mal überlebt und gewinnt, wird freigelassen.

Death Race

Was für ein glücklicher Zufall, dass just Ames – früher ein erfolgreicher Rennfahrer – in ihrem Gefängnis auftaucht, als der bisherige Rennstar „Frankenstein“ den Verletzungen des jüngsten Rennens gerade erlegen ist. Ames wird in Frankensteins Outfit gesteckt, zu dem praktischerweise eine Gesichtsmaske gehört, und stellt bald fest, dass Hennessy hinter dem Mord an seiner Frau steckt.

Den Rest der Handlung kann man sich denken; ebenso ist klar, dass es in Death Race nicht um elaborierte Handlungskonstrukte oder überzeugende Charaktere gehen kann. Es geht, da ist der Filmtitel so unprätentiös wie ehrlich, um Autorennen auf Leben und Tod, es wird also eine Menge gerast und viel gestorben, gerne on screen und mit viel Blut und Getöse.

Death Race

Und doch verbirgt der Film unter seiner betäubend laut wummernden Motorhaube einen gewissen Charme, der über die reinen Schauwerte hinausgeht. Diese, das sei noch erwähnt, sind nicht ganz gering zu schätzen: Die Actionszenen sind sehr solide und spannend in Szene gesetzt, und für das vor allem männlich zu denkende Publikum wurden den meisten Rennfahrern noch angeblich aus dem Frauengefängnis stammende weibliche Beifahrerinnen zugegeben. Die sind etwas knapper bekleidet als das in realen Haftanstalten de facto der Fall sein mag; als kleine Reverenz an das Exploitation-Subgenre des Frauengefängnisfilms kann das dennoch durchgehen.

Schließlich hat Death Race allen Grund, der B-Filmgeschichte jede Ehre zukommen zu lassen, ist er doch ein Remake von Paul Bartels großem Trashklassiker Death Race 2000 (1975; in Deutschland auch als Frankensteins Todesrennen und Herrscher der Straße im Vertrieb), in dem die Hauptfiguren, seinerzeit gespielt von David Carradine und Sylvester Stallone, sich ein Wettrennen durch die Vereinigten Staaten lieferten und Punkte fürs Totfahren unbeteiligter Passanten erhielten; nebenher wurde ein wenig Medienkritik betrieben.

Death Race

In den 1970ern war das als Thema durchaus virulent. Tom Toelle hatte mit seinem phänomenalen Fernsehfilm Das Millionenspiel (1970) schon viele Ideen vorweggenommen und besser inszeniert, die Bartel und Produzent Roger Corman in Death Race 2000 unterbrachten – insbesondere das Konzept einer Fernsehshow, die genau deshalb auf so großes Interesse stößt, weil der Tod der Teilnehmer fester Bestandteil ihres Grundkonzeptes ist. Im populären Mainstream landete das Thema dann spätestens mit der Stephen-King-Verfilmung Running Man (The Running Man, 1987) mit Arnold Schwarzenegger.

Für Death Race hat Regisseur Paul W.S. Anderson die Medienkritik auf ein Minimum eingedampft, was dem Film allerdings sehr gut tut, vor allem weil er erfolgreich vermeidet, sich auf das verlogen-bigotte Niveau anderer Produktionen wie etwa Die Todeskandidaten (The Condemned, 2007) herab zu begeben.

Death Race

Stattdessen reduziert Anderson, der zuletzt 2004 mit Alien vs. Predator einen Schrotthaufen von Film gemacht hatte und seitdem vor allem als Produzent tätig war, seinen neuen Film auf geradlinige Action mit nicht allzu vielen Handlungspausen dazwischen. Ganz nebenbei und wohl eher unbeabsichtigt funktioniert Death Race dann aber eben auch als Kommentar zur Wirtschaftskrise. Die nur virtuell Wert schaffende Hennessy steht hier gegen den Malocher aus dem Stahlwerk – das ausbeutende Kapital gegen den ehrlichen Mann der Arbeit.

Das ist so simpel wie der ganze Film und natürlich kein brauchbarer Ausgangspunkt für politische Analyse; als Ausdruck eines Lebensgefühls taugt es aber vielleicht doch. Und zugleich ein wenig als Warnung vor dem mitschwingenden Gesellschaftsmodell. Frauen etwa, die in Death Race 2000 noch selbstverständlich auch am Steuer saßen, sitzen hier allenfalls auf dem Beifahrersitz.

Mehr zu „Death Race“

Kommentare


Joe

Warum kauft man sich eine Kinokarte für Death Race? Donnernde Big-Block Motoren, qualmende Reifen, knatternde Maschinengewehre und spektakulere Crashs. Genau das liefert Death Race! Und zwar in ausgezeichneter Art und Weise. Die Story wird auf dem nötigen Minimum gehalten, nicht zu wenig, aber auch nicht zu viel. Klar, man hätte die politische Entwicklung zeigen können, mehr auf die gesellschaftlichen Probleme eingehen können oder der Hauptfigur mehr Hintergrund geben können. Aber dann wären von diesem Film nur noch 10 Minuten für das "Death Race" übrig gewesen. Und somit verwise ich auf die eröffnende Frage: Warum kauft man sich eine Karte für Death Race?


JoeSenfmacher

Sau geiler Film!
Kann ich nur empfehlen.
Also wer auf Filme wie oben beschrieben steht, ANGUCKEN!
Die Lichtspielhauskarte lohnt sich auf jeden Fall!






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.