Daylight

Wenn Kunstwille und Genrekino zusammentreffen, kann dies zu überaus faszinierenden Ergebnissen führen. Muss aber nicht.

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Ein spröder und störrischer Film, der sich der bloßen Erfüllung von Genrestandards versperrt, ist David Barkers Daylight sicherlich, aber auch ein ungeheuer zielloser. Dabei birgt die minimalistische Disposition einiges Potenzial, um die Filmerzählung in unterschiedlichste Richtungen, jede für sich durchaus interessant, weiterzuentwickeln. Ein Ehepaar, gemeinsam im Auto unterwegs, nimmt einen Anhalter auf, der sich schnell als Kidnapper erweist, und wird von diesem und zwei weiteren Komplizen in ein leerstehendes Haus verschleppt. Zu welchem Zweck, bleibt zunächst offen, das sündhaft teure Auto des Paares nimmt man jedenfalls gerne.

Daylight 06

Schnell werden die Partner separiert, den Ehemann (Aidan Redmond) will man gleich ermorden, was man sich in der Hoffnung auf ein hohes Lösegeld dann aber verkneift, die hochschwangere Irene (Alexandra Meierhans) sperrt man zuerst einmal im Haus ein. Der Lösegeldplot wird dannkaum noch weiterverfolgt, nachdem man einen der Entführer mit dem Gatten aus dem Film schickt, und im Haus deutet sich unter den Verbliebenen ein sadistisches Spiel nach dem Vorbild von Michael Hanekes erzkonservativem Pamphlet Funny Games (1997) an. Aber auch darum geht es in Daylight nicht, der bis zum wenig befriedigenden Epilog merkwürdig leer bleibt: ein Message Movie ohne Message?

Daylight 05

Per Ausschlussverfahren wäre lediglich zu klären, wofür sich Daylight so alles nicht interessiert; dabei wären nämlich die Kriminalerzählung, ihre Entwicklung oder gar ihre Auflösung nur der Anfang. Offensichtlich interessiert er sich auch nicht für seine Figuren, unter denen einzig der seltsam kindlich anmutende, bedrohlich fragil auf der Borderline balancierende Kidnapper Renny (Michael Godere) etwas Kontur gewinnt; nicht für die Entfaltung der Gruppendynamiken zwischen Entführern und Opfern; und zu guter Letzt, einigen Anderes andeutenden, aber komplett sinnfreien Rückblenden zum Trotz, auch nicht für die in Frage stehende Beziehung zwischen den Ehepartnern. Das einzige Motiv, das sich einigermaßen konsequent durch den kompletten Film zieht, ist ein verschwurbelter Katholizismus, den die werdende Mutter Irene angesichts der Schwangerschaft für sich entdeckt hat.

DAYLIGHT 04

Womöglich ist Regisseur Barker wirklich der Meinung, er habe einen psychologischen Terrorfilm über die Ängste und Traumata einer schwangeren, sich ihrer Ehe unsicheren Frau inszeniert. Tatsächlich ist Daylight aber nur eine Loseblattsammlung voller unausgegorener Symbolik und nicht zu Ende gedachter Ansätze. Wo sich, selten genug, einmal zwei Ideen miteinander verknüpfen lassen, da bleibt alles doch immer gnadenlos flach und unterentwickelt, und daher scheitert Daylight sowohl als Kunstfilm als auch als Genrebeitrag leider auf ganzer Linie.

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