De-Lovely - Die Cole Porter Story

Irvin Winklers Cole Porter-Biographie De-Lovely ist ein exzellent besetzter musikalischer Bilderbogen, eine Hommage an die Glanzzeit der Musicals und gleichzeitig der Versuch, authentisch das Leben einer faszinierenden Persönlichkeit wiederzugeben.

De-Lovely

"All the World’s a stage" schreibt Shakespeare in As you like it, und das könnte man auch über Irvin Winklers Cole Porter Biographie De-Lovely schreiben. Cole Porter (Kevin Kline), einer der großen amerikanischen Komponisten des letzten Jahrhunderts, lässt 73jährig sein Leben mit Hilfe des allwissenden Gabes (Jonathan Pryce), offensichtlich die Kurzform für den Erzengel Gabriel, Revue passieren. Dieser entführt den alten Mann in ein Theater, wo ihm die Gestalten seiner Vergangenheit seine Lebensgeschichte auf der Bühne vorspielen. Dabei präsentieren sie sich als Figuren, Gesichter und Körper, die nur durch die Erinnerung Porters lebendig werden, als Geister, die direkt aus Porters Gedächtnis auf die Bühne springen, um sich für ihn auf die Reise zu machen.

Authentizität ist Irvin Winkler bei De-Lovely wichtig: der Mensch Cole Porter soll nicht glorifiziert werden – anders als in Michael Curtiz kitschigem Biographie-Versuch Night and Day (USA, 1946) mit Cary Grant in der Hauptrolle. Grant spielt Porter als Arbeitstier, der über die Musik seine hingebungsvolle Ehefrau (Alexis Smith) vergisst, um diesen Fehler im rührseligen Finale einzusehen und zu korrigieren. Winkler hingegen zeichnet Porter als egozentrischen Ästheten, hin- und hergerissen zwischen dem Ideal der Liebe und Partnerschaft, den Gefühlen, die er seiner Frau Linda (Ashley Judd) gegenüber verspürt, und den homosexuellen Affären, die er, mit Wissen Lindas, neben seiner Ehe hat. "What is this thing called love?" fragt sich daher folgerichtig Kevin Klines Cole Porter im Film.

De-Lovely

Auch bei der Ausstattung wurde auf Authentizität Wert gelegt: sowohl die Produktionsdesignerin Eve Stewart, die häufig mit dem Briten Mike Leigh (Lügen und Geheimnisse, Secrets and Lies, GB 1996) zusammenarbeitete, als auch die für die Kostüme in Gladiator (USA, 2000) Oscarprämierte Janty Yates, die dafür mit dem italienischen Modeschöpfer Giorgio Armani kooperierte, haben Erstaunliches geleistet, um die goldene Ära des Musicals wieder aufleben zu lassen. Sie haben eine glaubhafte Atmosphäre erschaffen, in der jedes Detail stimmt, auch die Kostüme der High Society Mitglieder Cole und Linda Porter sind glamouröse Beispiele für die Mode ihrer Zeit.

Aber Authentizität ist nicht gleich Wahrheit und so geht es dem Regisseur nicht nur um eine getreue Nachzeichnung von Porters Leben. Sein Film ist auch eine Hommage an die große Zeit des Broadways und die großen amerikanischen (Film-) Musikdramen, deren Markenzeichen die Verbindung von Handlung und Komposition war. De-Lovely erinnert bisweilen an Filme wie Howard Hawks Blondinen bevorzugt (Gentlemen prefer Blondes; USA 1953), denn auch Winkler gelingt es, neben einem pointierten Drehbuch, die Musik zum elementaren Bestandteil seines Werks zu machen: manchmal durch Porters Vortrag am Klavier, oft durch Theatervorführungen und einige Male als integrale Musicaleinlage. Darüber hinaus flicht er die Liedtexte Porters geschickt in die Dialoge ein, was leider bei der ansonsten sehr guten deutschen Synchronfassung nicht ganz so offensichtlich ist.

De-Lovely

Intelligent löst der Regisseur das Problem der unterschiedlichen Zeitebenen und der wechselnden Orte: klare Schnitte werden ersetzt durch Kamerafahrten, welche die Protagonisten von der Bühne in die Filmlandschaft der Erinnerung treten lassen, eine Probe in eine Aufführung verwandeln. All dies wird verbunden durch die unvergleichliche Musik Porters, für deren Interpretation sich – werbewirksam – eine ganze Reihe populärer Musiker gewinnen ließen: von Robbie Williams bis Diana Krall haben sich Künstler zusammengefunden, um mit kleinen Auftritten im Film zu demonstrieren, dass Porters Kompositionen nicht an Attraktivität verloren haben.

Zurzeit erfährt das Genre der sogenannten Biopics, der filmischen Darstellung von Biographien, einen ungeahnten Aufschwung. De-Lovely fügt sich in die derzeit mit Ray (USA, 2004; Regie: Taylor Hackford) oder auch Sylvia (GB, 2003; Regie: Christine Jeffs) vertretenen Filmbiographien ein, aber indem Winkler diese mit den Konventionen des Musicals paart erhält De-Lovely eine besondere Leichtigkeit, die über kleine Längen und überemotionalisierte Szenen hinwegsehen lässt. Denn natürlich finden sich in De-Lovely die für den amerikanischen Biographie-Film typischen pathetischen Momente, die aber von dem souveränen Hauptdarstellerduo Kevin Kline und Ashley Judd mit Natürlichkeit und Glaubwürdigkeit gespielt werden.

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